Kleine Groschen, große Geschichte - Weimarer und Gothaer Herzöge ließen 1650 Jubelmünzen prägen



Der unter dem Weimarer Herzog Wilhelm geprägte Friedensgroschen von 1650 ist ein interessantes Zeugnis für die Hoffnungen und Wünsche der Menschen nach dem 1648 beendeten Dreißigjährigen Krieg. Sie hatten von dem elenden Ringen um Macht und Territorien genug und setzten, leider vergeblich, auf Vernunft und Friedenswillen unter den Völkern.

  

In dem berühmten Buch von Johann Ernst Tentzel „Saxonia numismatica“ (Ernestinische Linie, Gotha 1712, Nachdruck Berlin 1982) finden sich Beschreibungen in deutscher und lateinischer Sprache sowie Bilder von den Weimarer Friedensmünzen von 1650 und unzähliger anderer Münzen und anderer Medaillen. Ernst I., genannt der Fromme, ließ Groschen auf das Friedensfest von 1650 prägen und an Schüler in seinem Herzogtum Sachsen-Gotha verteilen.



Die Medaille erinnert an den 1648 in Münster geschlossenen Frieden zwischen Spanien und den Niederlanden mit Pax auf dem Sonnenwagen, der von zwei Löwen gezogen wird. „Miteinander vereint lassen sich die Löwen vor den Wagen der Herrin spannen“, lautet übersetzt die lateinische Inschrift.



Der zum Abschluss des Dreißigjährigen Kriegs unterzeichnete Westfälische Frieden, den der Hamburger Taler von 1748 feierte (neben einem Taler von 1717 zur Zweihundertjahrfeier der Reformation), erwies sich als brüchiges Konstrukt, denn schon bald erreichte die Kriegsfackel wieder deutsche Länder, diesmal angezündet und ausgeworfen vom französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. Er überfiel mit Feuer und Schwert die Pfalz und andere Länder im deutschen Süden und machte alte Erbansprüche geltend.

Fotos: Caspar

Nach quälend langer Dauer
und furchtbaren Verlusten an Blut und Gut wurde am 24. Oktober 1648 mit dem Westfälischen Frieden der Dreißigjährige Krieg beendet und eine neue, allerdings recht brüchige Friedensordnung in Europa geschaffen. Benannt nach den Bischofsstädten Münster und Osnabrück, in denen die Verhandlungen stattgefunden hatten, legte das Vertragswerk den Grundsatz „Cuius regio, eius religio“ fest. Das bedeutete nicht anderes als dass sich die Religionsausübung nach der richten musste, die der Landesherr praktiziert. Ausdrücklich bekräftigte der Vertrag die Souveränität aller Reichsfürsten und Reichsstädte. Sie konnten in ihren unzähligen Territorien schalten und walten und Bündnisse nach Gutdünken abschließen.

Es ist genug – Es sei Friede
Der hier vorgestellte Silbergroschen aus dem Jahr 1650 kommt im Münzhandel kaum vor und hat zudem ein bei Sammlern verpöntes Loch und zudem noch eine ausgebrochene Stelle am Rand. Geprägt unter dem Weimarer Herzog Wilhelm anlässlich eines Festes zum Friedensschluss in Münster und Osnabrück von 1648, bedeuten die lateinischen Inschriften: „Endlich - Es ist genug – Es sei Friede – Völker haltet Treu und Glauben.“ Das herzogliche Rautenwappen auf der Vorderseite unter einer Krone wird kombiniert auf der Rückseite mit drei in Freundschaft verbundenen Händen. Darüber ist der hebräische Gottesname zu lesen. Die Jahreszahl 1547 neben dem Wappen auf der Vorderseite weist auf den sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich, einen Anhänger der Lutherschen Lehre und Anführer des Schmalkaldischen Bundes im Schmalkaldischen Krieg. Die Angabe 1648 auf der anderen Seite des Rautenwappens erinnert an den Westfälischen Frieden, der überall im Römisch-Deutschen Reich mit großen Hoffnungen auf bessere Zeiten gefeiert wurde. Das Loch in dem Friedensgroschen könnte ein Hinweis darauf sein, dass man ihn an einer Schnur um den Hals getragen hat.
Nach der Schlacht bei Mühlberg im Jahr 1547 von den Kaiserlichen gefangen genommen und zum Tod verurteilt, aber nicht hingerichtet, kam Kurfürst Johann Friedrich mit lebenslanger Haft davon, die er in Weimar verbrachte. Schon nach fünf Jahren auf freiem Fuß, ging er ruhmvoll als Gründer der Universität in Jena in die Geschichte ein. Sein Kurfürstenamt hatte er an Moritz aus der albertinischen Linie der Wettiner verloren. Die Ernestiner mit Johann Friedrich an der Spitze mussten sich mit Thüringen begnügen und etablierten in den folgenden Jahrhundert durch Landesteilungen mehrere Herzogtümer, von denen einige nur kurze Zeit existierten. In der deutschen Kaiserzeit ab 1871 gab es außer dem Königreich Sachsen nur noch das Großherzogtum Sachsen-Weimar und Eisenach und die Herzogtümer Sachsen-Altenburg und Sachsen-Meiningen.

Hanfried in Jena ganz aus Bronze
Johann Friedrich, genannt Hanfried, ist bis heute mit einem Denkmal aus Bronze auf dem Marktplatz in Jena präsent. Von Friedrich Drake geschaffen, wurde das Monument 1858 zum Gedenken an den Begründer der Universität anlässlich ihrer 300-Jahr-Feier enthüllt. Dass der Landesfürst die kurfürstliche Tracht trägt und das Kurschwert in der rechten Hand hält, entspricht nicht ganz der Historie, denn der wahre Kurfürst war inzwischen der in Dresden residierende August. Die aufgeschlagene Bibel in Johann Friedrichs linker Hand trägt die Inschrift aus Psalm 121, Vers 2: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat“.
In dem schon erwähnten Buch von Johann Ernst Tentzel steht, dass auch Herzog Ernst von Sachsen-Gotha, der Bauherr des Schlosses Friedenstein in der Residenzstadt Gotha, anno 1650 Taler und kleinere Werte bis hinunter zum Groschen anlässlich des Friedensfestes prägen ließ. Die Silbergroschen wurden an Schulkinder verteilt, damit auch sie wissen, was die Einigung in Münster und Osnabrück bedeutet und weshalb sie auf dem Pfad der Gottesfurcht und Tugend wandern sollen.

Verherrlichung hier, Spott dort
Der Westfälische Frieden von 1648 hat in deutschen Fürstentümern und auch Städten numismatische Spuren hinterlassen. Jubelfeiern gab es auch im 18. Jahrhundert. Die Freie und Hansestadt ließ es sich 1748 nicht nehmen, dem Ereignis einen Reichstaler zu widmen. Diese Silbermünze und zahlreiche andere gehören in das Sammelgebiet „Pax in nummis“ (Frieden auf Münzen). Selbstverständlich haben die Kriegsparteien ihre Siege und Eroberungen sowie Friedensschlüsse auf geprägtem Metall verherrlicht, hingegen war es Sache der anderen Seite, Niederlagen des Feindes und die Eroberung seiner Festungen und Länder zu registrieren, und das tat man gelegentlich auch mit Hohn und Spott.
„Der Friede ist das beste aller Dinge“ verkündet eine talerförmige Medaille von 1648 mit der Ansicht der von Bastionen geschützten Stadt Münster auf der einen Seite und drei Tauben als Symbole für das Haus Habsburg, Frankreich und Schweden auf der anderen Seite. Sie halten Ölzweige über eine Krone und ein Zepter. Der münsterische Münzmeister Engelbert Ketteler hatte diese und weitere Stücke auf eigene Rechnung angefertigt und an die in der Stadt zu den Friedensverhandlungen weilenden Gesandten verkauft. Weitere „Gedächtnusse“ verkünden „Der Friede und die Eintracht zwischen dem Kaiser und den Königen sind das Glück für alle Zeiten“. Andere Medaillen ebenfalls von Ketteler auf den Vertrag zwischen Spanien und den Niederlanden zeigen die Friedensgöttin auf einem Muschelwagen sitzend, der von zwei Löwen gezogen wird, wobei die Räder über Waffen und Rüstungen rollen. Mit den Tieren waren die bisherigen, nun in der gemeinsamen Wiederaufbauarbeit vereinten Kriegsgegner gemeint.

18. September 2026