Heiliger Stein des Anstoßes –
Republik Venezuela fordert riesigen Findling im Tiergarten wieder zurück



Der aus Quarzsandstein bestehende „Stein der Liebe“ mit anderen Brocken eine Freifläche im Großen Tiergarten. Wie lange das so bleibt, muss zwischen Deutschland und Venezuela ausgehandelt werden. (Foto: Caspar)

Zu einem Stein des Anstoßes ist ein riesiger Findling geworden, der mit weiteren Brocken dieser Art eine Freifläche im Großen Tiergarten schmückt. Den 35 Tonnen schweren, rosa schimmernde Koloss verehren die in Venezuela lebenden Pemón-Indianer als Heiligtum, weshalb er an seinen Ursprungsort zurück gebracht werden soll. Bei einem Besuch in Berlin wies der Präsident des Nationalen Instituts für das Kulturerbe, Raúl Grioni, darauf hin, der legendenumwobene Stein sei von dem deutschen Künstler und Weltumsegler Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld illegal außer Landes gebracht worden, um in Berlin im Rahmen eines Kunstprojekts neu aufgestellt zu werden. Der „Stein der Liebe“ stamme aus dem Naturreservat im Gebiet der Pemón-Indianer, von wo er 1997 abtransportiert wurde. Diese kämpfen seither um die Rückkehr. Seit 2011 beschäftigt der Fall sogar die venezolanische Regierung, die vor wenigen Monaten rechtliche Schritte einleitete. „Wenn keine Lösung gefunden wird, werden wir den Stein auch in Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten zurückfordern“. Niemand habe damals das Recht gehabt, so Grioni weiter, die Ausfuhrpapiere auszustellen. Deshalb stufe die venezolanische Staatsanwaltschaft den Vorgang als Schmuggel in einem schwerwiegenden Fall ein. Hingegen erklärt das Auswärtige Amt in Berlin, es handle sich bei dem Streitobjekt um eine „rechtmäßige Schenkung mit allen Papieren“.

Tief betroffen von der Diskussion um den heiligen Stein zeigt sich Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld. Er habe vor Jahrzehnten damit begonnen, auf jedem Kontinent jeweils zwei besonders charakteristische Steine zu suchen und sie zu bearbeiten. Ein Stein sei am Ort geblieben, der andere sei auf einen Platz im Berliner Tiergarten unweit des Reichstagsgebäudes und des Holocaust-Denkmals gekommen. Alle Steine seien kreisförmig angeordnet. „Sie liegen mit ihrer Spiegelfläche in einem Winkel zur Sonne, so dass sie am 21. Juni das Licht zur Sonne reflektieren und es in einer Frequenz von 16 Minuten um die Erde zu ihrem Schwesterstein senden“. Die spiegelnden Flächen der Steine seien so ausgerichtet, dass zwischen ihnen fünf unsichtbare Linien aus Licht entstehen. Es bleibe dem Betrachter überlassen, sie durch seine aktive Imagination zu verbinden und somit ein Symbol der geeinten Menschheit zu formen. Sollte umstrittene Stein nach Venezuela zurück gebracht werden, müsse er sich einen anderen vielleicht in den USA oder Kanada umschauen, doch bleibe ihm, dem Neunundsiebzigjährigen, dazu nicht mehr viel Zeit. Zu den Mythen rund um den aus Quarzsandstein bestehenden Findling stellte der Berliner Ethnologe und Pemón-Experten Prof. Dr. Bruno Illius fest, diese seien eine politisch motivierte Erfindung einzelner Personen, die ein Interesse haben, ihn nach Venezuela zurückzuholen und daraus politisches Kapital zu schlagen.

Zurück zur Themenübersicht "Berlin und das Land Brandenburg"