Herrenhäuser auf farbigen Drucken -
Brandenburgische Heimatzeitschrift stellt historische Schlossansichten vor



Das im heutigen Landkreis Potsdam-Mittelmark gelegene Schloss Wiesenburg im Dunckerschen Vedutenwerk und in einer Aufnahme von heute. Reproduktion aus der hier besprochenen Ausgabe der „Mark Brandenburg

Die Mark Brandenburg ist mit herrlichen Landschlössern und Gutshäusern gesegnet. Viele waren vor etlichen Jahren infolge von Vernachlässigung und Missnutzung so herunter gekommen, dass man sie am liebsten abgerissen hätte. Doch es fanden sich an der heimatlichen Kunst- und Baugeschichte interessierte Vereine und einzelne Personen, die sich mit erheblichem finanziellem Aufwand um die Rettung der Anlagen samt umliegenden Parks und Gärten kümmerten und sie zu neuem Leben erweckten.

Hilfreich bei der denkmalgerechten Sanierung und Restaurierung waren und sind historische Zeichnungen, Fotos und Pläne sowie steinerne Relikte aller Art. Was auf diesem Gebiet aus dem 19. Jahrhundert überliefert ist, schildert die neue Folge der Heimatzeitschrift „Die Mark Brandenburg“ (Heft 88, Marika Großer Verlag Berlin, 40 Seiten, 5 Euro, ISBN 978-3-910 134-62-1). Eine Durchsicht zeigt, dass viele auf den farbigen Veduten überlieferte Schlösser und Herrenhäuser nicht mehr existieren beziehungsweise umgebaut oder erweitert wurden. Stark verändert haben sich auch die Schlossgärten, aber manchmal findet man noch bemerkenswerte Übereinstimmungen zwischen früheren und heutigen Zuständen. Mit dem Heft in der Hand kann man sich davon bei einer Reise durch die Region gut überzeugen.

Zu Beginn des wie immer hervorragend illustrierten Heftes lernen wir den vor genau zweihundert Jahren in Berlin geborenen Buchhändler und Verleger Alexander Duncker kennen. Marcel Piethe würdigt in seinem Beitrag einen Mann, dem wir neben vielen Werken der zeitgenössischen Belletristik auch solche zur brandenburg-preußischen Geschichte, Kunst und Kultur verdanken. Das in Alexander Dunckers Verlag zwischen 1857 und 1883 herausgegebene Monumentalwerk „Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen“ bildet auf nicht weniger als 960 farbigen Lithographien ab, was auf diesem in der Hohenzollernmonarchie Rang und Namen hatte. Dass der Verleger von dem an Architektur und Kunst interessierten König Friedrich Wilhelm IV. gefördert wurde, wird im Vorwort zu dem Vedutenwerk ebenso lobend vermerkt wie der Dank an die aus Bayern stammende Königin Elisabeth von Preußen, die aus ihrer Sammlung einige Vorlagen zur weiteren Verwendung zur Verfügung stellte.

Marcel Piethe bedauert, dass über Alexander Duncker in der breiteren Öffentlichkeit herzlich wenig bekannt ist. Sein Beitrag und weitere Beiträge der neuen Folge der „Mark Brandenburg“ von Iris Berndt über Ansichten von Herrenhäusern im Fläming und von Torsten Friedrich über das gleiche Thema in der Prignitz helfen, dass wir jetzt mehr über den rührigen, seinerzeit hoch angesehenen Verleger wissen. Am Ende des Heftes berichtet Reinhold Großer über den um 1800 von Alois Senefelder erfundenen Steindruck, ohne den es nicht möglich gewesen wäre, schwarz-weiße oder farbige Lithographien zu drucken und mit ihrer Hilfe Bildbände wie die Dunckerschen Schloss- und Parkansichten, aber auch farbige Plakate und Gemäldereproduktionen herzustellen.

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