„Von guten Mächten wunderbar geborgen“ -
Vortragssaal der Staatsbibliothek wurde nach Dietrich Bonhoeffer benannt



Die von dem österreichische Bildhauer und Grafiker Alfred Hrdlicka geschaffene Bonhoeffer-Büste ehrt einen unerschrockenen Mann, der zum mündigen Christsein ermutigte und zum Widerstand gegen die Schändung elementarer Menschenrechte aufrief.



Ein Bronzedenkmal in Gestalt eines menschlichen Torsos und zwei Gedenktafeln an der Zionskirche in Berlin-Mitte erinnern an den unerschrockenen Geistlichen, der 1932 in dem Gotteshaus gepredigt und konfirmiert hat. Eine weitere Tafel an der Matthäuskirche am heutigen Kulturforum im Ortsteil Tiergarten weist darauf hin, dass Dietrich Bonhoeffer 1931 hier zum Pfarrer ordiniert wurde. (Fotos: Caspar)

Die Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz hat im Rahmen einer Feierstunde einen Vortragssaal in ihrem Haus II an der Potsdamer Straße nach dem von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Theologen Dietrich Bonhoeffer benannt. Deutschlands größte Buch- und Schriftensammlung hatte 1996 den Nachlass des evangelischen Theologen erworben und begonnen, ihn wissenschaftlich zu erschließen. Bonhoeffers Briefe, Manuskripte und Notizen sowie seine Bücher gehören inzwischen zu den am häufigsten benutzten Nachlässen der mit solchen Hinterlassenschaften reich gesegneten Bibliothek. In den vergangenen Jahren konnte dieser Schatz durch großzügige Schenkungen und Ankäufe ergänzt werden. Außerdem hat der Verein der Freunde der Staatsbibliothek Spenden für die Restaurierung geschädigter Bonhoeffer-Dokumente eingeworben. Die Staatsbibliothek erinnert vor dem Vortragssaal mit einer von Alfred Hrdlicka geschaffenen Bonhoeffer-Büste. Der aus einem mächtigen Marmorblock herauswachsende Kopf des Theologen wurde der Bibliothek von der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Dietrich Bonhoeffer gehört zu den bekanntesten Vertretern der nach 1933 gegründeten Oppositionsbewegung Bekennende Kirche, die sich entschieden gegen die Rasse- und Kirchenpolitik der Nationalsozialisten und ihre terroristischen Maßnahmen gegen Juden und andere zu Volksfeinden erklärte Menschen wandte. Nach Hitlers Machtübernahme vor nunmehr 80 Jahren forderte Bonhoeffer von der Kirche „nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen.“ Im Unterschied zur Glaubensbewegung der Deutschen Christen, die sich selber „SA Christi“ nannten und den menschenfeindlichen Kurs der Nazis unterstützen, war für Bonhoeffer und seine Mitstreiter das Christentum mit der NS-Rassenideologie unvereinbar. Aus Gründen des Gewissens seien Christen zum Widerstand gegen die Schändung elementarer Menschenrechte genötigt – davon war Bonhoeffer überzeugt.

Seit 1940 aktiv im Widerstand, wurde der Theologe mit Rede- und Schreibverbot belegt und 1943 verhaftet. Für ihn begann in Tegel, im Gestapo-Gefängnis Prinz-Albrecht-Straße und im Konzentrationslager Buchenwald eine quälend-lange Haft- und Wartezeit. Kurz vor dem Kriegsende wurde der Neununddreißigjährige am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet. Ein in Berliner Gestapohaft als Weihnachtsgruß für seine Eltern und Geschwister geschriebenes Gedicht fand Eingang in evangelische Gesangsbücher. Darin ruft Bonhoeffer Gott mit diesen Worten an: „Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern, / des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, / so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern / aus deiner guten und geliebten Hand. [...] Von guten Mächten wunderbar geborgen / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, / und ganz gewiss an jedem neuen Tag“.

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