Die Greifen der Grafen - Herzberger Münzfreunde widmen Sonderheft den Münzen von Brehna und ehren ihren langjährigen Vereinsvorsitzenden Horst Gutsche

„Bausteine zum Münzwesen der Grafen von Brehna im letzten Drittel des 12. und im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts mit Beiträgen von Thomas Arnold, Katrin Fahron, Ulf Lehmann, Gert Rothe und Heiko Ziesch“ (hrsg. Herzberger Münzfreunde e. V., 60 Seiten, zahlr. farbige Abbildungen, Herzberg 2026). Foto oben Greif auf einem Brakteaten des Grafen Friedrich von Brehna, darunter Brakteat des Grafen Otto II. von Brehna.

Das Wandbild „Dresdner Fürstenzug“ ehrt Konrad den Großen als Ahnherrn des Hauses Wettin.

Die Karte aus einer „Geschichte der Stadt und Grafschaft Brehna“ von Johann Friedrich Köhler im Besitz der Sächsischen Universitäts- und Landesbibliothek Dresden zeigt die Grafschaft Brehna und umliegende Territorien.

Gezeigt wird auf der Vorderseite die Widmung an den Jubilar Horst Gutsche und auf der Rückseite die Wiedergabe eines Greifen-Brakteaten des Grafen Friedrich II. von Brehna, der im Dresdner Münzkabinett liegt.

Zahlreiche Rostocker Münzen sind mit dem Greifen geschmückt. Die Ursprünge des Mischwesens liegen im Vorderen Orient.
Fotos: Herzberger Münzfreunde e. V., Caspar
Bei Klassik Radio gibt es die beliebte Sendereihe „Sie glauben Bescheid zu wissen. Ich aber verrate Ihnen die wahre Geschichte“. Daran musste ich denken, als ich eine neue Publikation der Herzberger Münzfreunde e. V las. Sie blickt in die wenig bekannte Landes-und Münzgeschichte der Grafschaft Brehna zwischen Halle, Wittenberg und Torgau, die im späten 13. Jahrhundert erst an Sachsen-Wittenberg und 1423 an die Wettiner fiel, die Inhaber der Kurwürde und damit zur Königs- und Kaiserwahl berechtigt waren. Das hervorragend gestaltete Heft ist dem Ehrenvorsitzenden der Herzberger Münzfreunde e. V., Horst Gutsche, zu seinen 90. Geburtstag gewidmet. Er und seine Ehefrau Gisela Gutsche wurden 1936 geboren, waren Lehrer und haben den Verein in ehrenamtlichen Arbeit zu einer in der numismatischen Szene der DDR und nach 1990 im vereinigten Deutschland aus ihm eine bekannten und geachteten Größe gemacht. Als Leiter der Fachgruppe Numismatik Herzberg im Kulturbund der DDR hat er zahlreiche numismatische Ausstellungen, Tagungen und Publikationen organisiert und ist selber mit seiner Publikation „Der Schatzfund von Herzberg-Frankenhorst“ als hervorragender Fachautor in Erscheinung getreten.
Wichtiger Beitrag zur Landesgeschichte
Thomas Arnold und Ulf Lehmann bringen im neuen Heft der Herzberger Münzfreunde Licht in das Dunkel der Brehnaer Münzgeschichte und leisten damit einen wichtigen Beitrag für ein wenig bekanntes Kapitel der mitteldeutschen Landesgeschichte im 12. und 13. Jahrhundert. Markgraf Konrad von Meißen, genannt der Große, legte Ende 1156 seine Ämter nieder und ging ins Kloster. Seine Länder teilte er unter den fünf Söhnen auf. Friedrich, den Jüngsten, bedachte er mit der unbedeutenden Grafschaft Brehna. Er bemühte sich wie seine Brüder, diesen Besitz zu entwickeln und damit auch seine finanzielle Lage zu vermehren. Graf Friedrich tat das durch Erwerb weiterer Ländereien, aber auch durch die Förderung des Handels, den Bau von Straßen und Brücken, die Gewinnung von Anbauflächen, den Zuzug von Bauern und die Anlage befestigter Plätze, aus denen sich Städte entwickelten. Konrads Söhne entwickelten ein regelrechtes Kopf-an-Kopf- Rennen für die Stadtentwicklung und die Förderung des Handels. Dafür war die Geldwirtschaft in Form von Münzen wichtig. Auf regelmäßig stattfinden Märkten waren sie als Tauschmittel unerlässlich. Arnold und Ulf Lehmann gehen in dem neuen Heft der Frage nach, wo und warum unbedeutende Dynasten wie die Grafen von Brehna eigenes Geld herstellen ließen, wie die einseitig geprägten Brakteaten aussehen und worin sie sich von ähnlichen Geldstücken des Umlandes unterschieden.
Umtausch alter gegen neue Pfennige
Der Aufwand, Stempel herzustellen und eine Schmiede einzurichten, in denen so genannte Münzknechte tätig waren, muss sich gelohnt haben. Denn die Landesherren verdienten an den mit den sitzenden Grafen und ihren Greifen sowie Kreuzen und anderen Bildern geschmückten Hohlpfennigen, wie man auch sagt,nicht schlecht. Da man damals Jahr für Jahr alte durch neue Pfennige umtauschte, flossen nicht geringe Beträge in den Geldbeutel der Grafen von Brehna. Friedrich I. von Brehna starb 1181. Seine Söhne Otto I. und Friedrich II. verlegten den Sitz der Grafschaft nach Herzberg (Elster). Nach dem Absterben der Grafenlinie gelangte der Besitz an den askanischen Herzog Rudolf I. von Sachsen-Wittenberg und 1422 an das Haus Wettin. Im Gesamtwappen der Kurfürsten von Sachsen ist auch die Grafschaft Brehna vertreten.
Kathrin Fahron befasst sich mit dem Greifen als Wappentier der Brehnaer Grafen. Das aus dem Orient und der antiken Welt stammenden Mischwesen galt in der Mythologie als Friedensstifter zwischen Vögeln und Vierbeinern.
Hüter der Schätze und Bodenschätze
Man sagte ihnen nach, dass sie dem Adler an Schnelligkeit und dem Löwen an Stärke gleichen, und man glaubte, sie seien Hüter der Schätze und Bodenschätze. Greifen wurde durch Teilnehmer der Kreuzzüge im christlichen Abendland bekannt. In der norddeutschen Heraldik und auf Münzen sind sie häufig dargestellt. Die Grafen von Brehna nutzen den Greif als Repräsentations- und Legitimationssymbol ihres Hauses, das unter den Mächtigen der damaligen Zeit eine geringe Rolle spielte. Wohl um sich aufzuwerten, haben die Grafen den Greifen zu ihrem Symbol gemacht.
Am Schluss des instruktiven Heftes, zu dem man den Herzberger Münzfreunden gratulieren kann, schildern Ulf Lehmann und Gerd Rothe, wie die Medaille der Herzberger Münzfreunde zum 90. Geburtstag von Horst Gutsche am 10. Mai 2026 entstanden ist. In Dresden hatte Roger Paul einen Abguss eines dort befindlichen Greifenbrakteaten hergestellt, der dann von Gert Rothe für die Gussform aus hitzebeständigem Silikon verwendet wurde. Der Jubilar Horst Gutsche hat sich über diese Ehrengabe und den von Ulf Lehmann verfassten Medaillenpass sehr gefreut.
6. Juli 2026