Denkmäler, Glocken und Kanonen -
„Die Mark Brandenburg“ macht mit historischem Bronze- und Eisenguss bekannt



Eine der populärsten Arbeiten aus der Gladenbeck’schen Kunstgießerei in Berlin-Friedrichshagen ist der Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus.



Das Lutherdenkmal an der Berliner Marienkirche wurde bei Gladenbeck in Friedrichshagen gegossen. Die dazu gehörigen Assistenzfiguren wurden für Kriegszwecke eingeschmolzen. (Fotos: Caspar)

Der Metallguss ist eine uralte Kulturtechnik, die frühen Zeitaltern der Menschheitsgeschichte den Namen gab - Bronzezeit und Eisenzeit. Die Epochen haben auch in unserer Region bemerkenswerte Spuren hinterlassen, die in Museen sowie auf Straßen und Plätzen bewundert werden können. Das neue Heft der Heimatzeitschrift „Die Mark Brandenburg“ stellt Arbeitsgeräte, Waffen, Glocken, Gefäße, Schmuck und andere Gegenstände aus Bronze und Eisen vor und zeigt in einer Auswahl, wer sie hergestellt hat und wo sich die Gießereien befanden. Die Bedingungen für die Blüte des Bronze- und Eisengusses waren ideal, schreibt Artur Engel zu Beginn der instruktiven Ausgabe. Die tiefen Wälder lieferten die nötigen Brennmaterialien, um das Metall zu schmelzen und in nützliche und schöne Gegenstände zu verwandeln. Der Verfasser macht mit historischen Form- und Gießtechniken bekannt und zeigt, warum der Bronze- und Eisenguss in neuerer Zeit durch andere Verfahren und Materialien abgelöst wurde.

Wie wichtig die Hohenzollern den Bronzeguss erachteten, schildert Uwe Michas in seinem Beitrag über das Königliche Gießhaus, in dem unweit des Berliner Zeughauses (heute: Deutsches Historisches Museum) Kanonen, aber auch Standbilder, Glocken, Prunksärge und andere Dinge hergestellt wurden. Dabei waren riesige Summen im Spiel. Allein die im frühen 18. Jahrhundert aus Gründen der königlichen Repräsentation hergestellte Kanone „Asia“ kostete 17 828 Reichstaler, etwa das Jahresgehalt von drei bis vier Ministern. Viel teurer war das Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, das 1703 nach einem Modell von Andreas Schlüter von Johann Jacobi gegossen wurde. Ursprünglich auf der Berliner Schlossbrücke aufgestellt, schmückt das Bronzemonument heute den Ehrenhof des Schlosses Charlottenburg. Im überdachten Innenhof des Zeughauses, aber auch in der Spandauer Zitadelle sind historische Kanonen ausgestellt, die entweder in Berlin gegossen oder von preußischen Soldaten als Kriegsbeute hierher gebracht wurden.

In Berlin hat man nicht nur den Bronzeguss gepflegt, auch der Eisenkunstguss kam hier vor 200 Jahren zu hoher Blüte. Marcel Piethe befasst sich mit der 1804 gegründeten Königlichen Eisengießerei, deren Erzeugnisse bis heute in Form von Grabkreuzen, Brückengeländern und Denkmälern geschätzt werden. Hinzu kommen Medaillen und Plaketten aus Eisenkunstguss sowie filigraner Schmuck, der vor 200 Jahren in Mode kam, als es hieß „Gold gab ich für Eisen“. Das „Fer de Berlin“, also das Berliner Eisen, war ein internationaler Begriff, doch konnte das große Ansehen der Fabrik ihren allmählichen Niedergang nach 1848 und ihre Auflösung 1873 nicht verhindern.

Inzwischen hatten sich private Bildgießereien in Berlin etabliert, allen voran nach der Reichseinigung die Firma Gladenbeck in Friedrichshagen, das damals noch außerhalb der Reichshauptstadt lag. Gladenbeck’sche Güsse wie das Reiterdenkmal Friedrich Wilhelms IV. auf der Freitreppe der Alten Nationalgalerie und ein paar Schritte weiter die Amazone auf der Treppe des Alten Museums am Lustgarten, ferner die vergoldete Victoria auf der Siegessäule im Tiergarten, der Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus, das Luther-Denkmal an der Marienkirche und andere Monumente auch im Ausland sind ein Beleg für den zunehmenden Hang des 19. Jahrhunderts, an Persönlichkeiten und Ereignisse der Geschichte und Gegenwart dauerhaft durch Stein und Bronze zu erinnern. Inge Kießauer weist in ihrem Beitrag weiter darauf hin, dass das im Krieg von 1870/71 unterlegene Frankreich seine Kontributionen auch in Form von Bronzekanonen begleichen musste, die zur Herstellung von solchen Skulpturen verwendet wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie sah es für die Gladenbeck’sche Gießerei nicht gut aus. Die von Kaiser Wilhelm II. erteilten Großaufträge blieben aus, mit Kleinbronzen konnte aber kein Geschäft mehr gemacht werden. Die Inflation besiegelte vor 90 Jahren das Schicksal der Aktiengesellschaft vormals H. Gladenbeck & Sohn, deren Firmensitz an der Peter-Hille-Straße in Friedrichshagen heute eine Schule ist.

Bliebe noch ein Hinweis auf den seit 800 Jahren in der Mark Brandenburg gepflegten Glockenguss. Im Mittelalter wurden Glocken in gewaltiger Zahl gegossen, schreibt Matthias Friske in seinem Beitrag, denn etwa 1500 Kirchen mussten mit ihnen versorgt werden. Da städtische Kirchen vier bis fünf Glocken anschlugen und Dorfkirchen bis zu drei, müssen mehrere tausend Geläute dieser Art zusammengekommen sein. Die wenigsten sind auf uns gekommen. Die Waffen- und Kriegsindustrie forderte in späteren Jahrhunderten ihren Tribut.

INFO Die Mark Brandenburg, Heft 91, 40 Seiten, zahlr. Abb., 5 Euro. Marika Großer Verlag Berlin, Bruno-Wille-Straße 4 c, D-12587 Berlin-Friedrichshagen, Tel. 030/645 2801.

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