Neuer Leuchtturm am Berliner Kulturhimmel -
Grundstein für den Wiederaufbau des ehemaligen Hohenzollernschlosses gelegt



Eine Musterfassade auf der Baustelle vermittelt eine Ahnung davon, wie das künftige Humboldt-Forum an drei Seiten gegliedert sein wird.



In der Spandauer Schlossbauhütte warten Reste vom 1950/51 abgerissenen Hohenzollernschloss und neu geschaffene Architekturelemente auf den Einbau in die Fassade. Fotos: (Caspar)

Mit einem Festakt haben am 12. Juni 2013 die Bauarbeiten für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses offiziell begonnen. Bundespräsident Joachim Gauck erklärte bei der Grundsteinlegung, die frühere Hohenzollernresidenz werde ein lebendiger Ort der Weltkulturen werden. Kulturstaatsminister Bernd Neumann charakterisierte den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg stark beschädigten und 1950/51 auf Befehl der Ostberliner Kommunisten abgerissenen Bauwerks als das bedeutendste Kulturvorhaben Deutschlands. Mit ihm erhalten die deutsche Hauptstadt ihre historische Mitte zurück. Während das Äußere des Schlosses an die barocke Baukultur Preußens anknüpfe, werde das Innere das Humboldt-Forum beherbergen und sich mit der Präsentation außereuropäischer Kulturen und weiterer Kultur- und Kunstschätze dem interkulturellen Dialog öffnen. Bundesbauminister Peter Ramsauer rief in der Feierstunde dazu auf, das Schloss zu einem „wahrhaftigen Haus des Volkes“ zu machen. Die Welt sehe in den kommenden Jahren zu, wie eine „Grundnarbe“ in der Stadt geschlossen wird. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit nannte bei der gleichen Gelegenheit das Humboldt-Forum einen neuen kulturellen Leuchtturm. Über die Präsentation von Schätzen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Humboldt-Universität und der Landesbibliothek hinaus werde sich das Haus zu einem wichtigen Diskussionsforum für die ganze Welt entwickeln. Der evangelische Bischof Markus Dröge würdigte anlässlich der Grundsteinlegung den Wiederaufbau des Schlosses als Zeichen für ein weltoffenes und multikulturelles Berlin.

Mehrfach war der Baubeginn verschoben worden, und immer wieder gab es Kritik an dem ehrgeizigen Projekt, dem der in DDR-Zeiten errichtete, durch Asbest verseuchte Palast der Republik weichen musste. Während der Grundsteinlegung bezeichneten Gegendemonstranten den Wiederaufbau als Millionengrab und betonten unter Hinweis auf marode Schulen und Krankenhäuser sowie andere Baustellen quer durch die Republik, die geplanten Gesamtkosten von 590 Millionen Euro würden anders und besser angelegt. Davon werden laut Kulturstaatsminister Neumann rund 478 Millionen Euro vom Bund übernommen, 30 Millionen steuert das Land Berlin bei, und der private Förderverein will 80 Millionen Euro für die Wiederherstellung der barocken Fassade sammeln. Allerdings haben Wilhelm von Boddien, der seit den frühen 1990-er Jahren für das Berliner Schloss trommelt, und sein Förderverein erst etwas mehr als 10 Millionen sicher, doch hofft er, dass die Spenden nach der Grundsteinlegung reichlicher fließen werden. Die Bundesregierung hat bereits signalisiert, einspringen zu wollen, wenn die Spendensumme nicht komplett zur Verfügung stehen sollte.

Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses soll, wenn alles gut geht, 2019 abgeschlossen werden. Die Maßnahme geht einen Beschluss des Deutschen Bundestag vom Dezember 2007 zurück. Ein Jahr später entschied sich eine unabhängige Jury für den Entwurf des italienischen Architekten Franco Stella, der die Wiederherstellung von drei barocken Fassaden vorsieht. Die Verantwortung für den Betrieb soll in den Händen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als der Hauptnutzerin liegen. Der Schweizer Kulturmanager und Ausstellungsgestalter Martin Heller und sein Beraterkreis aus renommierten Museologen und Kunstexperten haben ein Konzept für die Ausgestaltung des Humboldt-Forums und seine Nutzung entwickelt. „Als Ergänzung zur Museumsinsel mit ihren überwiegend europäischen Kunstschätzen wird am Schlossplatz ein Kulturstandort entstehen, der auf 40.000 Quadratmeter Fläche zum Dialog mit den außereuropäischen Kulturen der Welt, für das Lesen und für die Wissenschaft einlädt“, so Kulturstaatsminister Bernd Neumann.

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