Blick in einen alten Kaufhauskeller -
Archäologen fanden in der Breiten Straße interessante Reste einer alten Bebauung



Aus den Kellern des berühmten Kaufhauses Hertzog in der Breiten Straße stammen diese Gegenstände aus Keramik. Was es mit der Steinkugel am oberen Bildrand auf sich hat, konnte bisher noch nicht geklärt werden. (Foto: Caspar)

Bei Ausgrabungen an der Breiten Straße wurden Archäologen vom Landesdenkmalamt fündig. Im Vorfeld von Neubauten haben sie die Fundamente des ehemaligen Kaufhauses Hertzog sowie des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Ermelerhauses und ihrer Vorgänger freigelegt. Kaufhauskönig Rudolph Hertzog betrieb vor hundert Jahren in der Breiten Straße das zeitweilig größte Kauf- und Versandhaus der Welt. Der edel ausgestattete Konsumtempel war auf Mode, Möbel, Teppiche und ähnliche Erzeugnisse spezialisiert und belieferte auch den kaiserlichen Hof nicht weit vom Stadtschloss entfernt.

Freigelegt wurden unter anderem Reste eines Heizungssystems sowie von Aufzügen. Zahlreiche Kleinfunde vermitteln ein interessantes Bild vom Leben und den Angeboten des riesigen Kauf- und Geschäftshauses. So haben die Ausgräber jede Menge Trinkgefäße, aber auch Knöpfe der Uniformen gefunden, die Hertzogs Angestellte trugen. Hinzu kommen Stücke aus der ehemaligen Knopfabteilungen und Tintenfässer aus den Kontoren. Aus den Vorgängerbauten des Kaufhauses stammen überdies Reste aufwändig gestalteter Öfen, eines Brunnens und von mittelalterlichen Kellern. Das Kaufhaus wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Es wurde danach abgebrochen, um hier das DDR-Bauministerium errichten zu können.

Da der Kaufhausbesitzer, der zeitweilig zu den reichsten Männern Berlins gehörte, sozial eingestellt war, gewährte er seinen Angestellten manche Vergünstigungen. Sie und die Kunden konnten sich in der Kantine gratis beköstigen. Dass Hertzog noch vor Kaiser Wilhelm II. durch Berlin mit dem Automobil fuhr, brachte ihm einen Prozess ein. Der Kaufhausbesitzer hatte es gewagt, sich das Kennzeichen I A 1 zuzulegen, was den Kaiser genötigt hätte, sein Auto mit I A 2 registrieren zu lassen, was aber bei dem damaligen Oben und Unten unmöglich war, erzählt Projektleiter Jörg Schümann. Da der Kaufhauskönig ein Patent auf seine Autonummer besaß, zog der Kaiser den Kürzeren und rächte sich, indem er ihm den damals sehr begehrten Titel Hoflieferant verweigerte. Hertzog konnte das verschmerzen, und der Kaiser ließ dennoch weiter bei ihm kaufen.

Im Landesdenkmalamt werde überlegt, wo und wie die interessantesten Fundstücke der Öffentlichkeit präsentiert werden, sagte Landesarchäologin Karin Wagner bei der Präsentation einer kleinen Auswahl aus den Kaufhauskellern. Das gelte auch für Relikte aus den Gewölben des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Ermelerhauses gleich nebenan. Abbau und Versetzung dieses berühmten Stadtpalais an das Märkische Ufer erfolgten um 1966 wegen der Neubebauung der Breiten Straße, deren Gesicht sich in den kommenden Jahren verändern wird.

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