Zuwachs in der „Straße der Erinnerung“ -
Ernst Freiberger-Stiftung ehrt im Berliner Spreebogen die Bildhauerin und Grafikerin Käthe Kollwitz



Die im Spreebogen enthüllte Büste von Käthe Kollwitz wurde in der bekannten Bildgießerei Hermann Noack nach einem Modell von Christine Dewerny gegossen. Eine zweite Tafel im Sockel zitiert die Künstlerin mit den Worten „Nie habe ich eine Arbeit kalt gemacht, sondern gewissermaßen mit meinem Blut. Das müssen die, die sie sehen, spüren“.



In der Mitte der Neuen Wache Unter den Linden hat die von Käthe Kollwitz geschaffene Mutter Aufstellung gefunden, die um ihren toten Sohn trauert.



Seit 1958 erhebt sich auf dem Kollwitzplatz die Figur der Künstlerin, die in der Nähe mit ihrem Mann, dem Arzt Dr. Karl Kollwitz, gelebt und gearbeitet hat. (Fotos: Caspar)

„Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind“ steht auf einer Tafel, die in den Sockel des neuen Denkmals auf der „Straße der Erinnerung“ im Spreebogen nicht weit vom Bundesinnenministerium eingelassen ist. Die Ernst Freiberger-Stiftung ehrt hier mit einer von Christine Dewerny geschaffenen Bronzebüste die bedeutende Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867-1945). Die Büste wurde am 26. Juni 2013 von Altbundeskanzler Helmut Kohl und im Beisein von weiteren Verehrern der Künstlerin und „Heldin ohne Degen“ enthüllt. „Wenn für uns in Deutschland der Weg des Friedens selbstverständlich geworden ist, dann hat Käthe Kollwitz einen großen Anteil daran“, erklärte der Dreiundachtigjährige bei der Feierstunde, in der die Verdienste von Käthe Kollwitz und ihr Widerstand gegen jede Form von Unterdrückung und Gewalt sowie ihre große Menschlichkeit in schwierigster Zeit gewürdigt wurden. Helmut Kohl hatte noch als Bundeskanzler in den frühen 1990-er Jahren dafür gesorgt, dass eine vergrößerte Kopie einer von der Künstlerin geschaffenen Pietà in der Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft Unter den Linden in Berlin aufgestellt wurde. Dass er damit Kritik wegen angeblicher Überschreitung seiner Kompetenzen auf sich zog, ist heute fast vergessen. Auf dem Kollwitzplatz im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, wo das Ehepaar Käthe und Karl Kollwitz gelebt und gearbeitet hat, erinnert eine von Gustav Seitz geschaffene Bronzefigur aus dem Jahr 1958 an die Künstlerin.

Zur Weihe des Kollwitz-Denkmals kam im Berliner be.bra. wissenschaft verlag der nunmehr neunte, von Gudrun Fritsch, Josephine Gabler und Helmut Engel verfasste Band aus der Reihe „Helden ohne Degen“ heraus. Darin schreibt der Unternehmer und Stiftungsvorstand Ernst Freiberger, auf der „Straße der Erinnerung“ dürfe das gütige, sorgenvolle Gesicht der Käthe Kollwitz nicht fehlen. „Sie gehört in die Mitte jenes ,anderen Deutschland‘, das fast ein halbes Jahrhundert mahnte, die Deutschen sollten statt sinnloser Großmachtträume lieber praktische Humanität einüben. Die Ideale der Kollwitz von Demokratie, Sozialstaat und einem friedensstiftenden Deutschland sind heute Wirklichkeit. Umso mehr tun wir gut daran, die große Frau zu ehren, die als Künstlerin dafür gekämpft hat.“ In einem Grußwort für das neue Kollwitz-Buch gratuliert der Altbundeskanzler der Ernst Freiberger-Stiftung für die von ihr geschaffene „Straße der Erinnerung“ mit Denkmalen von herausragenden Vertretern der deutschen Geschichte und Kultur. Sie und ihr Lebenswerk würden gleichsam im Vorübergehen in Erinnerung gerufen werden. „Ich wünsche für die nunmehr fast vollständige ,Straße der Erinnerung‘ der Stiftung und allen Mitwirkenden vor allem viele Besucher und Passanten“.

Das Buch mit 176 Seiten und zahlreichen Abbildungen würdigt Käthe Kollwitz (1867-1945) für ihr soziales Engagement und den Einsatz ihrer Kunst gegen den Krieg. Es schildert ausführlich ihren Lebensweg und ihre künstlerische Entwicklung. Bisher erschienen im gleichen Verlag ähnlich gestaltete Bücher über die im Spreebogen durch Büsten geehrten „Helden ohne Degen“ Georg Elser, Ludwig Ehrhard, Albert Einstein, Thomas Mann, Ludwig Mies van der Rohe, Edith Stein, Walther Rathenau und Konrad Zuse.

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