Kronprinzenallee wurde Clayallee -
Seit 65 Jahren trägt die 4,5 Kilometer lange Ausfallstraße den Namen des US-Militärgouverneurs



Das ehemalige Luftgaukommando III. war von 1945 bis 1994 US-Hauptquartier und Arbeitsstätte von Lucius D. Clay. Nach ihm erhielt 1979 das Gebäude den Namen General Lucius D. Clay Headquarters.



Die über Reste der Berliner Mauer stürmenden Bronzepferde symbolisieren den Freiheitswillen der Berliner und der Bewohner der früheren DDR.


Der aus Magdeburg stammende, in den USA hoch geehrte General Friedrich Wilhelm von Steuben hält, in Bronze gegossen, unweit des AlliiertenMuseums Wache. (Repro/Fotos: Caspar)

Vor 65 Jahren, am 16. Juni 1949, erhielt die Kronprinzenallee in einer feierlichen Zeremonie den Namen Clayallee. Mit der Umbenennung würdigte der freie Teil der Viersektorenstadt Berlin die Verdienste von US-General Lucius D. Clay, der als „Vater der Berliner Luftbrücke“ in die Geschichte einging. Die sechsspurige Clayallee hat eine Länge von gut 4,5 Kilometern und durchquert die Ortsteile Grunewald, Schmargendorf, Dahlem und Zehlendorf. Im 19. Jahrhundert angelegt, erhielt die Ausfallstraße 1912 den Namen Kronprinzenallee, den sie bis zur Umbenennung 37 Jahre später beibehielt. Links und rechts der mit Villen, Wohnhäusern, Hotels und Bürogebäuden besetzten Clayallee ziehen Sehenswürdigkeiten neugierige Blicke auf sich. Gegenüber dem AlliiertenMuseum befand sich von 1945 bis zum Auszug der Amerikaner 1994 das US-Hauptquartier. Der weiträumige Komplex beherbergte bis Ende des Zweiten Weltkriegs das nach Plänen des Architekten Fritz Fuß errichtete Luftgaukommando III. Von Bombenschäden verschont, wurde die Anlage nach dem Ende des NS-Staates von der amerikanischen Besatzungsmacht übernommen und sukzessive durch Wohn- und Bürobauten für die US-Streitkräfte ergänzt.

Zwar hatte sich der Bezirk Steglitz-Zehlendorf nach dem Abzug der Amerikaner vor 20 Jahren um eine neue Nutzung des bisherigen Hauptquartiers als Sitz von Firmen und Botschaften sowie als Verwaltungs-, Büro- und Wissenschaftsstandort bemüht, und auch die Freie Universität war an dem Areal interessiert. Doch fielen alle diese Pläne ins Wasser, und so wurden die Gebäude und Freiflächen an einen privaten Investor verkauft. Die Nürnberger Firma The Metropolitan Gardens GMBH & Co. KG verwandelt seit 2012 die ehemaligen Büros in Wohnungen und Gewerberäume in einer attraktiven Park- und Gartenlandschaft. Wichtig ist, dass die historische Substanz des Hauptgebäudes einschließlich der Eingangshalle mit ihren schwarzen Marmorsäulen und den Lampen aus der Erbauungszeit saniert und restauriert werden. Die die repräsentativen Räumlichkeiten werden auch künftig als Zeugnisse der NS-Architektur und der Nachkriegszeit öffentlich zugänglich sein. Das früher zum US-Hauptquartier gehörende Nachbargrundstück Clayallee 170 bleibt weiterhin US-Konsulat.

An der Clayallee erinnert nur wenige Schritte vom AlliiertenMuseum ein Denkmal an die Bewahrung der Freiheit Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg, die Überwindung der Luftbrücke 1948/49 und den Fall der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze am 9. November 1989, vor nunmehr 25 Jahren. Eine Gruppe von fünf wilden Pferden stürmt über Resten der Berliner Mauer hinweg. Kein Beton, kein Stacheldraht kann die bronzenen Renner aufhalten. Das von Veryl Goodnight gestaltete Monument „The Day Wall Came Down“ (Der Tag, an dem die Mauer fiel) ist ein Geschenk der USA an das deutsche Volk „zur Erinnerung an den gemeinsamen Einsatz für Freiheit und Demokratie“, wie es auf einer Tafel daneben heißt. Mit den Pferden wollte die Künstlerin nach eigenem Bekunden den nicht zu bändigenden Freiheitswillen der Berliner und den Sieg über Unfreiheit und Ungeist symbolisieren. Das Denkmal wurde am 2. Juni 1998 anlässlich des 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke im Beisein des früheren US-Präsidenten George Bush (sen.) feierlich enthüllt.

Ein paar Schritte weiter erhebt sich das Denkmal des in den USA hoch angesehenen deutschen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben. Die überlebensgroße Bronzefigur wurde 1987 zur Siebenhundertfünfzigjahrfeier Berlins an der Kreuzung Clayallee/Hüttenweg enthüllt. Dargestellt ist der 1730 in Magdeburg geborene General stehend in der Uniform des späten 18. Jahrhunderts. Die Figur mit einem Dreispitz auf dem Kopf sowie schwerem Mantel über der Uniform erinnert an einen herausragenden Militärführer, der seine ersten Meriten in der Armee des preußischen Königs Friedrich II., des Großen, während des Siebenjährigen Kriegs erwarb, jedoch erst Karriere in der damals noch jungen US-Armee machte. Eine Bronzetafel klärt auf, wie das Steuben-Denkmal nach Dahlem kam: „Friedrich Wilhelm von Steuben preußischer Offizier unter Friedrich dem Großen + Unter George Washington Generalinspekteur und Kämpfer für die Freiheit der Vereinigten Staaten + Das Urbild dieses Denkmals, geschaffen von Albert Jaegers, steht in Washington + Eine Abformung stand als Geschenk des Kongresses der USA von 1911 bis 1945 in Potsdam + Hier neu errichtet 1987 aus Anlass der 750-Jahrfeier Berlins im Zeichen der Freundschaft zwischen dem deutschen und amerikanischen Volk“. Steuben verfasste die „Regulations for the Order an Discipline of the Troops of the United States“, bekannt auch als „Blaues Buch“. Die Vorschriften verlangten von den Soldaten Zucht und Ordnung in Kasernen und Feldlagern und sorgten für eine moderne Ausbildung der Soldaten. Steuben strebte keinen Kadavergehorsam nach preußischem Vorbild, sondern betonte die Fürsorgepflicht der Vorgesetzten für ihre Untergebenen. Hochgeehrt starb der General 1794 nach einem Schlaganfall. In Washington wird er durch eine Konfetti-Parade geehrt.

Die an der Clay-Allee gelegene U-Bahn-Station Oskar-Helene-Heim weist auf eine berühmte Klinik, die vor genau einhundert Jahren als Stiftung des Unternehmers Oskar Pintsch und seiner Ehefrau Helene eröffnet wurde. Auftrag der Stiftung war die Heilung und Erziehung gelähmter, behinderter und versehrter Kinder, die eine Ausbildung machen konnten, damals eine ungewöhnliche Neuerung. Das Oskar-Helene-Heim besaß eine Waldschule, einen Gesangs- und Zeichensaal, Turnsäle, Spielplätze, eine künstliche Eisbahn und ein Schwimmbecken. Es wurde viel getan, dass die kleinen Patienten gesund werden und einen Beruf ergreifen konnten. „O, möge sich der Wunsch erfüllen / Mög’ dieses neue Heim gedeihn, /Mögt Ihr noch manchmal Tränen stillen, / Und Helfer in der Not oft sein“, deklamierte die Tochter des Stifterpaars bei der Weihe im Beisein der Kaiserin Auguste Viktoria. 1926 wurde zum 20. Jahrestag der Inbetriebnahme des Heims ein „Museum für Krüppelfürsorge“ eröffnet, in dem sich Ärzte fortbilden konnten. Auf dem Grundstück Clayallee/Argentinische Allee entsteht der Oskar-Helene-Park, der von Doppel- und Reihenhäusern sowie Bauten mit Eigentums- und Mietwohnungen eingefasst wird.

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