Geld in Brandenburg - Heimatzeitschrift widmet der regionalen Münz- und Geldgeschichte ihre 140. Ausgabe

Brakeat des Fürsten Jacza von Köpenick um 1150 und goldener Gnadenpfennig des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg und seiner Gemahlin Elisabeth von 1597.

Das A unter dem Adler auf dem so genannten Sterbetaler Friedrichs II., des Großen, von 1786 ist seit 1750 der Kennbuchstabe der Berliner Münze.

Der „Deutsche Michel“ und seine ausgehungerte Familie blicken in die wohlhabenden Niederlande. Mit wertlosem Papiergeld sind all die schönen Dinge von jenseits der Grenze für sie unerreichbar.

Das habe er nicht gewollt, stöhnt Johannes Gutenberg und beklagt den unendlichen Strom wertloser Geldscheine, die der Druckerpresse entströmen.

In der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Oranienburg wird berichtet, wie Häftlinge massenhaft englische Pfundnoten fälschen mussten, und was von den Scheinen übrig geblieben ist.

Der Stern auf der Silbermünze von 1570 war das Zeichen von Lippold, den man zu Unrecht der Falschmünzerei und Giftmischerei beschuldigte.

Die meisten Kleinmünzen der DDR verschwanden nach 1990 im Schmelztiegel, doch manche sind Sammlern lieb und teuer.
Fotos/Repros: Caspar
Die seit den 1990er Jahren in Berlin herausgegebene Heimatzeitschrift „Die Mark Brandenburg“ bringt ihren Lesern Ereignisse und Gestalten, Bauten und Naturschönheiten und vieles mehr auf unterhaltsame und dazu auch gut illustrierte Weise nahe. Bis jetzt fehlte in der breiten Themenpalette das, worauf Geschichte, Wirtschaft, Kultur, Bauten und Lebensweise der Berliner und Brandenburger beruhen – das Geld. Die im Frühjahr 2026 erschienene 140. Ausgabe widmet sich den hier hergestellten und umlaufenden Münzen und Geldscheinen, und sie tut das in einer Auswahl, die Leserinnen und Leser neugierig auf mehr Informationen machen möchte. Denn selbstverständlich kann das 48 Seiten starke Heft nur einen Bruchteil dessen abdecken, was zu dem Thema zu sagen wäre. Die Zeitschrift für die Mark und das Land Brandenburg erscheint im ammian Verlag Berlin. Das Jahresabonnement kostet 24 Euro, Anfragen unter 030/64328776, Internet www.ammian-verlag.de, e-Mail verlag@die-mark-brandenburg.de.
Leon Ebert und der Verleger Marcel Piethe schreiben im Editorial, ob frühneuzeitlich Taler und andere Münzen, Noten der Deutschen Bundesbank oder das DDR-Papiergeld – Geld sei stets auch die Projektions- und Repräsentationsfläche politischer Macht gewesen. An Münzen und, wie man hinzufügen muss, auch Medaillen sowie Scheinen haften Spuren jener, durch deren Hände sie gingen. Das kann man auch mit Heinrich Heine poetischer sagen. In seiner „Harzreise“ kam er beim Anblick frisch in Clausthal geprägter Silberstücke und in seine eigenen leere Geldbörse ins Grübeln. „Mit einem Gefühle, worin gar komisch Ehrfurcht und Rührung gemischt waren, betrachtete ich die neugeborenen, blanken Taler, nahm einen, der eben vom Prägestocke kam, in die Hand und sprach zu ihm: Junger Taler! Welche Schicksale erwarten dich! Wie viel Gutes und wie viel Böses wirst du stiften! wie wirst du das Laster beschützen und die Tugend flicken, wie wirst du geliebt und dann wieder verwünscht werden! wie wirst du rastlos umher irren, durch reine und schmutzige Hände, jahrhundertelang, bist du endlich, schuldbeladen und sühnemüd, versammelt wirst zu den Deinen im Schoße Abrahams, der dich einschmelzt und läutert und umbildet zu einem neuen, besseren Sein.“
So schön hat kaum jemand zu einer Münze gesprochen, und so wurde ihr schmähliches Ende im Schmelztiegel auch nicht vorausgesagt. Im neuen Sonderheft geht es sachlicher zu. Es beginnt mit einer kleinen Geschichte des Geldes in Brandenburg und darüber hinaus. Der Münzexperte Klaus Priese schildert, wie im Verlauf des 18. und 19. Jahrhundert die Vielfalt im brandenburgischen, preußischen und deutschen Münzwesen überwunden und nach der Gründung des Kaiserreichs 1871 eine einheitliche, auf Mark und Pfennig lautende Währung geschaffen wurde. Die Bundesfürsten und drei Freie Städte durften Geldstücken mit ihrem Bildnis bzw. Wappen schmücken, hatten aber mit Geldangelegenheiten nichts mehr zu tun, denn sie waren jetzt eine Sache des Reichstags und der Reichsregierung.
Dass man seit dem 19. Jahrhundert für gute Zinsen sein Geld, sofern man welches übrig hatte, sicher den Sparkassen anvertraute, schildert Ralf-Rüdiger Targil am Beispiel der 1822 gegründeten Sparkasse in Frankfurt an der Oder. Sie und weitere Einrichtungen dieser Art ermunterten die ärmere Bevölkerung, ihre Groschen nicht mehr dem legendären Sparstrumpf, sondern den städtischen Sparkassen anzuvertrauen. Der Betrieb der stark frequentierten Sparkasse wird vom Autor als eine besondere, heute kaum zu überschätzende Leistung des Frankfurter Magistrats bezeichnet. Weiter geht es in einem Beitrag von Klaus Priese über Inflation und Notgeld 1914 bis 1923. Er stellt einige gedruckte, manchmal auch mit der Hand geschriebene Scheine aus fast 130 brandenburgischen 140 Berliner Ausgabeorten vor und vermittelt eine Ahnung davon, wie selbst Bettler Milliardäre wurden. Man konnte mit den vielen Nullen hinter der Eins nichts anfangen, weil das Inflationsgeld über Nacht wertlos wurde.
Die massenhafte Fälschung britischer Pfundnoten im Rahmen der nach einem SS-Offizier benannten „Aktion Bernhard“ im Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg während des Zweiten Weltkriegs ist Thema eines Beitrags von Anne Rinke. Die Nazis wollten mit ihrer Hilfe die Wirtschaft des Kriegsgegners nachhaltig schädigen, was ihnen aber nicht gelang. Die zur Herstellung der Druckplatten und Scheine gezwungenen und etwas besser als ihre Leidensgenossen versorgten Häftlinge aber überlebten und konnten nach 1945 ausführlich berichten, mit welchen ausgefallenen Methoden Hitler und Himmler den Krieg gegen den Rest der Welt führten.
In älteste Zeiten führt ein Beitrag von Lutz Fahron, der sich mit der sagenhaften Fürstin Petrissa und ihrer historischen Persönlichkeit befasst. Dass die Gemahlin des Slawenfürsten Pribislaw-Heinrich auf der Rückseite von Denaren abgebildet ist, die 1880 im Münzschatz von Michendorf ans Tageslicht gelangten, war ganz ungewöhnlich. Der große Münzforscher Hermann Dannenberg zweifelte zunächst an ihrer Echtheit, bescheinigte ihnen dann aber, „helles Licht in eine ziemlich dunkle Geschichtsperiode“ werfen zu können. Durch die Münzen habe die Geschichte der slawischen Fürstin Petrissa ein wenig an Konkretheit gewonnen. - Leon Ebert schildert, wie die Währungsunion von 1990 in der DDR und in Brandenburg vonstatten ging, was aus der Wirtschaft zwischen Elbe und Oder wurde und wohin die Berge eingesammelter Geldscheine kamen. Indem Björn Berghausen und Klaus Dettmer einen Blick auf Bankhäuser in Berlin und Brandenburg wirft, erschließen sie den Leserinnen und Lesern der „Mark Brandenburg“ eine wichtige Facette der regionalen und überregionalen Wirtschaftsgeschichte und zeigen die enge Verflechtung von Macht und Geld im Reich der Hohenzollern und danach.
Helmut Caspar ist in dem Heft mit vier Beiträgen vertreten, und zwar mit einem Besuch im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel, wo neben vielen anderen Ergebnissen von Ausgrabungen auch zahlreiche Münzfunde gezeigt werden. Er befasst sich ferner mit dem Justizmord am jüdischen Münzmeister Lippold 1571, dem man alles Erdenklich Böse und Schändliche in die Schuhe schob, und geht auf die Machenschaften der Kipper und Wipper im 17. Jahrhundert in der Mark Brandenburg und Berlin ein. Preußens König Friedrich II., der Große, setzte 1750 eine Münzreform durch, die dem Reichstaler Geltung verschaffte und auch die bis heute für Berlin gültige Kennung „A“ einführte. Ferner blickt der Verfasser auf die Geschichte des VEB Münze der DDR am Berliner Molkenmarkt , der 1990 in die Staatliche Münze Berlin umgewandelt wurde und jetzt im Bezirk Reinickendorf Kurs- und Gedenkmünzen sowie Medaillen herstellt.
Dass Verleger Marcel Piethe die 140. Ausgabe der „Mark Brandenburg“ dem regionalen und überregionalen Geldwesen früher und heute widmet, ist zu begrüßen, denn sie führt an ein nur Insidern bekanntes, aber überaus wichtiges, ja lebenswichtiges Thema heran und macht ganz nebenbei neugierig auf das, was im Berliner Münzkabinett gesammelt ist und im Bode-Museum auf der Museumsinsel gezeigt wird.
24. April 2026