Berliner Dom stellt sich seiner Geschichte -
Rolle des Gotteshauses am Lustgarten während des Nationalsozialismus wird erforscht



Irmgard Schwaetzer plant für 2013 etwa 110 Konzerte im Berliner Dom und unterstützt die Erforschung seiner Geschichte.



Etwa 650 000 Touristen sowie 130 000 Gottesdienstbesucher und 130 000 Musikfreunde weilten im vergangenen Jahr im Dom am Lustgarten, der sich zu einem einzigarteigen Kulturstandort entwickelt hat.



Eine besondere Anziehungskraft üben die etwa einhundert Särge in der Hohenzollerngruft des Berliner Doms aus. (Fotos: Caspar)

Mit Gottesdiensten, Forschungen, Konzerten und anderen Veranstaltungen beteiligt sich der Berliner Dom am Themenjahr 2013 „Zerstörte Vielfalt“ über die Errichtung der NS-Diktatur vor 80 Jahren und ihre schrecklichen Folgen. Lange konnten die Akten über die Rolle des Berliner Doms und seiner Gemeinde in der Zeit zwischen 1933 und 1945 nicht eingesehen werden. Die Unterlagen über die dunkelste Periode der deutschen Geschichte und die Zeit davor haben ungeordnet und daher auch unbenutzbar die Kriegs- und Nachkriegszeit überstanden. Seit längerer Zeit werden sie von einem eigens eingestellten Archivar gesichtet und für die Forschung aufbereitet. Im Rahmen einer Doktorarbeit an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität werden die Spannungen untersucht, die es innerhalb der Evangelischen Kirche und der Domgemeinde zwischen den hitlertreuen Deutschen Christen, die sich als „SA Jesu“ bezeichneten, und Vertretern der Bekennenden Kirche gab. „Diese Gruppe oppositioneller Christen ließ sich nicht vor den Karren der Nazis spannen, sondern brandmarkte mit deutlichen Worten die NS-Politik als unchristlich nahm schwere Opfer an Freiheit und Leben in Kauf“, erklärte Irmgard Schwaetzer, die Vorsitzende des Domkirchenkollegiums, bei der Vorstellung des randvoll gepackten Jahresprogramms 2013, in dem auch die Wiedereröffnung des im Zweiten Weltkrieg stark beschädigtem Doms vor 20 Jahren eine Rolle spielt. Erster Höhepunkt sei vom 19. Februar bis 29. März geplante Aufführung der von Johann Sebastian Bach komponierten und von Christoph Hegel inszenierte Johannespassion. Dazu zeigt das Bachhaus Eisenach bis zum 7. April 2013 die Ausstellung „Bachs Passionen“. Zum 200. Geburtstag des Komponisten Richard Wagner werden unter dem Motto „Wagner ohne Worte“ Orgelkonzerte mit Auszügen aus dem Parsifal, der Götterdämmerung und dem Tannhäuser gegeben.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des 1905 eingeweihten Doms am Lustgarten konnten im vergangenen Jahr etwa eine Million Besucher begrüßen und stellen im neuen Jahr mit Befriedigung fest, dass der Zustrom in die Gottesdienste, Konzerte, Führungen, Bibelstunden, Glaubenskurse, Konfirmandenstunden und Lebensberatung ungebrochen ist. Erfreulich sei, dass auffällig viele junge Menschen in den Dom kommen, und zwar nicht nur, um ihn von Kuppel bis in die Hohenzollerngruft zu besichtigen, sondern auch Impulse für ihren Glauben und die Lebensgestaltung zu empfangen, sagt Domprediger Thomas C. Müller. Derzeit umfasse die Domgemeinde knapp 1400 Mitglieder. Sie sei offen für evangelische Christen aus der ganzen Stadt, beschränke sich also nicht auf den Bezirk Mitte. Mit Befriedigung konstatiert Müller die Zunahme der Taufen nicht nur von Kindern, sondern nach intensiven Gesprächen auch von Erwachsenen. Der Berliner Dom ist von Montag bis Samstag zwischen 9 und 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 12 bis 20 Uhr geöffnet.

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