„Die Künste am Brunnen der Poesie“ -
In der Schadowstraße 10 erinnert der Deutsche Bundestag an den berühmten Bildhauer Johann Gottfried Schadow



Andreas Kaernbach erläutert, was der Maler Eduard Bendemann mit seinem Wandbild „Die Künste am Brunnen der Poesie“ ausdrücken wollte.



Das Relief über der Tür des Schadowhauses in der Schadowstraße 10 schildert, wie antike Bildhauer gearbeitet haben.



Mitten in der Großstadt ist der Hof des Schadowhauses eine wahre Idylle, in der Mitte wächst ein Maulbeerbaum wie zu Lebzeiten des Meisters. (Fotos: Caspar)

Berlin ist mit original erhaltenen Künstlerhäusern nicht gerade reich gesegnet. Zu nennen sind das Schadowhaus, Brechthaus und das Nicolaihaus im Bezirk Mitte sowie das Atelier- und Wohnhaus des Bildhauers Georg Kolbe an der Sensburger Allee in Charlottenburg. Nach umfassender Restaurierung nutzt der Kunstbeirat des Deutschen Bundestages das Schadowhaus in der Schadowstraße 10 als Bürogebäude mit besonderem Flair. Der Kurator der Kunstsammlung des Bundesrates und Sekretär des Kunstbeirats, Andreas Kaernbach, freut sich über die Besucher, die in die zum 250. Geburtstag des Berliner Bildhauers, Grafikers und Präsidenten der Akademie der Künste Johann Gottfried Schadow gewidmete Ausstellung „Ansichten“ kommen, die im Anbau neben dem historischen Wohn- und Arbeitshaus eingerichtet ist. Gezeigt werden Platten eines um 1800 von dem Bildhauer für die Königliche Münze am Werderschen Markt geschaffenen Sandsteinfrieses. Die Reliefs werden zusammen mit Arbeiten des Fotografen und Videokünstlers Christoph Brech gezeigt. Kaernbach hofft, dass die Präsentation eines Teils des 36 Meter langen Kunstwerks einen Anstoß dafür gibt, es eines Tages in voller Schönheit an einem besser geeigneten Ort öffentlich zu zeigen. Denn bisher wird der Fries in den Katakomben des Kreuzbergdenkmals in der Gesellschaft von Fledermäusen aufbewahrt und dort selten gezeigt.

Mit der „Ansichten“-Ausstellung begann eine Serie von Ausstellungen, die sich mit Schadow, seiner Zeit und seinem Nachleben befasst. In größeren Abständen soll auch das Schadowhaus für das Publikum geöffnet werden. Ein Anfang wurde unlängst mit der Besichtigung von Schadows ehemaligen Arbeits- und Wohnräumen gemacht. Restauratoren haben nach originalen Befunden die farbenfreudige Ausmalung der Wände und Decken wiederhergestellt. Sie ahmen Stuckaturen und Gesimse so gut nach, dass man meint, sie seien aus Gips geformt; dabei sind sie nur gemalt. Prunkstück ist das Wandgemälde „Die Künste am Brunnen der Poesie“ des Malers Eduard Bendemann aus dem Jahr 1837. Es vereint die Dichtkunst, Bildhauerei, Malerei und Musik an einem sprudelnden Brunnen und setzt die Allegorien fort, die die Außenfassade des Schadowhauses über der Tür beziehungsweise rechts davon über einem Fenster schmücken. „Wir möchten mit den Führungen Johann Gottfried Schadow, den Schöpfer der Quadriga auf dem Brandenburger Tor und weiterer bedeutender Bildwerke wieder ins öffentliche Bewusstsein heben und zugleich auf das Haus aufmerksam machen, in dem der Künstler von 1805 bis zu seinem Tod im Jahr 1850 wohnte und in dem er zahlreiche Vertreter des geistigen und kulturellen Lebens seiner Zeit empfing“, sagt Kaernbach. Geöffnet ist die Ausstellung „Ansichten. Johann Gottfried Schadow - Christoph Brech“ bis 14 September bei freiem Eintritt dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

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