Ehrung für Naziopfer -
Gedenktafeln erinnern an Geschichte des Flughafens vor und nach dem Zweiten Weltkrieg



Die links vom Eingang des Flughafengebäudes erinnert sowohl an die Opfer des KZ Columbia als auch an die Zwangsarbeiter, die hier für die Rüstungsindustrie schuften mussten.



Lucius D. Clay (1897 bis 1978) wird mit dieser Gedenktafel als Vater der Luftbrücke und Berliner Ehrenbürger geehrt.



In den Bürgersteig eingelassen, erinnern die Metalltafeln an die Opfer der Luftbrücke 1948/49. Zu ihren Ehren wurden am Tempelhofer Damm zahlreiche Bäume gepflanzt. (Fotos: Caspar)

Wenig bekannt ist, dass während des Zweiten Weltkriegs auf dem Gelände des Berliner Flughafen Tempelhof zahlreiche Zwangsarbeiter für die deutsche Rüstungsindustrie schuften mussten und viele von ihnen dabei ihr Leben verloren. Eine am Eingang des nationalsozialistischen Prestigebaus befindliche Tafel erinnert an sie sowie an die Opfer des NS-Terrors in der Folterhölle der SS am Columbiadamm. Es hatte lange, sehr lange gedauert, bis an der prominenten Stelle an die Menschen erinnert wird, die nicht in das rassistische und politische Bild der Nazis passten und nach Errichtung ihrer Diktatur furchtbaren Qualen und Drangsalierungen ausgesetzt waren. Eine Gedenkstätte am Columbiadamm unweit des in einer Kaserne aus der Kaiserzeit untergebrachten KZ Columbia macht auf den NS-Terror aufmerksam. Jetzt zieht die neue Tafel einen Bogen zu den Zwangsarbeitern im Bereich des Flughafens Tempelhof. Einsichten in die Geschehnisse wurden bei archäologischen Ausgrabungen gewonnen. Bei ihnen sind Reste von Baracken und Hinterlassenschaften der Zwangsarbeiter ausgegraben worden.

Die Tafel zum Gedenken an die Opfer der NS-Diktatur ist nicht die einzige am Flughafenportal, denn gleich nebenan wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Anlage ein „Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ist und dafür 2011 von der Bundesingenieurkammer ausgezeichnet wurde. Passend zu dem Plan, das Alliiertenmuseum von Dahlem zum Flughafen Tempelhof zu verlegen und ihm damit erhöhte Aufmerksamkeit zu verschaffen, passt die dritte Tafel am Eingang. Sie ist dem Vater der Luftbrücke und Berliner Ehrenbürger Lucius D. Clay gewidmet. Der amerikanische Generalgouverneur sorgte mit den anderen Westalliierten dafür, dass Stalins Plan, den Westteil der ehemaligen Reichshauptstadt auszuhungern und ihn seinem eigenen Machtbereich einzuverleiben, nicht aufging.

Wer das Straßenpflaster zwischen Tempelhofer Damm und Luftbrückendenkmal genau betrachtet, sieht, wie dort viereckige Metalltafeln eingelassen sind. Die Stiftung Luftbrückendank hatte ab Ende der 1940-er Jahre durch Pflanzung von Bäumen an die Opfer der Versorgung Westberlins während der Blockade von 1948 und 1949 aus der Luft erinnert. Bild- und Fototafeln vor dem Flughafengebäude schildern darüber hinaus, wie es in den 1930-er Jahren zum Bau des seinerzeit modernsten und größten Airports kam und welche Rolle er nach dem Zweiten Weltkrieg als amerikanischer Militärflughafen sowie Ankunft- und Abflugort von Millionen Menschen spielte, die Fahrten durch die DDR nicht riskieren wollten.

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