Hilfe für die Tieranatomie -
Klassizistisches Hörsaalgebäude auf dem Universitätscampus erhält Zuwendung von der Denkmalstiftung



Dank namhafter Zuwendungen gewinnt das Tieranatomische Theater, auch Trichinentempel genannt, nach und nach seine historische Gestalt zurück.



Einem antiken Amphitheater nachempfunden ist der Hörsaal mit ansteigenden Bankreihen und einer romantischen Deckenausmalung.



Nur noch als Modell erlebbar ist der Aufzug, mit dessen Hilfe Tierkadaver aus dem Untergeschoss des Trichinentempels in den Hörsaal gehievt wurde. (Fotos: Caspar)

Seit zehn Jahren fördert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Sanierung und Restaurierung des Tieranatomischen Theaters auf dem Universitätscampus an der Luisenstraße im Bezirk Mitte. Die Humboldt-Universität erhielt jetzt im Rahmen eines Fördervertrags 223.000 Euro für die Instandsetzung der Nord-Ost-Fassade des Erweiterungsbaus. Das Tieranatomische Theater, bei Studenten auch wegen seiner architektonischen Form auch als Trichinentempel bekannt, ist eines von mehr als 150 Projekten, die die in Bonn ansässige private Stiftung aufgrund von Spenden, Erträgnissen ihrer Treuhandstiftungen und den Mitteln der GlücksSpirale allein in Berlin fördert. Das klassizistische Gebäude wurde 1789/1790 auf Befehl von König Friedrich Wilhelm II als erste Tierarzneischule in Preußen errichtet und ist damit das älteste in der Hauptstadt erhaltene akademische Lehrgebäude.

Erbaut nach Plänen von Carl Gotthard Langhans, dem wir auch das Brandenburger Tor verdanken, ist das Haus italienische Renaissancevillen in Vicenza und einem Anatomischen Theater in Padua nachempfunden. Die Schlusssteine der Fensterbögen an der Außenfassade bestehen aus steinernen Rinderschädeln, die auf die Aufgabe des Gebäudes als Bildungsstätte für angehende Tierärzte hinweisen. Im kreisrunden Hörsaal steigen die original erhaltenen Sitzreihen hinter Holzgeländern wie in einem Amphitheater an. Die Kuppel ist naturalistisch mit Hirten und Tierfiguren ausgemalt. Durch die zentrale Laterne der Kuppel fällt Tageslicht in den Saal ein. Im Boden des Hörsaals gab es eine Öffnung, durch die man auf einem Tisch Tierkadaver aus dem darunter gelegenen Präpariersaal hochheben konnte. In der Bibliothek nebenan schmücken aus Holz geschnitzte Ziegenschädel und Rosengirlanden die Bücherschränke aus der Erbauungszeit.

Der so genannte Gerlachbau, dessen Sanierung jetzt ansteht, wurde zwischen 1873 bis 1875 dem von Langhans errichteten Hörsaalbau angefügt. Die Ergänzung war notwendig, weil sich die Tierpräparatesammlung so stark vergrößert hatte, dass der Direktor der Tierarzneischule Andreas Christian Gerlach neuen Platz schaffen musste. Die Humboldt-Universität nutzt das Tieranatomische Theater als festlichen Veranstaltungsort sowie für Ausstellungen. Dass ihr jetzt ein namhafter Betrag zufließt, hilft ihr, das Hörsaalgebäude noch stärker als bisher als einzigartiges Zeugnis einer über 200 Jahre alten Baukunst in der Berliner Öffentlichkeit zu verankern.

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