Abgeordnete im Knobelsdorff-Bau –
Mit dem wiederaufgebauten Stadtschloss bekam Potsdam seine historische Mitte zurück



Vom Landtagsrestaurant hat man einen herrlichen Blick auf das Fortunaportal sowie die Nikolaikirche und die anderen Bauten am Alten Markt in Potsdam.



Über dem Schlossportal auf der Lustgartenseite prangt das Königswappen mit dem vergoldeten Preußenadler unter der Krone.



Reste der barocken Innenarchitektur schmücken das Treppenhaus des neuen Landtages am Alten Markt 1 in Potsdam. (Fotos: Caspar)

Das am 14. April 1945 durch einen englischen Bombenangriff stark beschädigte und 1959/60 auf Befehl des SED-Chefs Walter Ulbricht abgerissene Potsdamer Stadtschloss wurde in den vergangenen Jahren innerhalb von drei Jahren wieder aufgebaut und am 21. Januar 2014 feierlich als Sitz des brandenburgischen Landtags eröffnet. Das Gebäude zwischen Lustgarten und Altem Markt wurde für 120 Millionen Euro als Kombination von Betonmauern und Ziegelsteinen nach Plänen des Architekten Peter Kulka errichtet und mit Säulen und Pilastern aus Sandstein verkleidet. Wo es möglich war, hat man historische Figuren und Bauelemente verwendet, die vor dem Abriss geborgen oder aus dem Trümmerschutt gezogen worden waren.

Betreten wird das neue Landtagsgebäude mit der Adresse Alter Markt 1 durch das Fortunaportal, weithin kenntlich durch die vergoldete Glücksgöttin auf der Spitze. Im gegenüber liegenden Trakt befinden sich der Sitzungssaal des Landtages und die Zimmer der Abgeordneten. Eine elegant geschwungene Treppe, die dem originalen Aufgang aus dem 18. Jahrhundert nachempfunden ist, führt in diese dorthin. Das Landtagsgebäude hat nicht nur Platz für die brandenburgischen Abgeordneten, sondern auch für solche aus Berlin, falls es eines Tages zur Fusion beider Bundesländer kommen sollte.

Das wie alle Räume im Landtagsgebäude weiß gestrichene Treppenhaus ist durch vier Figuren geschmückt, die den Abriss des nach Plänen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff erbauten Schlosses in der Ulbricht-Zeit überstanden haben, wenn auch lädiert. Die kräftig gebauten Gebälkträger lassen die barocke Pracht ahnen, mit der das Stadtschloss ursprünglich ausgestattet war. Im Foyer wird Peter Kulka mit diesen Worten zitiert: „Ob Architektur den oft gestellten Anspruch, Demokratie zu verkörpern, zu leisten imstande ist, bleibt eine Frage. Über das, was in einem Gebäude geschieht, entscheiden allein die Menschen. Häuser lassen sich benutzen - so oder so - wofür es in der Geschichte genügend Beispiele gibt“.

Von der Landtagskantine unterm Dach des Hauptgebäudes hat man einen prächtigen Blick in den Innenhof des wiederaufgebauten Landtagschlosses hinüber zur Nikolaikirche mit ihrer mächtigen Kuppel, zum Rathaus und zum Alten Markt. Dort wird zur Zeit der unter Friedrich dem Großen errichtete Obelisk restauriert. Er gab dem auf Befehl des Preußenkönigs nach italienischem Vorbild gestalteten Marktplatz das Flair einer italienischen Piazza. Der Innenhof des brandenburgischen Landtags, das Foyer mit einem Gebäudemodell und Cafeteria sowie das Treppenhaus und das Landtagsrestaurant mit der Dachterrasse sind Montag bis Freitag ohne Voranmeldung und kostenlos zugänglich.

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