Brandbekämpfung und Menschenrettung
Tegeler Museum dokumentiert, wie es 1851 zur Gründung der Berliner Berufsfeierwehr kam und wie sie sich entwickelt hat



Teile der Tegeler Feuerwache sind für das mit vielen historischen Exponaten ausgestattet Feuerwehrmuseum reserviert. Modelle, Gerätschaften und nachgestellte Szenen von Einsatzorten machen im Tegeler Museum mit der Arbeit der Berliner Feuerwehrleute bekannt.





Historische Löschwagen, Feuermelder und andere Geräte sowie Uniformen, Helme und unbewegliche Feuerwehrmänner - im Museum an der Veitstraße im Ortsteil Tegel kann man tief in die Geschichte der Brandbekämpfung, Lebensrettung und anderer Tätigkeiten eintauchen.





Der Feuerwehrbrunnen schmückt den Mariannenplatz im Bezirk Kreuzberg seit 1981, oben die wie eine Flammenwand gestaltete Gedenkstätte für die ums Leben gekommenen Feuerwehrleute. (Fotos: Caspar)

In der Nacht vom 27. zum 28. Februar rückten 15 Löschzüge und zwei Löschboote aus, um Feuer im Berliner Reichstagsgebäude zu bekämpfen. Für die Nationalsozialisten, die seit einem Monat an der Macht waren, hatten sofort ausgemacht, war klar, dass nur die Kommunisten den Brand gelegt haben können. Ungeachtet intensiver Nachforschungen fehlt letzte Klarheit über das dramatische Geschehen in jener Nacht sowie über den oder die Brandstifter. Eines steht fest, dass nämlich Hitler, Reichstagspräsident Göring, Propagandachef Goebbels und andere NS-Funktionäre den Anschlag auf den Sitz des höchsten deutschen Parlaments skrupellos und blutig ausnutzten, um Jagd auf Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und andere so genannte Reichsfeinde zu machen. Sie nahmen das Aufsehen erregende Ereignis zum Anlass, die demokratischen Errungenschaften der Weimarer Verfassung auszuhebeln und die Grundlage für den "Führerstaat" zu legen.

Eine Ausstellung des in der Feuerwache an der Veitstraße im Ortsteil Tegel zeigte vor einigen Jahren wenig bekannte Akten, Drucksachen, Fotografien und andere Dokumente zum Reichstagsbrand, und sie machte mit der Arbeit der Feuerwehrleute bekannt, die den Brand schon bald unter Kontrolle hatten. Wer Zeit mitbrachte, konnte sich in zeitgenössische Legenden vertiefen, die den Brandanschlag als Fanal für einen kommunistischen Aufstand bezeichneten. Dazu gehörten Passagen von den Verhandlungen vor dem Leipziger Reichsgericht zum Brandanschlag, die auf einem Monitor gezeigt wurden, und auch die Feststellung von Gutachtern, dass von mehreren Attentätern ausgehen auszugehen sei. Lediglich wurde im Prozess vor dem Leipziger Reichsgericht der Holländer Marinus van der Lubbe zum Tode verurteilt und am 10. Januar 1934 hingerichtet. Das Berliner Landgericht hat 1980 das Urteil aufgehoben und van der Lubbe posthum frei gesprochen. Landesbranddirektor Wilfried Gräfling betont im Heft zur Ausstellung "Der Reichstag brennt!", mit dieser Ausstellung sei das Thema Reichstagsbrand für die Berliner Feuerwehr und die Geschichtswissenschaft noch lange nicht abgeschlossen. "Wir stehen erst am Anfang der Aufarbeitung, denn viele neue Fragen haben sich bei unseren intensiven Recherchen ergeben, die es in den nächsten Jahren aufzuarbeiten gilt."

Schnelle Meldung quer durch die Stadt

Mit zahlreichen historischen und aktuellen Gerätschaften, Fotos, Grafiken, Modellen und anderen Exponaten schildert das Feuerwehrmuseum, wie es Mitte des 19. Jahrhunderts zur Gründung der Berliner Berufsfeuerwehr kam und welche Technik ihr zur Verfügung stand und heute steht. Die Berliner Feuerwehr wurde 1851 auf Befehl König Friedrich Wilhelms IV. vom damaligen Polizeipräsidenten Karl Ludwig Friedrich von Hinckeldey unter dem Eindruck des Brandes der Krolloper gegründet und unter Leitung von Carl Ludwig Scabell aufgebaut. Damit ist sie die älteste und größte Berufsfeuerwehr in Deutschland. Im Tegeler Feuerwehrmuseum wird speziell auch an Scabell und seine Verdienste erinnert. Noch im Gründungsjahr 1851 erhielt Berlin das erste elektrische, von der Firma Siemens & Halske installierte Feuermeldenetz der Welt, das die Feuerwachen unterirdisch mit dem Polizeipräsidium und seinen über die Stadt verteilten Revieren verband und schnelle Benachrichtigung über Brände und andere Katastrophen gewährleistete. Unter freiem Himmel, aber auch im Feuerwehrmuseum findet man verschiedene Modelle dieser Apparate, bei denen immer vermerkt ist, wie man sie bedient und dass ihr Missbrauch strafbar ist. Offenbar musste man darauf hinweisen, weil sich übermütige Leute gern einen Jux machten, wenn sie einen Fehlalarm auslösten und sich klammheimlich darüber freuten, wenn die Feuerwehr anrückte und dann ergebnislos wieder davon fuhr. Missbrauch der Notrufnummer 112 ist auch heute verboten, und wer dabei erwischt wird, hat eine ordentliche Strafe zu erwarten.

Besucher des Feuerwehrmuseums erfahren, dass der Weg von den ersten noch mit Handpumpen bedienten und von Pferden gezogenen Wasserspritzen weit war zur modernen und effektiven Ausstattung und Arbeitsweise der Berliner Feuerwehr, die heutzutage viel mehr zu bewältigen hat als "reine" Brandbekämpfung und Menschenrettung. Zu den jüngsten Besuchern gehören Kinder aus Kitas und Schulen, die bei den Führungen da und dort die Exponate ausprobieren dürfen. Aus Platzgründen kann die wertvolle Sammlung historischer Fahrzeuge und Anhänger nicht gezeigt werden. Doch schildern Modelle, wie sie gebaut waren und funktioniert haben. Die Originale stehen in verschiedenen Feuerwachen quer durch die Stadt und werden bei besonderen Anlässen, etwa bei Tagen der offenen Tür oder Bezirksfesten, vorgeführt.

Ehrung für die toten Kameraden

Wenn auf jemand die von dem berühmten Bildhauer Christian Daniel Rauch gefundene Charakteristik "Helden ohne Degen" zutrifft, dann sind es die Leute von der Feuerwehr. An sie erinnert seit 1981 ein Denkmal auf dem Mariannenplatz in Kreuzberg. Der von dem Bildhauer Kurt Mühlenhaupt geschaffene Feuerwehrbrunnen ebenfalls auf dem Mariannenplatz würdigt nur einen Teil der Arbeit der Feuerwehrleute - das Löschen eines Brandes. Der Hauptmann in der Mitte steht mit erhobener Hand an einem Hydranten und scheint "Wasser marsch" zu rufen, seine Kollegen halten die Spritzen in ein Brunnenbecken. Mühlenhaupt fasst die Szene humorvoll auf, er hat den mit Helmen und Uniformen ausgestatteten Feuerwehrleuten dicke Nasen verpasst, weil sie angeblich mit diesen das Feuer frühzeitig riechen können.

Die Brunnenskulptur auf dem Mariannenplatz steht in der Nähe eines älteren, 1902 enthüllte Feuerwehrdenkmals, das von dem Stadtbaumeister Ludwig Hoffmann als Brunnen entworfen und von August Vogel mit reichem Skulpturenschmuck versehen wurde. Die Anregung für das Monument kam aus dem Polizeipräsidium aus Anlass des 50-jährigen Gründungsjubiläums der Berliner Feuerwehr 1901. Links und rechts eines mit Delphinen und Wasserwellen geschmückten Marmorsarkophags erhoben sich Pylonen mit Flammensymbolen obenauf. Aus Löwenköpfen floss Wasser in ein Becken, und Bronzetafeln nennen die Namen der Feuerwehrleute genannt, die im Dienst starben. Die symbolische Darstellung in der Mitte zeigte Herkules, der die vierköpfigen Hydra bekämpft.

Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde das alte Feuerwehrdenkmal 1958 abgerissen. Das war die Zeit, da man mit Schnörkeln und Symbolen überladene Skulpturen und Gebäuden für nicht in die neue Zeit passend empfand und sogar die Beseitigung von kaiserzeitlichem Dekor an Hausfassaden subventionierte, was man heute zutiefst bedauert. Etwa an der Stelle des alten Brunnens erhebt sich seit 1960 eine fünf Meter lange, mit Flammenstrukturen bedeckte Wand. Feuerwehrleute halten hier jeweils am Totensonntag im November eine Gedenkstunde für ihre bei der Bekämpfung der Flammen.

2. Januar 2018

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