Großer Bildhauer und Berliner Original -
Heimatzeitschrift „Die Mark Brandenburg“ ehrt Johann Gottfried Schadow



Von seinem Wohnhaus in der Schadowstraße unweit der Straße Unter den Linden und des Brandenburger Tors schaut der vor 250 Jahren geborene Johann Gottfried Schadow auf die Passanten herab.



In der Nationalgalerie auf der Museumsinsel ausgestellt, gehört die Prinzessinnengruppe zu den anmutigsten Schöpfungen des berühmten Bildhauers. (Fotos: Caspar)

Zahlreiche Ausstellungen, Tagungen und Publikationen befassen sich in diesem Jahr mit dem Berliner Bildhauer, Grafiker und Akademiedirektor Johann Gottfried Schadow. Vor 250 Jahren, am 20. Mai 1764 als Sohn eines Schneiders geboren, erreichte der Künstler das damals biblische Alter von 86 Jahren. Das 93. Heft der Heimatzeitschrift „Die Mark Brandenburg“ beginnt mit einer biographischen Skizze, in der Helmut Börsch-Supan Schadows unter freiem Himmel stehende beziehungsweise in Museen ausgestellt Werke würdigt und ihm bescheinigt, er sei sich stets seiner Herkunft bewusst gewesen und habe sich eine Bodenständigkeit bewahrt. Früh hatte man seine zeichnerischen Fähigkeiten entdeckt, doch bald schon war klar, dass er als Bildhauer eine große Zukunft haben würde. „Die aufgeklärte Geistigkeit der spätfriderizianischen Epoche war der Humus, in dem seine Entwicklung gedeihen konnte“, stellt der Verfasser fest. Schadow musste erleben, dass er, im mittleren Lebensalter stehend, mit Staatsaufträgen nicht mehr bedacht wurde. Doch nahm er es ohne Missgunst hin, dass ihn andere überrundeten. Sein Leben war mit der Unterweisung angehender Künstler, mit kunsttheoretischen Schriften und schließlich der Niederschrift einer Autobiographie ausgefüllt, in der auch das umfangreiche Oeuvre dieser Ausnahmeerscheinung im deutschen Kunstleben vor und nach 1800 gewürdigt wird. Schadows Wohnhaus in der Schadowstraße war eine weit über die Grenzen der preußischen Hauptstadt hinaus bekannte und begehrte Adresse, und als Berliner Original besaß der nie um eine schlagfertige Antwort verlegene Hausherr einen legendären Ruf.

Jutta von Simson befasst sich an anderer Stelle dieses wie immer hervorragend illustrierten Heftes mit den Bewegungsstudien, die Schadow auf wunderbare Weise Papier gebracht hat. Viele seiner rund 3000 Zeichnungen zeigen tanzende Menschen, andere sind anatomisch präzise erfasste Aufmaße, die für Skulpturen genutzt wurden. Als eifriger Theatergänger, der auch kleine Stücke für den Privatgebrauch schrieb, war Schadow mit Stift und Zeichenblock dabei, flüchtige Bewegungen zu fixieren. Darüber hinaus hat er Menschen bei ihren Alltagsverrichtungen dargestellt und auch diese Zeichnungen im akademischen Unterricht verwendet. Mit der berühmten Prinzessinnengruppen, einem der Hauptwerke Schadow’scher und damit auch klassizistischer Bildhauerkunst, befasst sich Beate Mirsch. Das Doppelstandbild aus Marmor war die Vorlage für eine kleine Ausformung der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin und wurde schon zur Entstehungszeit mit enthusiastischen Worten, als Inbegriff von Jugend, Schönheit und Anmut gelobt. Eine Ausnahme war der Gemahl der aus Mecklenburg-Strelitz stammenden Prinzessin Luise. Der spätere König Friedrich Wilhelm III. fand, die wenig majestätisch dargestellte Luise und ihre Schwester Friederike seien ihm fatal. Die Mit- und Nachwelt urteilte gerechter, und so gehört das Standbild heute zu den schönsten Schaustücken der Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel. Sibylle Badstübner-Gröger stellt weitgehend unbekannte Grabdenkmäler vor, die Schadow in der märkischen Provinz, und zwar in Kunersdorf, Frankfurt an der Oder, Schöneiche und Blumberg geschaffen hat. Mit den sechs Figuren von Generalen der friderizianischen Armee auf dem Wilhelmplatz schließlich befasst sich Uwe Michas. Dank der Initiative der Schadow Gesellschaft Berlin wurden die bronzenen Kopien der im Bode Museum auf der Museumsinsel stehenden Originale aus Marmor vor einigen Jahren am alten Ort wieder aufgestellt. Allerdings heißt der Wilhelmplatz am U-Bahnhof Mohrenstraße heute Zietenplatz.

INFO Die Mark Brandenburg, Zeitschrift für die Mark und das Land Brandenburg, Heft 93, Marika Großer Verlag Berlin, 40 S., 5 Euro, Tel. 030/645 2801

Zurück zur Themenübersicht "Berlin und das Land Brandenburg"