Meisterwerke barocker Bildhauerkunst -
Der vor 300 Jahren verstorbene Andreas Schlüter schuf in Berliner Kirchen eindrucksvolle Skulpturen



Die reich mit Engeln geschmückte Schlüter-Kanzel ist in der Marienkirche einem mittelalterlichen Pfeiler eingefügt worden.



Das Leben kann dem Tod nicht entrinnen, lautet die Botschaft des von Andreas Schlüter geschaffenen Männlich-Grabmals in der Nikolaikirche. (Fotos: Caspar)

Die noch bis 13. Juli 2014 laufende Schlüter-Ausstellung im Bode-Museum auf der Museumsinsel erfreut sich bei Besuchern großen Zuspruchs. Wer weitere Werke des vor 300 Jahren verstorbenen Barockbildhauers und Schlossbaumeisters sehen will, kann dies in der Marienkirche und der Nikolaikirche, im Dom am Lustgarten, im Zeughaus Unter den Linden und im Ehrenhof des Schlosses Charlottenburg tun. Eines der Hauptwerke Schlüterscher Bildhauerkunst ist die figurenreiche Kanzel in der Marienkirche. Von der Witwe eines kurfürstlichen Kammersekretärs gestiftet und 1703 vollendet, besteht die in einen mittelalterlichen Gewölbepfeiler montierte Kanzel aus einem aus Holz und Alabaster bestehenden Korb, den man über eine geschwungene Treppe betreten kann. Die beiden Engel aus Marmor davor sind durch Bänder mit der Kanzel verbunden. Der hölzerne Schalldeckel über dem Kanzelkorb ist reich mit musizierenden Engeln und vergoldeten Strahlen hinter dunklen Wolken geschmückt.

Wegen ihrer ungewöhnlichen Bauart wurde die Kanzel schon im 18. Jahrhundert als technische Großtat gewürdigt. So stellte der Schriftsteller, Verleger und Vertreter der Berliner Aufklärung Friedrich Nicolai in seiner „Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin Potsdam“ (1786) anerkennend fest: „Dieses kühne Unternehmen, vielleicht das einzige seiner Art, verdient die Aufmerksamkeit und den Beyfall der Kenner“. Wie es der Künstler verstanden hat, einen Stützpfeiler auf halber Höhe zu durchtrennen und dort die Kanzel sowie vier rötlich schimmernde ionische Säulen ganz luftig und leicht hineinzusetzen, wurde schon damals bewundert. Wenn man Schlüters Meisterwerk näher betrachtet, sieht man am Kanzelkorb im Stil der Zeit gestaltete Seitenreliefs der Spes (Hoffnung) und der Caritas (Nächstenliebe) sowie vorn die Darstellung von Johannes dem Täufer, der auf das Lamm Gottes als Symbol für die Auferstehung Christi und Hoffnungszeichen für die Welt deutet. Ihm zur Seite hat der Bildhauer einen Mann in Denkerpose und einer Frau gesetzt, die sich nachdenklich an die Stirn fasst.

Wesentlich zurückhaltender gestaltet ist das Grabmal des Hofgoldschmieds Daniel Männlich in der Nikolaikirche, die 1987 im Zusammenhang mit der Siebenhundertjahrfeier Berlins wieder aufgebaut und als Museum und Konzerthalle eröffnet wurde. Die eigentliche Grabkapelle wird vom Stadtmuseum als Ausstellungsraum genutzt. Aufmerksamkeit verdient das von Schlüter geschaffene Eingangsportal ganz aus Sandstein. Ganz oben wird das vergoldete Doppelporträt des Ehepaars Daniel und Anna Catharina Männlich von einem in ein Gewand gehüllten Tod flankiert, der einen sich von ihm abwendenden Knaben fest in seiner Knochenhand hält. Entsetzt schaut auf der anderen Seite ein Jüngling zu. Die Inschriftentafel unter dieser Türbekrönung erklärt, dass der Hofgoldschmied 77 Jahre alt wurde und mit seiner Gemahlin vier Söhne und acht Töchter hatte. Wie die Marienkirche ist auch die Nikolaikirche reich mit Grabmälern und Gemälden ausgestattet. Sie erinnern daran, dass beide Gotteshäuser bevorzugte Grablegen der Berliner Oberschicht waren, und sind heute vielfach bewunderte Zeugnisse Berliner Kunst- und Kulturgeschichte.

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