Meißeln wie zu Schlüters Zeiten -
Skulpturen vom Schloss entstehen in einer Bildhauerwerkstatt neben dem Bode Museum



Jens Cacha (links am Gipsmodell) und Steffen Werner geben in der Bildhauerwerkstatt neben dem Bode-Museum mit Schlegel und Eisen sowie mit Hilfe eines Punktiergeräts dem sächsischen Sandstein die richtige Form. Foto: Caspar

Während das Berliner Schloss als Humboldt-Forum langsam in die Höhe wächst, stellen Steinbildhauer den barocken Skulpturenschmuck nach alten Bildern und Fragmenten her. Passend zur Ausstellung über den vor 300 Jahren verstorbenen Berliner Schlossbaumeister und Barockbildhauer Andreas Schlüter im Bode-Museum auf der Museumsinsel kann man in einer Bildhauerwerkstatt neben dem Eingang zuschauen, wie Teile des Fassadenschmucks mit Schlegel und Eisen aus Sandsteinblöcken geschlagen werden, die im sächsischen Elbsandsteingebirge gebrochen wurden. Die Steinbildhauer Steffen Werner und Jens Cacha sind unter den Augen wissbegieriger Besucher gerade dabei, Säulenpilasterkapitelle vom Kleinen Schlosshof zu meißeln. „Als Vorlagen stehen uns eine Fotodokumentation, Zeichnungen und andere Unterlagen zur Verfügung, nach der wir die Tonmodelle herstellen. Wenn sie von der Expertenkommission bestätigt sind, fertigen wir eine Silikonform an, aus der Gipsabgüsse gewonnen werden“, erläutert Steffen Werner den Arbeitsablauf. Sein Kollege Jens Cacha fügt hinzu, dass die Gipsmodelle Vorlagen für die Ausführungen in Reinhardsdorfer Sandstein sind. Er wurde schon vor 300 Jahren beim Umbau des Berliner Schlosses nach Schlüters Plänen verwendet. Insgesamt werden acht gleichartige Säulenbekrönungen benötigt. „Die Eins-zu-Eins-Übertragung auf den Stein erfolgt wie schon zu Schlüters Zeiten durch ein Punktiergerät. Das ist eine diffizile Arbeit, die bei diesen Säulenbekrönungen etwa sechs Wochen in Anspruch nimmt. Jede von den vielen tausend Bildhauerarbeiten erhält eine aus Buchstaben und Zahlen bestehende Kennung für den späteren Einbau in die Schlossfassade.“

Die beiden auch als Restauratoren tätigen Steinbildhauer arbeiten in der Weddinger Firma Fabbrica GmbH. Hier entstanden weitere Arbeiten für das Humboldt-Forum, so Großbildwerke vom Portal 3 unterhalb der Schlosskuppel, aber auch Adler, Trophäenreliefs sowie Löwen- und Widderköpfe, aber auch die in der Barockzeit so beliebten Helme mit prächtigem Federnschmuck. Ein nach alten Vorlagen gefertigtes korinthischen Säulenkapitell kann noch in der bis zum 13. Juli 2014 laufenden Schlüter-Ausstellung im Bode-Museum betrachtet werden.

Da unzählige große und kleine Skulpturen und Architekturdetails für die Schlossfassade hergestellt werden müssen, werden Jens Cacha, Steffen Werner und ihre Kollegen sowie weitere Bildhauerateliers und Zulieferer noch lange zu tun haben. Allein für die Wiederherstellung der barocken Schlossfassade wird von der Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum die enorme Summe von 80 Millionen Euro angegeben, die durch Spenden und Stiftungen zusammen kommen soll. Die Wiederherstellung des reich mit Figuren und Reliefs geschmückten Schlüterhofs des Berliner Schlosses ist eine besondere Herausforderung sein. Sie besteht auch darin, die 1950 von der Zerstörung geretteten Monumentalfiguren zu restaurieren und, soweit sie nur fragmentarisch erhalten sind, zu ergänzen, aber auch neue Skulpturen nach alten Vorlagen zu schaffen.

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