Ehrung für Berliner Münzbeamte - Grabmäler erinnern an brandenburgisch-preußische Geldgeschichte und einen begnadeten Stempelschneider



Die Verachtung durch Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. für seinen ehemaligen Minister und Vertrauten Johann.Andreas Kraut (ab 1703 von Krautt) hinderte die Familie nicht, ihm im nördlichen Turm der Berliner Nikolaikirche ein prächtiges, von Johann Georg Glume gestaltetes Grabmal zu errichten, das mit einigen Beschädigungen erhalten blieb. Das Aussehen des Grabmals in der Petrikirche für den 1703 verstorbenen Stempelschneider Raimund Faltz ist nur auf einem Kupferstichs überliefert.



Vom Liebmann-Epitaph blieb in der Berliner Nikolaikirche nur eine Tafel mit schwungvoll-barocker Inschrift erhalten. Die Initialen I. L. Weisen auf den Münzwardein Johann Liebmann, der von 1664 bis 1675 dieses Amt inne hatte.



Topographisch genau hat Raimund Faltz anno 1700 das Bild der kurfürstlichen und ab 1701 königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin aus der Vogelperspektive überliefert.



Der als Medailleur, Wachsbossierer, Elfenbeinschnitzer und Miniaturenmaler vielseitig tätige Raimund Faltz stand seit 1688 in brandenburgischen Diensten. Er hat mit seinen ganz dem Stil des Barock verpflichteten Arbeiten wesentlich das Bild des barocken Brandenburg-Preußen um 1700 sowie die Leistungen Friedrichs III./I. Geprägt. Hier sein Porträt aus hellem Wachs in der Ausstellung des Münzkabinetts im Bode-Museum auf der BerlinerMuseumsinsel.



Die zum Teil vergoldete trauernde Frau schmückt auf dem Georgenfriedhof an der Greifswalder Straße das Grab des 1834 verstorbenen Münzmechanikers Kleinstüber.



Die Vorderseite der von Henri François Brandt geschaffenen Medaille von 1834 zeigt den noch jugendlichen Kopf von Kleinstüber, während die Rückseite sein Grabmal in Miniaturformat präsentiert.

Fotos/Repro: Caspar

Münzdirektoren und andere leitende Beamte
im Bereich Finanzen und Geldherstellung haben schon immer großes Ansehen genossen. In alter Zeit nahmen sie an fürstlichen Höfen und in städtischen Verwaltungen wichtige Vertrauensstellungen ein. Doch wehe, wenn sie ihre Position missbrauchten oder dessen beschuldigt wurden. Ungnade, aber auch Tod am Galgen konnten die Folge sein. Von Berliner Grabmälern mit numismatischem Bezug ist zu berichten. In der Nikolaikirche, die zur Stiftung Stadtmuseum gehört, blieb eine Inschriftentafel vom Epitaph für Margarete Liebmann erhalten, die Gattin des Berliner Münzmeisters Johann Liebmann. Die in barock-geschwungener Schrift ausgeführte Widmung stammt von einem im Zweiten Weltkrieg zerstörten „Ehren-Gedächtnis“ aus der Zeit um 1676, das an einem Strebepfeiler der Nikolaikirche befestigt war.

Ungeordneter Zustände in der Geldfabrik
Auftraggeber des ursprünglich reich mit Putten und Symbolen für Vergänglichkeit und Erlösung geschmückten Epitaphs war „Johann Liebman Sr. Churfürstl. Durchl. Zu Brandenburgk Wohlbestallter Müntzmeister und Quartin (Wardein)“. Viele der unter seiner Leitung geprägten Münzen mit Bildnis und Wappen des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg sind am Münzmeisterzeichen IL (Johann Liebmann) zu erkennen. Er arbeitete in einer Zeit ziemlich ungeordneter Zustände an der Berliner Münze. Betrug und Unterschleif waren an der Tagesordnung, doch dagegen richteten die Ermahnungen des Kurfürsten und verschärften Strafandrohungen wenig aus.
Emil Bahrfeldt, der Altmeister der brandenburgischen Münzkunde, war auf Liebmann nicht gut zu sprechen. Er nannte ihn einen Mann, dessen Name in der brandenburgischen Münzgeschichte keinen guten Klang hat, und zählte in seinem Buch über das Münzwesen unter dem Großen Kurfürsten Betrügereien auf. So hätten Proben neu geprägter Münzen, die so genannten Stockproben, nicht gestimmt, außerdem hätte Liebmann zu viel Gehalt bekommen. Schließlich sei die Abrechnung für die Begräbnismünzen der Kurfürstin Luise Henriette von 1667 falsch. Die Gemahlin des Großen Kurfürsten wurde mit einer Serie von Sterbemünzen im Wert von einem sowie Halb-, Viertel- und Achteltalern geehrt. Dass Liebmann an der Emission beteiligt war, geht aus der Signatur IL hervor.
Interesse verdient die Mitteilung von Bahrfeldt, dass Liebmann trotz aller Unregelmäßigkeiten und Vergehen immer wieder „Oberwasser“ bekam. Er hatte eine mächtige Stütze in Gestalt der Kurfürstin Dorothea, der zweiten Gemahlin des Großen Kurfürsten, der er als Bankier zu Diensten war. Seines Postens enthoben, musste Liebmann nicht am Hungertuch nagen. Er brauchte nicht einmal den von ihm angerichteten Schaden beheben. Liebmann war weiter als Juwelier und im Geldgeschäft tätig und war auch dem Kurfürsten Friedrich III., der sich 1701 als Friedrich I. die preußische Königskrone aufs Haupt setzte, zu Diensten. Dass er ein wohlhabender Mann war, unterstreicht das nur noch in Rudimenten erhaltene Grabmal in der Nikolaikirche.

Strafzahlung an das Potsdamer Militärwaisenhaus
Öffentliche Ämter und Reichtum allein waren kein Garantieschein, dass man in Preußen, und nicht nur dort, von der Regierung unbehelligt gelassen wurde. Minister Johann Andreas Kraut, seit 1703 von Krautt, machte als Geschäftsmann, Bankier und Hoflieferant ein bedeutendes Vermögen, lag aber im Streit mit dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. Nach Krautts Tod 1723 beschlagnahmte der Monarch sein Barvermögen und behandelte seinen ehemaligen Minister wie einen Verbrecher. Die verängstigten Erben erklärten sich bereit, seine Unternehmensanteile und dazu 40.000 Taler an das Große Militärwaisenhaus in Potsdam abzutreten, als der König drohte, den Leichnam wegen angeblich heimlicher und unter Todesstrafe stehender Wollausfuhr symbolisch aufzuhängen.
In besserer Erinnerung ist der 1703 verstorbene Stempelschneider Raimund Faltz. Er schuf zahlreiche meisterhaft gestaltete Medaillen mit dem Bildnis Friedrich III./I. und weiteren Motiven. Sein vom berühmten Barockbildhauer Balthasar Permoser geschaffenes Epitaph in der Berliner Petrikirche ging 1730 unter, als ein Blitzschlag das Gotteshaus traf und zerstörte. Lediglich hat ein Kupferstich das reich mit Symbolfiguren für Glaube, Liebe, Hoffnung, Kunst und Treue sowie einer Inschriftentafel und dem Bildnis des früh Verstorbenen geschmückte Grabmal überliefert. Das Berliner Münzkabinett zeigt eine Auswahl von Faltz’schen Arbeiten. Ein von Wolfgang Steguweit verfasster Katalog aus dem Jahr 2004 bildet Medaillen dieses großartigen Künstlers ab. Sie dienten der Verherrlichung der Bautätigkeit des Kurfürsten, der sich gerade auf den Weg machte, als Friedrich I. König „in“ Preußen zu werden und von Faltz mehrfach gefeiert wurde.

Modelle aus weißem und blassrosa Wachs
Das Berliner Münzkabinett besitzt und zeigt in seiner Ausstellung im Bode-Museum neben den Prägungen aus unterschiedlichen Metallen auch Modelle aus weißem und blassrosa Wachs dieses Meisters der Gravierkunst. Der am Berliner Hof hochangesehene Raimund Faltz erhielt 1691 ein kurfürstliches Privileg, das seine Urheberrechte an den eigenhändigen Arbeiten schützte. Der Künstler wohnte im Schloss und hatte dort auch seine Werkstatt. Da er in Paris gesehen hatte, wie man Medaillenstempel vervielfältigt, forderte er von der Regierung einen teuren Prägeapparat, den er erst nach langen Mühen bekam. Während andere Hofmedailleure die Arbeit der Münzeisenschneider zu überwachen hatte und selber Prägewerkzeuge für normales Geld herstellen mussten, konnte sich Faltz davor „drücken“. Es spricht für sein Selbstbewusstsein, dass Faltz unter die Bildnisse seines Herren seine Signatur R. F. anbrachte.
Dass die Faltz’ schen Arbeiten ziemlich komplett ins Berliner Münzkabinett gelangten, ist glücklichen Umständen zu verdanken. Denn als der an „Wassersucht“ erkrankte Künstler Anfang 1703 sein Ende nahen sah, setzte er König Friedrich I. zum Erben seiner Medaillensammlung ein. Er bat ihn zugleich, sich um den jungen Künstler Friedrich Marl zu kümmern, der später erfolgreich für das Königshaus arbeitete.

Rarität in der Berliner Friedhofsarchitektur
Das Grabmal des königlich-preußischen Münzmechanikers Johann Gottlieb Ernst Kleinstüber auf dem Georgenfriedhof an der Greifswalder Straße ist eine besondere Rarität in der Berliner Friedhofsarchitektur.Ganz dem Klassizismus der Schinkelzeit verpflichtet, zeigt das Bildwerk eine sitzende Frau in antikisierender Gewandung. Es ist, als würde die trauernde Gattin eine Urne bekränzen. Die jetzt leider verblichene Vergoldung verleiht der Skulptur ganz aus Eisenkunstguss zusätzliche Strahlkraft. Die halbovale Wand hinter der Figur besagt, dass sich hier „Kleinstübers Ruhe“ befindet. Die Inschrift auf dem Sockel aus rotem Granit nennt den Münzmechaniker und seine Frau Sally mit ihren Lebensdaten, verzichtet aber auf rühmende Worte und einen Hinweis auf die Profession des 1834 verstorbenen Beamten der Königlichen Münze zu Berlin.
Kleinstüber hatte sich große Verdienste um die Verbesserung des Münzbetriebs in Preußen erworben. Als Leiter der Maschinenbauanstalt der an zwei Standorten in der preußischen Hauptstadt tätigen Geldfabrik half er, die technische Fertigung des preußischen Hartgeldes zu modernisieren und konstruierte Geräte zum Rändeln und Justieren von Gold- und Silbermünzen. Erwähnt sei, dass er mit dem Erfinder der Kniehebelpresse, Diederich Uhlhorn, im Streit lag, weil er dessen Konstruktion als unpraktisch ablehnte.

20. Juli 2026