Denkmal für Lise Meitner -
Standbild im Ehrenhof der Humboldt-Universität ehrt bedeutende Kernphysikerin



Im Ehrenhof der Humboldt-Universität hat sich Lise Meitner drei gelehrten Männern hinzugesellt.



Bundesministerin Johanna Wanka rief bei der Denkmalweihe dazu auf, mehr Frauen in führende akademische Positionen zu berufen.



Universitätspräsident Olbertz (links) und Ministerin Wanka bei der Enthüllung des neuen Meitner-Denkmals.







Am Hahn-Meitner-Bau an der Ecke Thiel-Allee/Faradayweg im Berliner Ortsteil Dahlem erinnert eine Gedenktafel an Lise Meitner sowie Max Delbrück, der der Atomphysikerin von 1932 bis 1937 assistierte.

Berlin hat ein neues Denkmal, ein aussagekräftiges Monument im Ehrenhof der Humboldt-Universität Unter den Linden für eine ganz Große der Naturwissenschaft - Lise Meitner (1878-1968). Geschaffen von der Berliner Bildhauerin Anna Franziska Schwarzbach, ehrt das auf einem stufenförmigen Podest stehende Denkmal eine Schülerin von Max Planck, die 1926 zur ersten außerordentlichen Professorin für Physik an die Berliner Universität berufen wurde, aber schon 1933, nach der der Errichtung der Nazi-Diktatur, aus rassistischen Gründen ihre Lehrerlaubnis verlor. 1938 flüchtete sie mit Hilfe von Freunden nach Schweden, wo sie ihre Forschungen ungehindert fortsetzen konnte.

In ihren Ansprachen zeichneten Universitätspräsident Jan-Hendrik Olbertz, die Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka, der Direktor der Stiftung Topographie des Terrors Andreas Nachama und weitere Redner den Lebensweg und die epochalen Leistungen der in Wien geborenen Kernphysikerin nach, die mit ihrem Kollegen Otto Hahn die Radioaktivität, die Struktur der Atomkerne und atomare Kettenreaktionen erforschte und den Begriff Kernspaltung in die Fachwelt und die Öffentlichkeit einführte. „Lise Meitner war von Statur klein, aber als Wissenschaftlerin und Mensch eine ganz Große“, sagte Olbertz bei der Enthüllung der stummen Frau, die jetzt auf die Denkmäler von Max Planck, Theodor Mommsen und Hermann von Helmholtz schaut. Indem die Humboldt-Universität mit Hilfe vieler Sponsoren das Denkmal errichtet habe, erinnere sie an ein einerseits großartiges, andererseits aber ganz dunkles Kapitel ihrer Geschichte und rufe gleichzeitig zu Weltoffenheit und Toleranz auf. Die Humboldt-Universität ehre mit dem Denkmal eine der bedeutendsten Forscherinnen des 20. Jahrhunderts und erinnere an die erste Wissenschaftlerinnengeneration, die trotz zahlreicher geschlechtsspezifischer Barrieren großartige wissenschaftliche Leistungen vollbrachte. Das Werk von Anna Franziska Schwarzbach sei über die Ehrung von Lise Meitner hinaus ein Erinnerungsort für jüdische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, deren Berufslaufbahn aufgrund rassistischer Verfolgung und Vertreibung im Nationalsozialismus weitgehend abgebrochen wurde und die oft genug in den Tod getrieben wurden.

Johanna Wanka betonte, ein Meitner-Zitat aufgreifend, das Leben dieser herausragenden Persönlichkeit sei ganz und gar nicht armselig verlaufen. Sie sei ein leuchtendes Beispiel dafür, was Frauen in einer von Männern dominierten Welt für die Wissenschaft und speziell für die Naturwissenschaft zu leisten imstande waren. Wer sich für Chancengleichheit einsetzt, habe in Lise Meitner ein leuchtendes Vorbild. Andreas Nachama erklärte mit Blick auf die Nazibarbarei, was geschehen ist, sei eine bittere Lehre. „Es liegt an uns, dass es niemals geschieht“.

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