Soldatenleben in der Provinz -
Heimatzeitschrift „Die Mark Brandenburg“ dokumentiert ein Stück märkischer Militärgeschichte



Preußen ist ohne sein Militär undenkbar. Beides gehörte untrennbar zusammen, und auch heute begegnen uns da und dort militärgeschichtliche Hinterlassenschaften in Gestalt von Kasernen, Kriegerdenkmälern sowie Uniformen, Helmen, Waffen, Orden und Andenken aller Art. Museen und Trödelmärkte sind voll von solchen Relikten aus einer Zeit, als es das höchste Ideal war, dem Soldatenstand anzugehören und sich allein durch das Tragen von des Königs Rock über das gemeine Zivilistenpack zu erheben.

Wie das Leben in preußischen Garnisonen ausgesehen hat, welche Regimenter dort stationiert waren und wer sie befehligt hat, wie die Soldaten gedrillt wurden und für wen sie auf den Schlachtfeldern verbluteten, das ist eine interessante, bewegende Geschichte, mit der die neue Ausgabe der Heimatzeitschrift „Die Mark Brandenburg“ bekannt macht. Gleich zu Beginn berichtet Jens-Uwe Benthin aus der Geschichte der Stadt Schwedt und ihrer Dragoner. „Halb Mensch, halb Vieh, auf’s Pferd gesetzte Infanterie“ reimte der Volksmund angesichts der hier seit dem späten 17. Jahrhundert stationierten Reiterei. Schwedter Dragoner erfreuten sich der besonderen Fürsorge des Herrscherhauses; sie bewährten sich in den Kriegen des 18. und 19. Jahrhunderts und ließen auch im Ersten Weltkrieg ihr Leben. Nach dem Ende des Kaiserreichs (1918) und während der Weimarer Republik verlor Schwedt durch die vom Versailler Vertrag diktierte Demilitarisierung seine Bedeutung als Garnisonstadt, und wer da weiter Dienst tat, mag es als angenehme Abwechslung empfunden haben, ab und zu als Komparse bei Spielfilmen mitzuwirken, denn jetzt wurde Militärgeschichte gern auch im Kino mehr oder weniger qualifiziert nacherzählt. Sammler kennen sicher die farbenprächtigen Reservistenkrüge aus der Kaiserzeit mit Sprüchen wie „Kanonendonner ist unser Gruß“, „Ruhig Blut und scharf gezielt, jeder Schuss muss sitzen“ oder „Stolz zu Ross die Kavallerie spät und früh“, die fröhliches Soldatenleben suggerieren und von denen das Heft neben Szenen von Manövern, Uniformstücken, Fahnen und Waffen einige charakteristische Exemplare zeigt.

Wie sehr das Militärwesen das Gesicht der uckermärkischen Städte Prenzlau und Angermünde geprägt hat, schildert Moritz-Adolf Trappe an anderer Stelle des Heftes. Nach einem bemerkenswerten Aufstieg als Sitz berühmter Regimenter erlebten beide Garnisonen nach dem Ersten Weltkrieg einen Bedeutungsverlust. Während das Aus für das industriell schwach entwickelte Angermünde schwerwiegende Folgen hatte, behauptete sich Prenzlau bis heute als einziger Militärstandort in der Region. Weitere Beiträge dieses wie immer hervorragend illustrierten Heftes schildern das Leben in der Garnison in Perleberg (G. Michael Dürre) und die Entwicklung der in Lübben stationierten Jäger (Jürgen Walther). Es macht außerdem mit dem Infanterieregiment von Alvensleben (6. Brandenburgisches) Nr. 52 bekannt, das zuletzt in Cottbus lag. Die Lübbener Jäger wurden einem größeren Publikum durch den Spielfilm von 1932 „Der Stolz der dritten Kompanie“ bekannt. Die Komödie über das angeblich fröhliche Soldatenleben in der Kaiserzeit kam bei der Zensur nicht gut an. Erst wurde der Streifen mit einem Jugendverbot belegt, dann zogen die Nazis ihn aus dem Verkehr, weil er das Militär wohl doch zu sehr durch den Kakao zog und Hitlerdeutschland geradewegs einem neuen Krieg zustrebte. Die cineastische Lachnummer, auch wenn sie von Heinz Rühmann und Viktor de Kowa gespielt wurde, war nicht gerade angetan, diesen Kurs zu befördern.

Info: Die Mark Brandenburg Heft 90, September 2013, 45 Seiten, 5,50 Euro. Marika Großer Verlag Berlin, Tel. 030/645 2801, ISSN 0939-3676, ISBN 978-3-910134-63-8

Zurück zur Themenübersicht "Berlin und das Land Brandenburg"