Laterne, Sonne, Mond und Sterne -
Eiserne Lichtspender im Tiergarten tragen skurrile Namen



Kostbar gestaltet und pflegebedürftig sind die Gaslaternen, die im Tiergarten zu einem Freilichtmuseum versammelt sind. (Foto: Caspar)

In Berlin Stadt gehören die Gaslaternen zu den Auslaufmodellen der Straßenbeleuchtung. Nach und nach werden sie abgebaut, doch was auf diesem Gebiet früher einmal in Berlin und darüber hinaus leuchtete, kann man in einem Freilichtmuseum unweit des S-Bahnhofs Tiergarten bewundern. Manch einer mag beim Anblick der 90 an einem langen Weg und auf kleinen Rondellen aufgestellten Leuchten das alte Kinderlied „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“ summen. Ob aber die Besucher und die vielen Jogger wissen, die hier vorbei kommen, dass die „Erleuchtung“ dunkler Straßen und Gassen vor über 200 Jahren ein teures Vergnügen war und ausgediente und speziell vereidigte Soldaten abkommandiert waren, die Leuchten mit Öl zu versorgen und die ständig verrußten Glasscheiben zu putzen, damit sie das Licht im Inneren nach draußen lassen und Fußgängern und Fahrzeugen die Passage zu erleichtern? Das Freilichtmuseum gibt nähere Aufklärung und zeigt, dass die ältesten, nach dem Architekten und Stadtplaner Karl Friedrich Schinkel benannten Laternen klassizistisch-einfach gestaltet wurden. Hingegen trumpfen in dem Freilichtmuseum mehrarmige Kandelaber aus der Kaiserzeit nach 1871 mit neobarocken Prunk und ausladenden Armen auf. Ihr Gaslicht sollte ja die Avenuen und Plätze der neuen deutschen Hauptstadt ausleuchten und auch unterstreichen, dass Berlin eine nicht mehr die kleine Residenz der Preußenkönige ist, sondern eine aufstrebende Metropole von Weltrang, vergleichbar mit London, Paris, Wien, Rom und Sankt Petersburg.

Auf einer Tafel zwischen den Laternen wird mitgeteilt, dass das Freilichtmuseum 1978 eingerichtet wurde und neben Berliner Laternen und Kandelabern auch solche aus 24 anderen deutschen Städten und elf weiteren aus dem Ausland vereint und damit die umfangreichste Sammlung dieser Art in Europa ist. Bei näherer Betrachtung erfährt man übrigens, dass manche Straßenlaternen skurrile Namen wie Bischofsstab, Großer Galgen, Pilzleuchte, Bündelpfeiler, Wiener Mast oder Schwanenhals tragen. Schaut man genau hin, dann sieht man, dass die Bezeichnungen nicht aus der Luft gegriffen sind, sondern die Gestalt der eisernen Lichtspender ziemlich genau treffen.

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