Sir Charles Glienicke als Bauherr -
Preußischer Prinz schuf sich zwischen Berlin und Potsdam ein Refugium



Das nach Plänen von Schinkel errichtete Schloss Glienicke und der Park darum sind zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert.



Aus Italien mitgebracht sind antike Reliefs, die in die Mauern des Schlosses eingelassen wurden.



Im so genannten Klosterhof mitten im Glienicker Schlosspark kann man mittelalterliche Sakralkunst bestaunen.



Mosaik über dem Portal des Klosterhofs (Fotos: Caspar)

Das preußische Königspaar Friedrich Wilhelm III. und Luise hatte zehn Kinder. Zwei Söhne wurden Könige – Friedrich Wilhelm IV., der von 1840 bis 1861 regierte, und Wilhelm I., der am 18. Januar 1871 in Versailles den Titel Deutscher Kaiser annahm und 1888 starb. Dem dritten Sohn Carl war als nachgeborener Prinz die Thronfolge verwehrt, doch er tat sich als Militär, Bauherr und Waffensammler hervor. An ihn würde man sich heute kaum noch erinnern, hätte er nicht in Glienicke zwischen Berlin und Potsdam ein herrliches Schlösser- und Gartenreich geschaffen. Mit dem Kauf des Landsitzes im Jahre 1824 und seiner Umgestaltung in einen fürstlichen Sommersitz gab er seinen älteren Brüdern ein Beispiel, die sich im Park von Sanssouci beziehungsweise im Babelsberger Park ebenfalls solche malerischen Residenzen schufen.

Wie es sich für Mitglieder der Hohenzollern-Familie gehörte, besaß Prinz Carl zwei Residenzen, eine für den Winter in Berlin und eine für den Sommer in Glienicke. Unter Einsatz großer finanzieller Mittel entstand hier aus einer Sandscholle ein einzigartiges Gesamtkunstwerk, das sich zu jeder Jahreszeit bei den Besuchern großer Beliebtheit erfreute. Carl ließ von Peter Joseph Lenné einen englischen Landschaftspark anlegen. Außer dem Schloss, das nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtet wurde, entstanden im Park weitere Bauten, die fast alle erhalten sind. Aus fernen Ländern mitgebrachte antike Reliefs schmücken Wände des Schlosses, und wenn man durch den Park geht, wird man auf den Klosterhof stoßen, dessen Wände mit byzantinischen Skulpturen und Mosaiken geschmückt sind. In seinem Refugium konnten sich Carl und seine Familie ohne protokollarische Zwänge entfalten. Der Prinz war ein echter Sportsmann, erfährt man beim Rundgang durch das Schloss. Oft schwamm er um die Wette mit einem Kammerherrn auf der Havel lange Strecken oder segelte auch bei stürmischem Wetter. Wie viele Hohenzollern, war Carl ein passionierter Jäger.

Leider gingen die Nachkommen von Sir Charles Glienicke, wie sich der Prinz selber nannte, wenig sorgfältig mit dem Schloss und dem Park um. Sie verkauften auch Teile der mit großen Kosten und viel Liebe abgelegten Sammlungen des Prinzen. 1931 wurden weitere Ausstattungsstücke des Schinkelschlosses und eines benachbarten Jagdschlosses versteigert sowie 1936 große Teile des Parks einschließlich des Böttcherbergs an die Stadt Berlin verkauft. Dank dem beherzten Eingreifen der damaligen West-Berliner Gartendenkmalpflege wurde der Park ab Ende der 1970-er Jahre nach und nach wieder in einen vorzeigbaren Zustand versetzt. Das sorgsam restaurierte Schloss nimmt wie die Potsdamer Schlösserlandschaft einen würdigen Platz auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes ein.

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