Alte Fassade, neuer Inhalt
Deutsche Bank hat sich für das Berliner Prinzessinenpalais viel vorgenommen





Das Prinzessinnenpalais hinter dem Kronprinzenpalais (vorn) bekommt eine neue Aufgabe. Beide Gebäude sind nach dem Zweiten Weltkrieg außen originalgetreu wieder aufgebaut worden, bekamen aber ein neues Innenleben.



Auf der Rückseite des früheren Opernpalais befindet sich der Zugang für Angestellte und Lieferanten.



Die Denkmäler von Scharnhorst (vorn) und Bülow werden von hohen Bäumen umrahmt. Im Hintergrund kann man ein Stück vom Prinzessinnenpalais sehen, das im Moment eine große Baustelle ist.









Das Blücherdenkmal und die Sockelreliefs zeigen, wie man im frühen 19. Jahrhundert den "Marschall Vorwärts" sah und was die Preußen in den Befreiungskriegen erlebten. Zu erkennen sind der Auszug der Freiwilligen 1813 und die Rückkehr der Quadriga vom Brandenburger Tor im Jahr darauf. (Fotos: Caspar)

Solange es die DDR gab und ein paar Jahre danach, war das zwischen Kronprinzenpalais und Staatsoper an der Straße Unter den Linden gelegene Kronprinzenpalais als Opernpalais ein Café und Restaurant der gehobenen Art gut besucht. Die ehemalige Residenz unverheirateter Töchter der Hohenzollernfamilie und weiterer hochrangiger Personen besteht im Kern aus zwei Häusern, die im 18. Jahrhundert nach Plänen von Friedrich Wilhelm Diterichs eine einheitliche Fassade erhielten und mit einem oberirdischen Gang mit dem benachbarten Kronprinzenpalais verbunden wurden. Im Zweiten Weltkrieg bis auf Reste zerstört, wurde das Gebäude von Richard Paulick äußerlich originalgetreu wieder aufgebaut und im Inneren als Operncafé in Formen des Neorokoko neu gestaltet. Der Architekt hatte mit der Rekonstruktion historischer Bauten gute Erfahrungen, war er es doch, der die benachbarte Staatsoper einen Look ähnlich dem zur Erbauungszeit unter Friedrich II. verpasste.

Nach längerem Leerstand bekommt das Haus Unter den Linden 5 eine neue Zukunft. Nachdem das alte, gut zu dicken Tortenstücken passende, leicht plüschig wirkende Kaffeehausinventar aus DDR-Zeiten ausgeräumt ist, verwandelt die Deutsche Bank die frühere Residenz in ein attraktives Ausstellungs- und Veranstaltungshaus, das in nicht allzu langer Zeit eröffnet werden soll. Innen modern und luftig-leicht gestaltet, behält das Palais die ihm seinerzeit von Paulick verliehene Fassade.

Die Deutsche Bank verlässt noch in diesem Jahr ihren Standort Unter den Linden/Ecke Charlottenstraße und zieht in das Gebäude mit dem Rokoko-Dekor, dessen Wiedergeburt mit der des weitaus größeren Humboldt Forum verglichen werden kann, das 2019 in der Kubatur und versehen mit der alten Barockfassade des 1950 abgerissenen Hohenzollernschlosses eröffnet werden soll. Im Prinzessinnenpalais hat das Bankhaus weitaus mehr Platz als am alten Standort. So verdreifacht sich die Ausstellungsfläche von 300 auf 900 Quadratmeter, und auch der Zuschnitt der Räume lässt größere Präsentationen zu. Demnächst kann die Deutsche Bank auf drei Etagen bisher deponierte Teile ihrer Sammlungen zeigen, wobei dafür gesorgt wird, dass empfindliche Exponate vor schädlichem Lichteinfall geschützt werden. Überdies sollen in den Räumen unterm Dach Konzerte, Lesungen, Vorträge und andere und Veranstaltungen stattfinden. Ganz auf Kaffee, Kuchen und andere gastronomische Leckereien werden Besucher des Prinzessinnenpalais nicht verzichten müssen. Allerdings ist die Zeit kalorienstarker Hausmacherkost vorbei, denn künftig stehen moderne, trendige Speisen und Getränke auf der Karte.

Im Prinzessinnengarten erinnern fünf Generalsfiguren an preußische Feldherren der Befreiungskriege von 1813 bis 1815, denen König Friedrich Wilhelm III. zu großem Dank verpflichtet war. Fünf Jahre nach diesem Krieg, aus dem Preußen siegreich und gestärkt hervorging, begann Christian Daniel Rauch mit zwei Monumenten, die 1822 links und rechts der Neuen Wache aufgestellt wurden und Gerhard David von Scharnhorst und Friedrich Wilhelm von Bülow ehren. Diese Bildwerke kamen in DDR-Zeiten auf die gegenüberliegenden Seite der Straße Unter den Linden in den vorderen Teil des Prinzessinnengartens, durch ein kleines Gitter vor Zudringlichkeiten und im Winter durch Holzeinhausungen geschützt.

Gebhard Leberecht von Blücher, der legendäre "Marschall Vorwärts", war 1819 kaum tot, als Rauch von Friedrich Wilhelm III. den Auftrag erhielt, ihn durch ein Bronzedenkmal zu ehren. Allerhöchsten Beifall fand der für damalige Zeit ungewöhnliche Entwurf, Blücher nicht wie ein antiker Krieger, sondern in zeitgenössischer Uniform darzustellen, eingehüllt in einen langen Reitermantel, den Säbel angriffslustig nach vorn gestreckt. Das Blücherdenkmal hatte wie andere Standbilder auf der Straße Unter den Linden den Zweiten Weltkrieg in einem Steinmantel überstanden, wurde 1950 abgebaut und kam auf die Museumsinsel. Die 3,25 Meter hohe Figur auf einem 4,60 Meter hohen Sockel steht heute mit seinen Nachbarn, den ebenfalls von Rauch geschaffenen Denkmälern der Feldmarschälle August Wilhelm Neidthardt Gneisenau und Hans David Ludwig Yorck von Wartenburg im hinteren Teil des Prinzessinnengartens.

Vor ein paar Jahren wurde der Prinzessinnengarten neu gestaltet, und es schloss sich die Restaurierung der drei Bronzemonumente im hinteren Teil an. Besonderes Interesse verdienen die Sockelreliefs. Sorgfältig gereinigt, symbolisieren sie Leben und Taten des populären Feldherrn und porträtieren einige von Blüchers Zeitgenossen - Theodor Körner, Wilhelm von Humboldt und Karl Friedrich Schinkel sowie die Generale Gneisenau, Bülow und Yorck und weitere Zeitgenossen. Dargestellt sind auf dem Fries überdies Ereignisse der Zeitgeschichte wie der Auszug der Freiwilligen zum Befreiungskampf gegen die Franzosen und die Rückführung der 1806 von diesen nach Paris verschleppten Quadriga vom Brandenburger Tor nach Berlin.

1. März 2018

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