Brutale Verhörmethoden in Stasi-Kellern - Nostalgiker reden Alltag in der DDR schön und blenden Wahrheit über SED-Diktatur aus

Wer ins Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen gebracht wurde, musste sich auf das Schlimmste gefasst machen. Die Häftlinge bekamen es mit kaltherzigen Vernehmern und brutalen Folterknechten zu tun. DDR-Nostalgiker leugnen das alles und versuchen, den zweiten deutschen Staat in ein freundliches Licht zu tauchen.

Die Zwangsjacke, Handschellen und weitere Hinterlassenschaften einer zum Glück überwundenen Epoche sind in dem zur Gedenkstätte umgewandelten Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen ausgestellt.

Was sich in den Gefängniszellen und Verhörzimmern abspielte, ist durch Zeitzeugen und Dokumente gut dokumentiert. Immer deutlicher wird, dass hier vielen Gefangenen, aber nicht allen, mit perfiden Methoden das Rückgrat gebrochen wurde.

Das Untersuchungsgefängnis des MfS und weitere Dienststellen im Berliner Stadtbezirk Hohenschönhausen war eine verbotene Stadt, die auf Landkarten von damals nur als graue Fläche angedeutet ist. (Quelle: VEB Tourist Verlag Berlin/Leipzig 1987, 4. Aufl). Mielkes Knechte wohnten in schmucken Häusern gleich nebenan und waren, wenn nötig, sofort bei ihrer Dienststelle. Die Generalität führte am Obersee in schönen Villen ein schönes Leben. Alles war von Stasileuten streng bewacht.
Fotos/Repros: Caspar
Es gibt Nostalgiker, die weinen der ehemalige DDR manche Tränen nach und behaupten, im Arbeiter-und-Bauern-Staat sei es gar nicht so „schlecht“ gewesen. Die Verhältnisse heute bei uns seien zwar anders, aber viel schlimmer. Der Kabarettist und Honecker-Imitator Uwe Steimle hat neulich in einer Wahlveranstaltung der Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen-Anhalt freudig festgestellt, dass die Anwesenden bei der DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ textsicher sind. „Im Saal haben alle mitgesungen. Toll!“, sagte Steimle und fügte hinzu, er sei mit der DDR-Hymne groß geworden und singe auch „die andere Hymne“ mit. „Ich bin nicht angekommen in der BRD“, sagt er und kritisierte, dass viele Entscheidungsträger und Immobilienbesitzer aus dem Westen kämen. „Da kann von einer Wiedervereinigung nicht die Rede sein. Wir sind ein besetztes Land. Und das ist eine Schande“. Und weiter: „Mittlerweile muss ich sagen, wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal, wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?" Mit anderen Worten, wann wird eine Bombe auf den Kanzler Erfolg haben? Wie das Ermittlungsverfahren gegen Steimle ausgeht, wird man hoffentlich bald sehen.
Kampf gegen „Einigkeit und Recht und Freiheit“
Die Rechtsaußen-Partei krallt sich alles, was ihr in den Kram im Kampf gegen „Einigkeit und Recht und Freiheit“ passt. Da kommt ihr der Hitler-Attentäter Graf Stauffenberg als Retter in der Not und als einer gerade recht, der für eine bessere Ordnung kämpfte sein Leben lassen musste. Die Berufung auf Helden der Vergangenheit wie Kaiser Otto den Großen oder Reichskanzler Otto von Bismarck zieht sich durch Reden und Wahlprogramme der AfD. Offenbar braucht sie solche Gestalten, um bei ihren Wählern zu punkten und sich zu legitimieren.
Beim Liebäugeln mit der 1990 untergegangenen DDR wird ausgeblendet, was dort Oppositionellen, Umweltaktivisten, verhinderten Flüchtlingen und anderen „feindlich-negativen Personen“ angetan wurde und wie man ihre Angehörigen in Sippenhaft nahm. Im berüchtigten Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen wird dokumentiert, wie Geständnisse „produziert“ wurden „Wer in die Hände der kommunistischen Geheimpolizei gerät, hat wenig Chancen, bald wieder frei zu kommen – egal, zu welcher Zeit er festgenommen wird“, heißt es auf einer Tafel. Ziel sei es gewesen, den Gefangenen Geständnisse abzupressen. „Die Justiz in der DDR fällt ihre Urteile vorrangig auf dieser Grundlage. Im Mittelpunkt des sogenannten Untersuchungsverfahrens steht deshalb das Verhör. Die Vernehmungen ziehen sich meist wochen- oder monatelang hin. Eine Unschuldsvermutung zugunsten des inhaftierten gibt es nicht. Er soll sich vielmehr hilflos und ausgeliefert fühlen– damit er sich und andere belastet.“
„Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“
Die Ausstellung macht mit erschreckenden Schicksalen von Häftlingen der Stasi aufmerksam. So etwa mit dem jungen Sozialisten Lothar Otter, der als Mitglied der in der DDR verbotenen Jugendorganisation „Die Falken“ gegen die Verhaftung von zwei Freunden in Ost-Berlin protestiert hatte. Mit einigen Mitstreitern warf er am S-Bahnhof Friedrichstraße Flugblätter aus einem anfahrenden Zug. Darin stand der Satz der sonst in der DDR verehrten Kommunistin Rosa Luxemburg „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“. Die Polizei verhaftete ihn und übergab ihn der sowjetischen Geheimpolizei. Ein Militärtribunal verurteilte ihn und seine Freunde wegen „antisowjetischer Propaganda und illegaler Gruppenbildung“ zu 25 Jahren Arbeitslager. Nach sechs Jahren Haft im Zuchthaus Bautzen wurde Otter entlassen und flüchtete in den Westen, wo er im Bundesministerium für innerdeutsche Fragen tätig wurde.
Der kommunistische Widerstandskämpfer und nach 1945 Landtagsabgeordnete und FDJ-Vorsitzender in Sachsen Robert Bialek bekam es mit der SED-Führung und namentlich Walter Ulbricht zu tun, weil er sich gegen die Beschäftigung ehemaliger Nazis und Wehrmachtsangehöriger in den so genannten bewaffneten Organen wehrte. Er wurde 1948 als Generalinspektor der Volkspolizei entlassen und 1952 aus der SED ausgeschlossen. Nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 floh Bialek nach West-Berlin. Anfang 1956 verschleppte ihn die Staatssicherheit in den Osten. Vermutlich starb er schon beim Transport oder kurz nach der Einlieferung in Hohenschönhausen.
Stumm und blind - Ulbrichts liebstes Kind
Ins Zuchthaus konnte man schon kommen, wenn man Witze über die Repräsentanten von Staat und Partei machte oder ein Kindergebet so umformulierte: „Lieber Gott, mach mich blind, / dass ich nicht die Mauer find. / Lieber Gott, mach mich taub, / dass ich nicht dem RIAS glaub. / Lieber Gott! Mach mich dumm, / dass ich nicht ins Zuchthaus kumm. / Bin dann ich taub, stumm und blind / bin ich Ulbrichts liebstes Kind.“ Der 40 Jahre alte Leuna-Arbeiter wurde zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt.
Wie die Verfahren abliefen und Gerichtsurteilen zustande kamen, ist in dem von Jürgen Weber herausgegebenen Buch „Der SED-Staat - Neues über eine vergangene Diktatur“ (Verlag Olzog
München 1994) dokumentiert. Es enthält erschreckende Aussagen über die Willkür, der die Gefangenen ausgesetzt waren. Mielkes Knechte haben aus den Gefangenen Geständnissen regelrecht herausgeprügelt. Es hagelte nach Vorgaben der SED Führung Todesurteile und lange Zuchthausstrafen. Eine Möglichkeit zur Rechtfertigung gab es nicht, denn alles war vorher den Gefangenen eingebläut worden. Gefängniszellen und Verhörräume hatten kein Tageslicht, so dass die Beschuldigten nicht wussten, ob es Tag oder Nacht ist. Es gab Schlaf- und Sprechverbot, laute Beschallung, Behandlung mit kaltem Wasser, Faust- und Knüppelschläge, Fußtritte, Verabreichung über versalzener Nahrung bei gleichzeitigem Entzug von Getränken. An der Tagesordnung war auch die Drohung mit der Todesstrafe oder der Überstellung an die Rote Armee, was oft das gleiche bedeutete. Um bei ihren Opfern Gleichgültigkeit und Benommenheit zu bewirken, hat man ihnen vergifteten Sirup eingeflößt und sie mit Psychopharmaka vollgestopft.
Rollenspiele vor dem Obersten Gericht
Mit den Gefangenen wurden Fragen und Antworten im Gerichtsverfahren geprobt. Sie mussten unter der Drohung weiterer Misshandlung die Vernehmungsprotokolle unterschreiben, die dann vor Gericht als Beweismittel wurden. In dem erwähnten Buch ist von Rollenspielen, bei denen die Sprechtechnik und Körperhaltung eingeübt wurde. Der Gefangene Willibald Schuster beschrieb diese Vorbereitung später so: „Es mussten die Rollenspiele vom ZK (Zentralkomitee der SED, H. C.) und MfS erdacht werden. Die Rollen mussten geschrieben werden. Wir mussten erst kaputt gemacht werden vorher, dass wir die einzelnen Rollen übernahmen. Uns wurden die erdachten Rollen vor dem Prozess zeitweise durch die Stasi ausgehändigt. Wir mussten proben und proben. Auch die Gesten und Aussprachen wurden dabei nicht vergessen, und als wir die erdachten Gräueltaten auswendig konnten, war dann die ,Generalprobe' im Keller von Hohenschönhausen. Der Ankläger vom Obersten Gericht machte sich dann dort die Mühe und probte mit uns das Stück noch mal vorher durch. Und so war dann die Uraufführung beim Obersten Gericht ,ein voller Erfolg'. Es gab auch bei der ganzen Theateraufführung (Schauprozess) keine Versprecher, denn wir kannten ja alle vorher bereits die Fragestellung.“
Nach dem Ende der DDR gab es Verfahren zur Rehabilitierung und Entschädigung von politischen Häftlingen. Richter und Staatsanwälte mussten sich nur selten wegen Rechtsbeugung verantworten. Ein Angeklagter hatte sich in Briefen an Freunde in der Bundesrepublik mit der Bitte um Weitergabe an verschiedene Organisationen gewandt und beklagt, dass er wegen seines Ausreiseantrags schwerer Repressalien ausgesetzt ist. Er hatte sich unter anderem an die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte e. V. (IGFM) und das ZDF Magazin „Hilferufe von drüben“ gewandt und seinen Fall beschrieben. Die Einstufung des ZDF Magazins bzw. der genannten Vereine als verbrecherische Organisationen habe der Rechtsprechung des Obersten Gerichts der DDR entsprochen, stellte die Rehabilitierungskammer fest. Diese Einstufung sei zwar aus heutiger Sicht nicht verständlich, müsse aber bei der Prüfung der Vorwürfe gegenüber früheren Richtern und Staatsanwälten hingenommen werden. Da die rechtliche Situation zum Zeitpunkt der Tatbegehung maßgeblich für die Entscheidung gewesen sei, könne man den Richtern und Staatsanwälten keinen Vorwurf der Rechtsbeugung machen. Die Argumentation des bundesdeutschen Gerichts erinnert fatal an die Behauptung von Nazijuristen nach 1945, was „damals“, also unter Hitler, Recht gewesen ist, könne heute doch wohl kein Unrecht sein.
Literatur
Die IGFM hat über die Jahrzehnte mehrere zentrale Dokumentationen und Berichte veröffentlicht, die die Misshandlung politischer Häftlinge in der DDR, ihre wirtschaftliche Ausbeutung und die grausamen, unmenschlichen Zustände in den Strafanstalten detailliert festhalten. Eine weitere verwerfliche Maßnahme des DDR-Regimes war die politisch motivierte Zwangsadoption von Kindern.
https://www.igfm.de/ddr-aufarbeitung-birgit-schlicke-interview/ (technisch bedingt ohne Bilder)
dazu ein langes, bedrückendes Video nebst ähnlichen, daran anschließenden
Zwangsarbeit in den DDR-Strafanstalten
(KI)
https://www.igfm.de/wp-content/uploads/2021/01/Zwangsadoptionen_DDR_dokumentat.pdf
Arne ist nicht Aristoteles
7. August 2026