Da kam eine feindliche Kugel…
Dem vor 300 Jahren im Nordischen Krieg gefallenen Schwedenkönig Karl XI. wurden prächtige Medaillen gewidmet



König Karl XII. lebte von 1682 bis 1718. Er kam 1697 mit 15 Jahren als Nachfolger von Karl XI. auf den schwedischen Thron.



Der mit königlichem Bildnis und dem von Löwen flankierten Landeswappen geschmückte Taler von 1713 ruft Gott um Hilfe an.



Die Eroberung der Stadt Thorn 1703 wird durch diese Medaille gefeiert, dass die Stadt geplündert und ihre Festungsanlagen auf Befehl Karls XII. gesprengt wurden, muss man sich beim Anblick hinzu denken.



Die göttliche Sonne bestrahlt die drei schwedischen Kronen, die als Symbole für die Königreiche der Schweden, Goten und Wenden gedeutet werden.



Die vielen Pfeile können dem schwedischen Löwen auf der Medaille zum Tod Karls XII. aus dem Jahr 1718 nichts anhaben, er kämpft unbeirrt weiter.



Hier betrauert die Symbolfigur Schwedens den in einem bekrönten Sarg bestatteten Karl XII., der im Unterschied zu seinen Zeitgenossen keine wallende Perücke trägt, sonder sein gewelltes Haar hinter der kahlen Stirn. (Fotos/Repros: Caspar)

Gekrönte Häupter sterben in der Regel friedlich im Bett, von der Familie und Leibärzten umsorgt. Manche aber wurden, wie die Zaren Peter III. 1762 und Paul I. 1801 von den eigenen Leuten ermordet oder fielen wie Alexander II. 1881 einem Sprengstoffattentat zum Opfer. Nikolaus II., der letzte Herrscher aller Reußen, wurde im Revolutionsjahr 1917 abgesetzt und 1918 mit seiner Familie von den Bolschewiki ermordet. Den Tod durch Henkershand erlitten im Zusammenhang mit revolutionären Erhebungen der englische König Karl I. 1649 und der französische König Ludwig XVI. 1793. Den Kugeln eines Erschießungskommandos erlag, um ein weiteres prominentes Beispiel zu nennen, 1867 Maximilian, Kaiser von Mexiko, ein geborener Erzherzog von Österreich. Bild 1 Porträt

Auf den Schlachtfeldern des Dreißigjährigen Kriegs von 1618 bis 1648 beziehungsweise des Nordischen Kriegs von 1700 bis 1721 kamen die schwedischen König Gustav II. Adolf und Karl XII. gewaltsam ums Leben. Jedesmal hat man den bei Kämpfen durch Schüsse tödlich Verletzten Medaillen gewidmet, die sie mit prächtigen Allegorien und ruhmvollen Inschriften als unerschrockene Kriegshelden feiern. Gustav II. Adolf hatte 1630 mit einem starken Heer in den Dreißigjährigen Krieg eingegriffen und erlag zwei Jahre den Verletzungen, die er sich am 6. November nach julianischem Kalender /16. November 1632 nach gregorianischem Kalender in der Schlacht von Lützen bei Leipzig zugezogen hatte. Es wird erzählt, dass der königliche Oberbefehlshaber stark kurzsichtig gewesen sein soll. Für den Oberbefehlshaber der schwedischen Truppen und von seinen Anhängern stürmisch gefeierten und mit vielen Hoffnungen bedachten Vorkämpfer des Protestantismus war es wohl eine Sache der Ehre, auf dem Schlachtfeld nicht mit einer Brille auf der Nase zu agieren. So verlor er die Orientierung und geriet an den Feind, der ihm den Garaus machte. Soldaten raubten seinen Leichnam aus, nicht wissend, dass sie einen König vor sich haben.

Schreckliche Kriegsgräuel auf allen Seiten

Der unerwartete und für den weiteren Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs bedeutsame Heldentod des Herrschers, wie man damals sagte, wurde durch zahlreiche aufwändig gestaltete Medaillen im Gewicht von einem und mehreren Talern gewürdigt. Sie trugen den Ruhm des Schweden in alle Welt und feiern ihn als Befreier und Sieger im Kampf gegen das Joch der von Kaiser Ferdinand II. geführten katholischen Liga. Dass die Truppen des Schweden in den besetzten Ländern furchtbar hausten und viel Tod und Leid über die Bevölkerung brachten, verschweigen die aufwändig gestalteten Medaillen selbstverständlich. Die nicht nur auf das schwedische Heer beschränkten Kriegsgräuel bringen satirische Flugblätter und andere Medien drastisch zum Ausdruck. Die Schlacht von Lützen, in der 15 000 kaiserliche Soldaten und 16 000 Schweden miteinander kämpften, gilt als ein Wendepunkt in der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, der erst 16 Jahre später angesichts allgemeiner Ausblutung und Erschöpfung aller beteiligter Seiten durch die Friedensschlüsse von Münster und Osnabrück, bekannt auch als Westfälischer Frieden, offiziell beendet wurde und im Prinzip die Zustände in der Zeit vor 1618 fixierte. Zu den Gewinnern gehörte Schweden, das sich bedeutende Territorien im Ostsee- und Nordseeraum sicherte.

Mit dem parallel zum Spanischen Erbfolgekrieg 1701 bis 1721 tobenden Nordischen Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum betrat das Russische Reich im frühen 18. Jahrhundert die europäische Bühne als Großmacht. An seinem Ende und nicht zuletzt durch den tragischen Tod König Karls XII. wurde Schweden im Wesentlichen als Machtfaktor im baltischen Raum ausgeschaltet. Russland konnte gewaltigen Landgewinn verbuchen und stieg zur wichtigsten Macht im Ostseeraum auf. Während seiner Europatour formte Peter seine Vorstellungen von der künftigen Gestalt Russlands, und es kam in ihm der Wunsch auf, eine anderen großen Hauptstädten vergleichbare moderne Metropole zu besitzen, denn Moskau war viel zu weit vom "Schuss" entfernt. Unter Opferung tausender Menschenleben ließ Peter I., den man später Peter den Großen nannte, ab 1703 an der Mündung der Newa in sumpfiger Gegend Sankt Petersburg errichten. Alexander Puschkin nannte die neue Stadt ein "Fenster nach Europa". "Ein Recke baute es auf, / Füllt's mit Knochen an zuhauf", heißt es in seinem Gedicht über die verlustreiche Arbeit unzähliger Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter. Zentrum der russischen Marine und des Seehandels wurde nach Sankt Petersburg verlegt.

Peter der Große schuf aus dem Nichts eine baltische Flotte, die 1725, am Ende seines Lebens, 32 Linienschiffe, 16 Fregatten und eine große Zahl Galeeren umfasste. Auch das Heer wurde vergrößert und nach dem Standard ausgebildet, den Peter I. auf seiner Tour durch Westeuropa kennen gelernt hatte. Dass er sich zur Durchsetzung seines Herrscherwillens brutaler Methoden bediente, war schon zu seinen Zeiten allgemeiner Gesprächsstoff. Doch die Welt sah und sieht in ihm den "Ehernen Reiter", als der er auf dem Senatsplatz in seiner Stadt Sankt Petersburg verherrlicht wird, und fragte nur ungern nach den Schattenseiten im Leben des reiselustigen und wissensdurstigen Zaren.

Was geschieht, wenn er erwacht?

Im Nordischen Krieg standen sich die Seemächte Schweden und Dänemark gegenüber, beteiligt waren Russland, Sachsen-Polen unter August dem Starken sowie Brandenburg-Preußen unter den Königen Friedrich I. und Friedrich Wilhelm I. sowie weitere Mächte. Ihnen allen ging es um Landgewinn und damit um Zuwachs an Macht und Ansehen im Kontert der europäischen Monarchien. Selbstverständlich wurden die Völker nicht gefragt, ob sie einen solchen Krieg gut heißen, sie mussten Zerstörungen und Raubzüge erdulden und einen hohen Blutzoll entrichten. In der auch durch mehrere Medaillen gefeierten Schlacht von Poltawa (1709) wurde das schwedische Heer durch die von Peter dem Großen geführten Russen geschlagen. Der daraufhin in die Türkei geflüchtete König Karl XII. von Schweden brachte den Sultan dazu, in einen riskanten Krieg gegen das Zarenreich einzutreten.

Die spektakuläre Aktion des Schweden erregte großes Aufsehen und wurde kritisch auch auf Medaillen dokumentiert, auf denen der schwedische Löwe schlafend dargestellt ist, aber auf ein besonderes Zeichen wieder aufwacht und in Aktion tritt. Eine dieser von dem Gothaer Medailleur geschaffenen Prägungen von 1711 fragt in französischer Sprache "Was wird geschehen, wenn er erwacht?". Eine andere aus dem gleichen Jahr schildert, wie die göttliche Sonne die drei schwedischen Kronen milde bestrahlt. Nach Eroberung Finnlands und der schwedischen Besitzungen in Norddeutschland konnte der zu Wasser und zu Lande erfolgreiche Peter I. mit preußischer und hannöverscher Hilfe massiv gegen Schweden, seinen Hauptfeind, vorgehen. Der Zar war auch deshalb erfolgreich, weil Karl XII. von dem gerade im Spanischen Erbfolgekrieg kämpfenden Frankreich nicht ausreichend unterstützt wurde. Dass die schwedische Militärmacht nach und nach einen Niedergang erlebt, ist auf den Medaillen nicht zu erkennen. Einige Ausgaben rufen die Gnade Gottes etwa mit den Worten in deutscher Sprache "Gott ist mein Schild - Darumb werde ich wol bleiben".

Wer war der Todesschütze?

Karl XII., den man wegen seiner Sturheit auch König Eisenkopf nannte, erlag 11. Dezember 1718 einem Schuss aus dem Hinterhalt bei der Belagerung der zu Dänemark-Norwegen gehörenden Festung Fredrikshald. Der König hatte sich, in den Laufgräben hin und her laufend, um ihren Zustand zu kontrollieren und seine Soldaten zum Durchhalten und verbissenem Kampf auffordernd, zu nahe an den Feind gewagt und war gezielt erschossen worden. Obwohl man auf schwedischer Seiten seinen Tod geheimzuhalten versuchte, um Panik unter den Truppen zu vermeiden, sprach sich die Katastrophe schnell herum. Dies umso mehr, als man im dänisch-norwegischen Heer, gegen das die Schweden kämpften, den Tod des Königs kolportierte und in allen Farben ausmalte. Die Folge war, dass die Belagerung abgebrochen wurde und Schweden alsbald Frieden mit Dänemark und seinen Verbündeten schloss. Wer den Schuss in den Kopf des Königs abgab, ob der Schütze aus den eigenen Reihen stammte und/oder ob Karl XII. Opfer eines Mordanschlags wurde, konnte nie geklärt werden. Gelegentlich machte man eine Adelsverschwörung für den Tod des Monarchen verantwortlich. Im 20. Jahrhunderts hat man ihn als Galionsfigur nationalsozialistischer Bestrebungen missbraucht, die sich im neutralen Schweden nach einer starken Führerfigur vom Schlage eines Adolf Hitler sehnten.

Hinsichtlich der Leistungen Karls XII. als militärischer Führer gibt es unterschiedliche Meinungen. Man sieht ihn als großen Taktiker und eigenwilligen Heerführer, bemängelt aber seine Unfähigkeit, schwierige Probleme auf diplomatischem Weg zu klären. Auch kreidet man ihm an, dass er ihm hörige Personen auf fremde Throne hat hieven wollen und Friedensangebote seiner Feinde ausgeschlagen hat. Hundert Jahre später hatte Schweden alle unter Karl XII. erzielten Eroberungen im Ostseeraum verloren. Das von russischen Truppen besetzte, durch Schweden verwaltete Finnland fiel im Frieden von Nystad mit Livland, Estland und Ingermanland sowie einem Teil von Karelien an das Russische Reich, das seinen Zugang zur Ostsee ausbauen konnte. Unter den Kriegsgewinnern war auch Preußen, das an der Südküste beträchtlichen Zugewinn an Land und Leuten verbuchte.

Gefeiert als Herkules mit Löwenfell

Als Karl XII. noch ein viel bewunderter und viel gefürchteter Kriegsheld war und als sein Tod bekannt wurde, schlug die große Stunde der Medailleure. Was sie schufen, ist in Münz- und Medaillenbüchern aufgelistet und in Katalogen des Münzhandels vermerkt. Eine wunderbare Sammlung einschlägiger Medaillen aus dem Besitz der schwedischen Freiherren Bonde auf Schloss Ericberg kam 2008 in der Münzhandlung Fritz-Rudolf Künker in Osnabrück sehr erfolgreich unter den Hammer. Großartige Künstler wie Peter Berg, Jan Boskam, Martin Brunner, Johann Reinhold Engelhart, David Gerhard van Hachten, Karl Gustav Hartmann, Georg Hautsch, Johann Karl Hedlinger, Arvid Karlsteen, Philipp Heinrich Müller, Bengt Richter, Georg Wilhelm Vestner, Christian Wermuth und Bengt Westman sowie weitere Künstler, die ihre Arbeiten nicht signiert haben schufen eine Histoire métalique der besonderen Art. Auf großen und kleinen Geprägen erkennt man einen Löwen, Schwedens Wappentier, der von Pfeilen beschossen wird aber weiter aufrecht steht.

Gefeiert wird Karl XII. als Herkules mit umgelegtem Löwenfell und einer Keule in der Hand zwischen zwei Säulen, und als Reiter vor Stadtansichten, auf die Kanonenkugeln niedergehen. Nach dem Tod hat man den königlichen Sarg dargestellt, vor dem die Symbolgestalt Schwedens trauert. Eine ovale Medaille zieht eine Linie zwischen dem Tod von Gustav II. Adolf und von Karl XII. auf dem Schlachtfeld, weitere Arbeiten bemühen die allegorischen Figuren der Tapferkeit und Stärke als Elogen für den toten König. Sie alle spiegeln anschaulich den Zeitgeist wider und bilden wie die numismatischen Hinterlassenschaften früherer und späterer Herrscher des skandinavischen Landes ein interessantes Sammelgebiet.

18. Juni 2018

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