Stalin kam immer ein wenig zu spät - Neue Ausstellung im Schloss Cecilienhof schildert, was auf der Potsdamer Konferenz geschah



Der in eine Steinkugel geritzte Sowjetstern im Garten des Schlosses Cecilienhof erinnert daran, dass hier im Sommer 1945 große Geschichte geschrieben wurde.



Wichtigstes Exponat der Ausstellung ist der große Saal, in dessen Mittelpunkt ein in der Moskauer Möbelfabrik Lux hergestellter riesiger Tisch steht.



Besucher lernen nicht nur die großen und kleinen Machtspiele während der Potsdamer Konferenz kennen, sondern auch das edle, an englischen Landschlössern orientierte Wohnumfeld des deutschen und preußischen Kronprinzenpaares Wilhelm und Cecilie. (Fotos: Caspar)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen die Spitzen der Siegermächte über Nazideutschland in Potsdam zusammen, um über das weitere Schicksal des am Boden liegenden Deutschen Reiches und Europas sowie über die Herstellung einer neuen Friedensordnung zu beraten. Eine neue Ausstellung am Konferenzort, dem 1913 bis 1917 für das aus dem Haus Hohenzollern stammende deutsche und preußische Kronprinzenpaar Wilhelm und Cecilie erbauten Schloss Cecilienhof, schildert, was bei dieser historischen Zusammenkunft vor und hinter den Kulissen geschah, wie man einander aus dem Weg ging und welche bis heute nachwirkenden Beschlüsse dort gefasst wurden.

Ohne Zweifel war der sowjetische Diktator Josef Stalin die dominierende Person der Tagung vom 17. Juli bis 2. August 1945. Mit seiner weißen Uniform war er auf den Fotos, die tagtäglich um die Welt gingen, sofort zu erkennen. Der Generalissimus pflegte immer ein paar Minuten zu spät zu kommen, so dass ihn die anderen Konferenzteilnehmer Harry S. Truman für die USA sowie Winston Churchill beziehungsweise Clement Attlee für Großbritannien beim Eintreten in den Konferenzsaal mit dem runden Tisch von grandiosen Ausmaßen im Mittelpunkt wider Willen stehend empfangen mussten. Während Stalin auf Fotos grinsend und recht jovial erscheint, schauen seine Verhandlungspartner verdrießlich drein. Ihnen war bewusst, dass „Onkel Joe“ am längeren Hebel saß und schon bald Herr über halb Europa sein würde. Um ihm die gute Laune zu vermiesen und Stärke zu beweisen, vor allem aber um den Krieg gegen Japan schnellstmöglich zu beenden, gab Präsident Truman von Potsdam aus den Befehl, Hiroshima und Nagasaki durch den Abwurf von Atombomben zu zerstören. Stalin ließ sich nichts anmerken, und schon bald verfügte auch er über eine solche Massenvernichtungswaffe. So war das Gleichgewicht des Schreckens hergestellt, und der Kalte Krieg mit den bekannten Folgen begann.

Selbstverständlich stehen die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz im Mittelpunkt der neuen Dauerausstellung, insbesondere die dort festgelegten Maßnahmen zur Ausmerzung des Nazismus im ehemaligen Deutschen Reich, die Bestrafung der Kriegsverbrecher und die Zerschlagung der Rüstungsindustrie, aber auch die „Ausweisung“, das heißt Vertreibung, von Millionen Menschen aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße sowie aus weiten Teilen der Tschechoslowakei und aus anderen Staaten. Die in Potsdam zur Schau gestellte Einigkeit war, wie die Dokumentation verdeutlicht, kaum einen Pfifferling wert. Und so kaschiert das Abschlussdokument mühsam, dass es bei den Verhandlungen zu handfestem Streit kam und die Großen Drei am Ende ärgerlich auseinander gingen. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hat die zum Weltkulturerbe gehörende Prinzenresidenz im Potsdamer Neuen Garten restauriert und für die Ausstellung neue Räume erschlossen. Durch sie wandelnd, kann man nachempfinden, wie herrlich und in Freuden das Kronprinzenpaar Wilhelm und Cecilie und seine Entourage auch nach der Abschaffung der Monarchie residierten. Und es wird auch gezeigt, wie vom Schloss Cecilienhof aus östliche und westliche Weltreiche regiert wurden und wie sich ehemalige Bündnispartner bereits hier entfremdeten. Das Schloss Cecilienhof ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, weitere Informationen im Internet unter www.spsg.de.

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