Prunkbau der Hohenzollern
Das Schloss in Oranienburg wurde vor 25 Jahren nach umfassender Restaurierung als Museum eröffnet

Vor dem Eingang zum Schloss steht das 1858 enthüllte und vor einigen Jahren restaurierte Denkmal der aus den Niederlanden stammenden Kurfürstin Louise Henriette. Es wurde als Zeugnis der Dankbarkeit der Oranienburger Bürger und des preußischen Volkes sowie als Ausdruck „seiner unwandelbaren Gegenliebe und Treue für ein Herrscherhaus, dem das Vaterland Alles verdankt“ gefeiert.

Im Zentrum der Ausstellung im Oranienburger Schloss stehen das Kurfürstenpaar Friedrich Wilhelm und Louise Henriette (Foto) sowie ihr Sohn und erste König in Preußen, Friedrich I., und der Prinz August Wilhelm, ein Bruder Friedrichs II., des Großen.

Im Schloss halten König Friedrich I. und sein Vater, Kurfürst Friedrich Wilhelm, Wache.

Kurprinz Carl Aemil (Emil) – hier mit dem Kurhut als Thronfolger gekennzeichnet - war der ganze Stolz seines Vaters Friedrich Wilhelm. Als er mit 19 Jahren in einem Feldlager an den Folgen der Ruhr gestorben war, musste der Kurfürst mit dem „schiefen Fritz“ vorlieb nehmen, der 1688 Kurfürst und 1701 König in Preußen wurde und 1713 starb.

In Afrika Fuß zu fassen und ins „Konzert“ der damaligen Kolonialmächte einzusteigen, erwies sich als wirtschaftliches und politisches Desaster. An das Leid der versklavten und nach Amerika verschleppten Sklaven dachte damals kaum jemand. Die Medaille zeigt einen Sklaven mit Elfenbein in den Händen.

Der in Berlin gewebte Gobelin feiert Friedrich Wilhelm als Sieger über die Schweden in der Schlacht von Fehrbellin 1675, worauf man ihm den Titel „Großer Kurfürst“ gab.

Im Inneren des Schlosses gingen alle barocken Stuckdecken und Deckengemälde bis auf die im Porzellansaal verloren. Sie lassen ahnen, wie die Prunkräume ausgesehen haben.

Als Louise Henriette 1667 mit nur 40 Jahren starb und sie in feierlichem Zug zu Grabe getragen wurde, war die Trauer um die beliebte Landesmutter groß.
Fotos: Caspar
Es ist jetzt 25 Jahre her, dass die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg das von Dach bis Keller umgebaute und restaurierte Schloss Oranienburg als Museum eröffnet hat. Seither konnten 600.000 Gäste begrüßt werden. Zum 25-jährigen Jubiläum rückt die Sonderschau „25 Jahre – 25 Geschichten“ ausgewählte Werke in den Blick. Es geht um Macht und Ruhm, höfische Repräsentation und persönliche Schicksale, aber auch um globale Verflechtungen und kulturellen Austausch. Nicht verschwiegen wird das Thema Ausbeutung und Sklaverei und der unerfüllte Traum des Großen Kurfürsten, aus dem kleinen Brandenburg eine respektable See- und Kolonialmacht zu machen. Die Präsentation ist Teil des Themenschwerpunktes „Kunst – Macht - Politik“, zu dem die Schlösserstiftung 2026 in ihre Häuser einlädt (siehe Eintrag auf dieser Internetseite vom 19. März 2026).
Die Jubiläumsschau zeigt kostbare Gemälde, Skulpturen und Möbel aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sie führt weit über die Geschichte des Oranienburger Schlosses hinaus in das Auf und Ab im brandenburgisch-preußischen Herrscherhaus und erwähnt seine Sammelleidenschaft für Gemälde, Skulpturen, Porzellan und Goldschmiedearbeiten. Dokumentiert werden auch die Beziehungen der Hohenzollern zu ihren Verwandten in den Niederlanden und über sie hinaus nach Afrika, Brasilien und Asien, wo Niederländer als Kolonialherren tätig waren.
Die Herrichtung des barocken Prachtbaus war nötig, denn seine Nutzung nach dem Auszug der Hohenzollern Mitte des 18. Jahrhunderts und fast vierzigjährigem Leerstand erst als Fabrik und im 20. Jahrhundert als Polizei- und SS-Kaserne und in DDR-Zeiten als Kaserne der Nationalen Volksarmee hatten ihm nicht gut getan. Die Erweckung des als Nebenresidenz genutzten Schlosses aus dem Dornröschenschlaf vor 25 Jahren und seine Ausstattung mit Kunstwerken und Möbeln war Teil der gemeinsamen Feierlichkeiten der Bundesländer Berlin und Brandenburg zum 300. Jahrestag der Krönung des ersten preußischen Königs am 18. Januar 2001.
Palast der Superlative
Dass in Oranienburg bald nach dem Dreißigjährigen Krieg und noch vor dem barocken Umbau des Berliner Schlosses durch Andreas Schlüter ein Palast der Superlative erbaut und überaus kostbar ausgestattet wurde, unterstreicht den Willen des brandenburgischen Herrscherhauses, sich neben anderen Dynastien gleichberechtigt aufzustellen. Als der frisch gekrönte König Friedrich I. mit seinem Tross im Winter 1701, aus Königsberg kommend und nach Berlin fahrend, in Oranienburg Halt machte, wurden glanzvolle und sehr teure Feste veranstaltet. Unterm Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. erlebte das Anwesen nach dem Thronwechsel von 1713 einen Abstieg. Aus Kostengründen verfügte der sparsame Monarch, der sich lieber in Königs Wusterhausen aufhielt, den Abbruch von Lusthäusern und Wasserspielen aus der Zeit seines Vaters und Großvaters. Das eingesparte Geld wurde in die Armee und die Anwerbung der „Langen Kerls“ gesteckt. Seine beste Zeit hatte das Schloss hinter sich, als Prinz August Wilhelm mit seiner Frau Luise Amalie hier einzog und das Schloss samt Garten im Geschmack des Rokoko ausbaute und verschönerte.
Holland im Kleinen
Die niederländische Herkunft der Louise Henriette von Oranien-Nassau begründete im 17. Jahrhundert die enge Verbindung der Hohenzollern mit der Republik der Vereinigten Niederlande. Die Einflüsse des Nachbarlandes auf die Wirtschaftspolitik des Kurfürsten Friedrich Wilhelm nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) waren wegweisend. Auch für die Kunst war die Bedeutung der Niederlande maßgeblich und ist noch heute in Sammlungen mit Gemälden niederländischer Meister und asiatischem Porzellan sichtbar. Die als klug, umsichtig, mildtätig und fromm geschilderte Landesmutter Luise Henriette von Nassau-Oranien machte aus Oranienburg eine Art „Holland im Kleinen“. Ihr Mann, Kurfürst Friedrich Wilhelm siedelte unter ihrem Einfluss niederländische Bauern und Handwerker an und stattete sie mit Privilegien aus. Gutsbesitzer wurden ermuntert, den Neuankömmlingen attraktive Entwicklungsmöglichkeiten zu geben und ihnen Land zu übereignen. Niederländische Kanalbauer legten Feuchtgebiete trocken, und noch heute sieht man in der Nähe von Oranienburg schnurgerade Wasserstraßen aus jener Zeit.
Ihre ersten Ehejahre verbrachten Friedrich Wilhelm und Louise Henriette in Kleve, das damals zu Kurbrandenburg gehörte. Sie waren glücklich und unglücklich zugleich, denn der 1648 geborene Kurprinz Wilhelm Heinrich starb noch als Säugling und ein weiterer Sohn Carl Aemil (Emil) mit 19 Jahren. Der schwächliche und durch einen Unfall in zartem Kindesalter etwas verwachsene Sohn Friedrich, genannt schiefer Fritz, trat 1688 als Friedrich III. die Nachfolge seines Vaters an. Mit einer langen lateinischen Inschrift an der zur Stadt ausgerichteten Schlossfassade würdigte der Herrscher sich und seine ihm besonders nahestehende Mutter in einer Weise, die man ungefähr so übersetzen kann: „Diese von Louise, der Prinzessin von Oranien, der besten Mutter, erbaute und durch den Namen ihres Geschlechts ausgezeichnete Schloss hat Kurfürst Friedrich III. zum Gedächtnis der sehr frommen Mutter erweitert, geschmückt und ausgebaut“.
Schäden durch falsche Nutzung
Das Königliche Hofmarschallamt gestattete 1802, in den Schlossräumen eine Baumwollfabrik und später eine Schwefelsäurefabrik einzurichten. Diese Missnutzung tat den Räumen und ihren Wand und Deckendekorationen nicht gut. Verheerend wirkten sich zwei Brände aus, denen Paraderäume und der Südostflügel zum Opfer fielen. Nach Umbaumaßnahmen von 1858 bis 1860 hat man hier ein Königliches Lehrerseminar eingerichtet. Von 1935 bis 1937 diente das Schloss als Kaserne für die SS-Bewacher des KZ Sachsenhausen unweit von Oranienburg und 1941 als Polizeischule. Um das Militär hier angemessen unterzubringen, erfolgten umfangreiche Umbaumaßnahmen im Inneren, und der Schlosshof erhielt einen Erweiterungsbau. Schweren Schaden erlitt das Schloss im Zweiten Weltkrieg, aber es blieb stehen. Der Wiederaufbau danach beschränkte sich im Wesentlichen auf die barocke Fassade.
Von 1953 bis 1990 war das Schloss Kaserne der Grenztruppen der DDR, was ihm ebenfalls nicht gut tat. Die Stadt Oranienburg übernahm 1997 das Schloss und richtete in einigen Räumen kommunale Behörden ein. Unterstützt mit Fördermitteln der Europäischen Union und des Landes Brandenburg, erfolgten Ende der 1990er Jahre umfangreiche Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen, bei denen durch Wegnahme von störenden Wänden und anderen Zutaten aus der Zeit als Kaserne historische Raumstrukturen und unter dicken Farbschichten sogar einige barocke Ausmalungen zurückgewonnen wurden. Die Schlösserstiftung übernahm den Mittelbau sowie den Nordwestflügel als Museum, dessen Schwerpunkte die Darstellung der engen künstlerischen und politischen Beziehung zwischen Kurbrandenburg und ab 1701 des Königreichs Preußen zu den Niederlanden und die brandenburgische Hofkultur vor und nach 1700 bilden.
In guter Erinnerung
ist die Landesgartenschau, die 2009 in Oranienburg unter dem Motto „Traumlandschaften einer Kurfürstin" stand und an Louise Henriette erinnerte, die Blumen und unbekanntes Gemüse in das vom Dreißigjährigen Krieg schwer gezeichnete Brandenburger Land brachte sowie Handwerk und Kunst beflügelte. Bis heute wird ihrer freundlich und dankbar gedacht. Die Kurfürstin beauftragte ihren Baumeister Memhardt mit der Planung und Ausführung eines Lustgartens im holländischen Stil mit einem Lusthäuschen in der Mitte. Der Garten diente der Kultivierung von Bäumen, Ziersträuchern, Blumen sowie Kartoffeln und Blumenkohl, die in der Mark Brandenburg heimisch wurden. Auf Veranlassung des Kurfürst Friedrich III./I. entwarf der Baumeister Nering 1690 das repräsentative Eingangsportal, das bis heute steht.
30. März 2026