Erinnerung und Mahnung - Parlament der Bäume ehrt Opfer der SED-Diktatur

  

Auf Granitplatten werden die Namen von insgesamt 258 Todesopfern des Grenzregimes genannt. Diese Zahl basiert auf den Vermutungen dem Kenntnisstand von 1990, als der Erinnerungsort entstand. Vor Ort ist zu erfahren, dass diese Zahl nicht mit den später ermittelten mindestens 140 Todesopfern überein stimmt.

  

Der Gedenkort befindet sich auf dem ehemaligen Todesstreifen am östlichen Ufer der Spree gegenüber dem Reichstagsgebäude und ist daher gut zu finden.



In einer Halle hinter der Gedenkstätte kann man sich mit dem vertraut machen, was Ben Wagin mit dem Parlament der Bäume bezwecken wollte und wie sich der Ort der Stille und Mahnung in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat.

Fotos: Caspar

Nach längerer Zeit der Schließung wegen Umbauarbeiten ist die Gedenkstätte „Parlament der Bäume“ im Berliner Regierungsviertel zwischen Reichstagsgebäude und Hauptbahnhof wieder zugänglich. Der Gedenkort erinnert an die Opfer der SED-Diktatur und der am 13. August 1962 errichteten Berliner Mauer und deutsch-deutschen Grenze. Zahlreiche Steine mit Namen von namentlich bekannten, aber auch vielen unbekannten Opfern von Ulbrichts und Honeckers Schießbefehl liegen im Rasen, aber auch solche zum Gedenken an die Toten des Volksaufstands vom 17. Juni 1953 in Ost-Berlin und der DDR. Einbezogen in das stille Gedenken sind Menschen, die in Kriegen und Gewaltmaßnahmen zu Tode kamen. 2017 wurde die vom Aktionskünstler und Bildhauer Ben Wargin im ehemaligen Niemandsland zwischen Ost und West gestaltete Stätte der Erinnerung und Mahnung unter Denkmalschutz gestellt, um ihre historische und kulturelle Bedeutung dauerhaft zu sichern. Das zur Gedenkstätte Berliner Mauer gehörende „Parlament der Bäume“ verbindet Kunst, Natur und Erinnerung auf einzigartige Weise. Es gehört zum „Band des Bundes“ und besteht, durch Zäune nach außen gesichert, aus einem Quadrat aus 16 Bäumen. Sie waren 1990 von den Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer gepflanzt worden. In einem kleinen Museum kann man sehen, wie Künstler das Thema „Krieg, Gewalt, Diktatur und Mauer“ verarbeitet haben, aber auch wie ehemalige Grenzsoldaten über ihren Dienst von damals an der Trennlinie zwischen Ost und West denken. Auf Schrifttafeln wird die Geschichte des ehemals dicht bebauten Geländes erzählt, auf dem sich jetzt Bauten des Bundes und den Deutschen Bundestags erheben.
Ben Wagin verband Gedenksteine, Bilder, Plakate und Teile der ehemaligen Grenzsicherungsanlagen zu einer eindrucksvollen, zum Nachdenken anregenden Installation. Die L-förmigen Mauersegmente sind mit Losungen, Jahreszahlen und Angaben die Opfer der Berliner Mauer versehen.
Als Mahnung zu einem friedlichen Miteinander begann Ben Wagin bereits 1979, das heißt zehn Jahre vor dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende der SED-Diktatur, in West-Berlin, überall dort, wo die Mauer Straßen blockierte, Bäume zu pflanzen. So stehen Beispiel einige Ginkgo-Bäume als Symbole der Hoffnung auch im Parlament der Bäume. Neben der Konzentration auf die Geschichte der Mauer und der deutschen Teilung hält das Parlament der Bäume die Erinnerung an die Toten des Zweiten Weltkriegs und die Opfer des Naziregimes wach.

17. April 2026