Wasserstrahlen und Moorpackungen -
Heimatzeitschrift macht mit brandenburgischen Heilstätten und Badeorten bekannt



Der Prospekt aus der Zeit um 1760 zeigt den Freienwalder Gesundbrunnen, aus dem sich mit der Zeit ein bekannter Badebetrieb entwickelte.



Männer lassen es sich im Wilsnacker Eisenmoorbad gut gehen. Aufnahme aus den zwanziger bis dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Fotos aus „Die Mark Brandenburg“ Heft 89

Behandlungen mit warmem und kaltem Wasser, das Trinken von heilkräftigen Flüssigkeiten und die Kuranwendung von Moorpackungen, Lehm, Fango, Kreide und anderen Substanzen sind keine Erfindung der Neuzeit, denn schon im Altertum haben sich Menschen dieser Mittel bedient, um ihre Gesundheit zu erhalten und zu verbessern. Unsere Region machte da keine Ausnahme, und so widmet die Heimatzeitschrift „Die Mark Brandenburg“ ihr neuestes Heft 89 den bekannten Badeorten und Heilstätten in Beelitz, Bad Freienwalde, Wilsnack und Saarow. Im einleitenden Kapitel zitiert Bärbel Mann den berühmten Pfarrer Sebastian Kneipp mit den Worten „Wer nicht jeden Tag etwas für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages viel Krankheit für seine Krankheit opfern“. So gut die Mahnung auch gemeint war, nicht jedem war es vergönnt, sich seiner Gesundheit zu widmen und Badekuren in Anspruch zu nehmen. Dazu musste man begütert sein, und so fanden sich in vergangenen Jahrhunderten vor allem Leute von Rang, Stand und Geld in berühmten Bädern ein und pflegten ihre Gesundheit sowie soziale Kontakte. Der große Rest der Bevölkerung kämpfte ums nackte Überleben und konnte weder Schönheiten der Natur noch an Heilkuren oder an Schlammpackungen denken.

Brandenburg blickt auf eine über dreihundertjährige Tradition im Bäder- und Kurwesen zurück. Außer den eingangs erwähnten Orten haben Belzig, Buckow, Burg, Liebenwerda, Rheinsberg, Templin und weitere Städte unter dem Motto „Brandenburg - natürlich - gesund“ eine langjährige Erfahrung als Kurorte und Heilstätten. Wie es da zuging und wie die Angebote heute aussehen, schildert Karl-Friedrich Hinkelmann am Beispiel von Bad Freienwalde. Das durch sein schwefel- und eisenhaltiges Frischmoor berühmte Kurbad ist das älteste in Brandenburg. Gegründet unterm Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, hatte Bad Freienwalde viele illustre Gäste und sah außer Perioden des Glanzes auch solche des Niedergange und des Verfalls. Hier suchten und fanden die Hohenzollern Erholung beim Trinken eines „Gesundbrunnens“. Auch die gelegentlich kränkelnde und durch zehn Schwangerschaften geschwächte Königin Luise fand an diesem naturnahen Refugium Gefallen. Wenn sie sich nicht gerade in Bad Pyrmont aufhielt, ging sie nach Freienwalde, das 1925 in Bad Freienwalde umbenannt wurde. Luise nahm in Freienwalde letztmalig kurz vor Weihnachten 1809 auf der Rückreise von Königsberg nach Berlin Quartier. Niemand ahnte, dass sie gut ein halbes Jahr später tot sein würde. Das Schloss Freienwalde demonstriert nicht nur königliche Baukunst, Badefreuden und Natursehnsucht vor zwei Jahrhunderten, sondern ist auch mit dem Berliner Industriellen und Außenminister Walther Rathenau verbunden, der 1922 von rechtsextremistischen Offizieren ermordet wurde. Der Chef der AEG erwarb das Schloss im Jahre 1909 und sorgte dafür, dass es als Kleinod klassizistischer Baukunst und königlichen Sommerwohnsitz erhalten bleibt. Der Artikel mit einer Chronik des Badebetriebs von 1685 bis 2012 macht neugierig, den berühmten Kurort östlich von Berlin zu besuchen und seinen Service in Anspruch zu nehmen, aber auch seine Sehenswürdigkeiten zu genießen.

Siegfried Wollin macht mit der wechselvollen Geschichte der Beelitzer Heilstätten bekannt. In dem weiträumigen Areal aus der Kaiserzeit suchten vor allem an der Volkskrankheit Tuberkulose leidende Menschen Rettung und Erholung. Der Beitrag macht mit leitenden Ärzten des Sanatoriums bekannt und führt seine Baulichkeiten vor. Nach 1945 von der Roten Armee als größtes Krankenhaus außerhalb der Sowjetunion genutzt und zum Sperrgebiet erklärt, wurden die Häuser nur noch notdürftig gewartet und waren dem Verfall preisgegeben. Zwar werden derzeit einige Gebäude von medizinischen Einrichtungen rekonstruiert und genutzt. Doch liegt das geschichtsträchtige Areal brach und ist ungeschützt vandalischen Anschlägen ausgesetzt. Der Beitrag wäre perfekt, würde man noch erfahren, wie sich das Land Brandenburg die Zukunft der Beelitzer Heilstätten vorstellt, die seit 1995 unter Denkmalschutz stehen und schon deshalb staatliche Fürsorge in Anspruch nehmen können und müssen. Da geht es den Kurorten Bad Wilsnack und Bad Saarow, die von Bärbel Mann und Matthias Dunger vorgestellt werden, entschieden besser. Sie haben in der Kurortelandschaft einen guten Namen, und so trägt denn auch das neue, wie immer hervorragend illustrierte Heft der „Mark Brandenburg“ dazu bei, sie überregional weiter bekannt zu machen.

INFO Die Mark Brandenburg Heft 89, 40 Seiten, zahlr. Abb., Berlin 2013. Marika Großer Verlag Berlin 2013 (Tel. 030/645 2801)

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