Vom Europino zum Euro - Unsere Gemeinschaftswährung hätte auch anders heißen können



Vorläufer für den Euro kamen schon in den frühen 1950er Jahren heraus. Dieser Europino entstand in einer Zeit, als in Westeuropa für die wirtschaftliche und politische Vereinigung des Kontinents getrommelt wurde. Der von einem Hamburger Münzhändler als Medaille ohne Zahlungsfunktion geprägte Europino von 1952 ist eine heute von Sammlern gut bezahlte numismatische Eintagsfliege.



Belgien setzte 1987 dem mit seiner Geschichte eng verbundenen römisch-deutschen Kaiser Karl V. mit einer nicht zum Umlauf bestimmten Silbermünze zu fünf ECU ein interessantes numismatisches Denkmal.



Frankreich widmete dem Philosophen, Mathematiker und Naturwissenschaftler René Descartes eine Münze zu 70 Ecus beziehungsweise 500 Francs.



Abgewandelt vom lateinischen Scudatus (Schild)) hieß der Taler in Italien Scudo. Diese Silbermünze wurde 1846 unter Papst Pius XI. in Rom geprägt.



Talerförmige Silbermünzen nannte man in Frankreich Ecu. Um sie zu unterscheiden gab es noch Zusätze wie „aux trois couronnes“ (mit drei Kronen) oder „aux palmes“ (mit Palmenzweigen).



Die in der frühen Neuzeit geprägte Mark besaß wegen ihrer guten Qualität hohes Ansehen. Sie war 1971 Namensgeber der neuen deutschen Einheitswährung.



Nicht durchgesetzt hat sich im Deutschen Reich die Bezeichnung Krone für das goldene Zehn- und Doppelkrone für das Zwanzig-Mark-Stück, hier seltene Ausgaben von Sachsen Coburg und Gotha von 1886 und 1895 mit dem schmalen und dem auf Weisung von Kaiser Wilhelm II. verbreiterten Reichsadler.



Griechenland setzte 2002 der sagenhaften Europa auf dem Stier und dem Athener Eulenmünzen ein eindrucksvolles numismatisches Denkmal.

Fotos/Repros: Caspar

Die Währungsumstellung am 1. Januar 2002
war ein einschneidendes Ereignis, und viele Menschen erlebten es mit gemischten Gefühlen. Einerseits wurde begrüßt, dass man bei Handelsgeschäften, Reisen und anderen Gelegenheiten sein Geld nicht mehr umtauschen muss und dabei Geld verliert. Auf der anderen Seite aber waren Preissteigerungen aller Art nicht zu übersehen. Schon bald machte bei uns nach dem Abschied von der D-Mark ein neuer Begriff die Runde - der Teuro. Heute ist es müßig, alten Zeiten nachzutrauern und das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Die Vorteile der auch für den Zusammenhalt in Europa so wichtigen Gemeinschaftswährung überwiegen die Nachteile.
Für Münzsammler hat sich nach 2002 ein ganz neues, durch Kataloge in immer neuen Auflagen erschlossenes Betätigungsfeld ergeben, für das der Handel ein reiches Angebot bereit hält. Inzwischen sind dicke Kataloge als Orientierungshilfen erschienen. Das von Kurt Michael Sonntag verfasste und 2026 im Battenberg Bayerland Verlag Regenstauf publizierte Nachschlagewerk umfasst 1368 Seiten und stellt ganz normale aber auch zahlreiche hochseltene uns daher sehr teure Euro- und Centmünzen vor.
In der Hamburger Münze wurden 1952 Silberstücke zu „5 Europino“ in einer Auflage von nur eintausend Stück geprägt. Die Schrift um zwei Schwerter mit darum gewundenen Zweigen appelliert mit EUROPA FOEDERATA an die Einigung Europas. Das Bild will sagen, dass der Frieden den Krieg besiegt und die Waffen zum Schweigen bringt. Die Europino-Münzen blieben Eintagsfliegen und kommen ab und zu im Münzhandel vor. Näheres ist im Katalog von Gerhard Schön „ECU Katalog Münzen und Medaillen" zu erfahren. Die Medaillenserie umfasst diese Werte: 2½ Europinos und 5 Europinos 1952 in Aluminium, Kupfer, Messing, Silber, Gold, Platin sowie 5 Dukaten und 10 Dukaten 1957 in Gold.
Der Vertrag von Maastricht (1992) sprach vom ECU als einheitliche Währung, benannt als Abkürzung für European Currency Unit. Die Bezeichnung erinnert an talerförmige Silbermünzen der Barockzeit aus Frankreich, deren Name vom lateinischen scudatus = Schild abgeleitet wurde. Nicht durchgesetzt haben sich in den 1990er Jahren diskutierte Bezeichnungen wie Euronit, Euron, Etalon, Pax, Comar und eben auch Europino.

Euro-Logo ab 1996 verbindlich
Dass sich 1995 der Name Euro gegen Ecu oder Eurogulden durchsetzte, geht auf eine Initiative der Bundesrepublik Deutschland und ihres damaligen Finanzministers Theo Waigel zurück. Hingegen entstand das bekannte Eurozeichen € schon lange vor dem Euro. Bereits 1974 hatte der Grafiker Arthur Eisenmenger das E mit dem Doppelstrich in Anlehnung an den US-Dollar und den japanischen Yen entworfen, deren Abkürzungen auch durchgestrichen sind. Ob das Eurozeichen wirklich von Eisenmenger entworfen wurde, ist umstritten, denn die Europäische Kommission erklärt, es sei von einer vierköpfigen Designergruppe entwickelt worden.
Fest steht, dass das €-Logo Ende 1996 zum verbindlichen Zeichen für die neue Gemeinschaftswährung erklärt wurde. Dies hat man damit begründet, dass es sich an den griechischen Buchstaben Epsilon anlehnt und damit auf die Wiege der europäischen Kultur im klassischen Griechenland weist. Die beiden parallel verlaufenden Striche seien als Symbole für die Stabilität der Währung zu verstehen.
Angesichts der Tatsache, dass die Einführung des Euro-Bargeldes im großen und ganzen gut verlaufen ist, mutet es kurios an, dass sich deutsche Feuilletons in den frühen 2000er Jahren über die Aussprache und Schreibweise von Cent und Euro ereifert haben. Bei den Nominalen gibt es im Deutschen keine Unterschiede zwischen Singular und Plural. Man sagt also fünf Cent oder zehn Euro ohne Plural-s,so wie man auch zwei Mark oder 15 Pfennig, ein oder zehn Meter, ein oder hundert Kilogramm sagt.

Mark nach hansischem Vorbild
Bleiben wir noch bei experimentellen Münznamen, die sich nicht durchsetzten. Im Jahr 1871, nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs, wurde eine Debatte darüber geführt, wie die deutsche Einheitswährung heißen soll. In damaligen Münzgesetzen ist einiges über die Namensgebung zu finden. Gulden und Kreuzer sollte es nicht mehr geben, weil man sie mit den alten, nach und nach ausgemusterten Geldstücken hätte verwechseln können. Deshalb wählte man die Begriffe Mark für den bisherigen Dritteltaler oder das 35-Kreuzer-Stück süddeutscher Prägung.
Indem die nach dem alten Silbergeld norddeutscher Städte und Fürstentümer benannte Mark in 100 Pfennige geteilt wurde, bekannte sich das am 18. Januar 1871 in Versailles ausgerufene Deutsche Reich zur Dezimalwährung, die es zuvor schon in Russland, Frankreich und anderen Ländern gab. Abgelehnt wurde die Bezeichnung Groschen für das Zehnpfennigstück, weil er mit älteren, noch überall umlaufenden Kleinmünzen hätte verwechselt werden können. Dafür aber wurde eine neue Schreibweise für Mark und Pfennig verbindlich. So hat man aus 5 M. 3 Gr. und 8 Pf. den Beitrag 5,38 Mark gemacht, so wie wir heute Summen in Euro und Cent ausdrücken.

1. September 2026