Chodowiecki als Medaillenkünstler: Der vor 300 Jahren geborene Grafiker entwarf 1771 und 1785 Prägungen für Berliner Gemeinde

Daniel Chodowiecki und seine Frau Jeanne Barez führten eine christliche Ehe und ließen ihre Mit- und Nachwelt durch Bilder an ihr teilnehmen. Der vielseitige Künstler widmete der Französischen Gemeinde zu Berlin viele Kupferstiche, die bis heute unsere Vorstellungen über das Leben der Hugenotten im Reich des schwarzen Preußenadlers prägen.

Das Berliner Hugenottenmuseum im Kuppelturm der Französischen Kirche am Gendarmenmarkt zeigt Stempel und Dokumente zu der von Daniel Chodowiecki und Abraham Abramson gestalteten Medaille von 1772.

Die Hugenottenmedaille von 1772 ist ein Gemeinschaftswerk von Daniel Chodowiecki und Abraham Abramson. Ihr Verkauf kam armen Franzosen zugute. Im Museum wird ein Abschlag dieser Medaille aus Kupfer gezeigt.

„Die Religion dankt der Vorsehung für die Wohlthaten Friedrichs II.“ schrieb Chodowiecki unter seinen Entwurf. Die französische Widmung auf der Vorderseite der Medaille lautet in der Übersetzung „Die Kinder der glücklichen Refugiés (ehren) Friedrich den Großen am 29. Oktober 1785“, womit der einhundertste Jahrestag des Edikts von Potsdam gemeint war.

Im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts üppig mit den Köpfen von Kurfürst Friedrich Wilhelm und Kaiser Wilhelm I. sowie der Borussia als Schutzpatronin der Hugenotten geschmückt, kam 1885 eine Medaille zur Zweihundertjahrfeier Ankunft der Refugiés in Brandenburg-Preußen heraus.

Zur Erinnerung an die Unterzeichnung des Edikts von Potsdam wurde 1994 vor dem ehemaligen Hauptgebäude der Französischen Gemeinde zu Berlin an der Friedrichstraße 129 ein von Michael Klein geschaffenes Denkmal in Gestalt eines Pelikans enthüllt. Die Medaille wurde mit Stempeln von Bodo Borchert geprägt und zeigt den Pelikan, der nach der Legende seine Brust öffnet und mit dem eigenen Blut seine Kinder nährt. Der Vogel gilt in der christlichen Ikonographie als als Sinnbild aufopfernder Nächstenliebe.
Fotos/Repros: Helmut Caspar, Manfred Olding
Am kurfürstlichen und königlichen Hof in Berlin in hoher Gunst stehend, halfen die ab 1685 aus Frankreich eingewanderten Hugenotten als Künstler, Gelehrte, Unternehmer und Militärs, das Ansehen des lange als „märkische Streusandbüchse“ verspotteten Landes zu verbessern. Gut gestaltete Münzen und Medaillen spielten bei diesem Bemühen eine nicht geringe Rolle. Wenig bekannt ist, dass sich der vor 300 Jahren in Danzig geborene Daniel Chodowiecki auch als Medaillenkünstler betätigt hat, allerdings nicht als Stempelgraveur, sondern „nur“ als Gestalter. Wir kennen diese Nebentätigkeit auch von Künstlern wie Antoine Pesne, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, Karl Friedrich Schinkel und Adolph Menzel.
Gunsterweisungen aller Art
Die Französische Gemeinde gab 1772 und 1785 zwei Medaillen heraus, für die Chodowiecki unentgeltlich die Entwürfe gezeichnet hat. Mit Allegorien und frommen Widmungen sprechen sie ihren Dank an das Herrscherhaus sowohl für die freundschaftliche Aufnahme im Land des Schwarzen Adlers als auch für ihre Förderung durch Gunsterweisungen aller Art aus. Mit anderen Hinterlassenschaften der Französischen Gemeinde zu Berlin sind diese und weitere Medaillen im Hugenottenmuseums zu sehen. Ungewöhnlich ist, dass neben der Medaille von 1772 mit der personifizierten Liebe und der Symbolfigur des Glaubens sowie einer neunzeiligen Inschrift auch die von Abraham Abramson gravierten Stempel ausgelegt sind. Zuzüglich werden Druckschriften gezeigt, die die Medaillen in Bild und Schrift erläutern und für den Kauf für zwei Reichstaler und 12 Groschen „zum Besten der Armen“ werben.
Die Medaille von 1785 ist der Aufnahme der Hugenotten ein Jahrhundert zuvor Kurfürst Friedrich Wilhelm gewidmet. Hier kniet eine verschleierte Frau unter dem Medaillon König Friedrichs II. vor der göttlichen Vorsehung, wie es in der Beschreibung von Chodowiecki heißt, während eine als Religion charakterisierte, ebenfalls verschleierte Frau dankbar vor der Büste des Großen Kurfürsten in die Knie geht. Dass sich die Religion einem Fürsten unterwirft, wurde in Hugenottenkreisen zwar moniert, aber am Ergebnis war nichts mehr zu ändern. Neu gestaltet hat Abramson nur den Hintergrund der Rückseite, denn hier ersetzt ein in Flammen aufgehendes Dorf ein brennendes Gebäude, das man als Kirche deuten kann.
Stempelschneider bekam 100 Taler
Während Chodowiecki für seine Entwürfe kein Geld nahm, ließ die Französische Gemeinde Jacob Abraham für die Stempelgravur die stattliche Summe von 100 Reichstalern zukommen. Falls die Stempel beim Prägen einen Riss bekämen oder beschädigt würden und neue angefertigt werden müssten, würden dem Stempelschneider 70 Reichstaler in Aussicht gestellt. Nach der Ausprägung seien die Werkzeuge dem Konsistorium abzugeben. Jakob Abraham erklärte sich bereit, der Gemeinde bei der Beschaffung des Silbers behilflich zu sein und über dessen Verbrauch zu berichten. Das mit zwei Siegeln beurkundete Dokument trägt die Unterschriften der Predigern Jean-Pierre Erman und Pierre-Crétien Reclam sowie von Daniel Chodowiecki und Jakob Abraham. In den Akten findet sich auch ein Schreiben, in dem sich König Friedrich II., der Große, für eine Ausgabe der Medaille aus Gold bedankt, aber bittet, sie zugunsten der Armen zu verkaufen.
Daniel Chodowiecki arbeitete eng mit den Stempelschneidern Jacob Abraham und Abraham Abramson zusammen. Die hochgeachteten Mitglieder der Jüdischen Gemeinde zu Berlin haben Könige, Generäle, Künstler und Gelehrte auf geprägtem Metall porträtiert und viele Zeitereignisse kunstreich dokumentiert. Als führende Mitarbeiter der Berliner Münze bestimmten Vater und Sohn wesentlich das Bild des preußischen Hartgeldes unter den Königen Friedrich II., Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. Für die Hohenzollern, aber auch für private Auftraggeber, die Akademie der Wissenschaften und die Französische Gemeinde schufen sie überdies reich mit Bildnissen und Allegorien geschmückten Medaillen, die zum Besten gehören, was vor und nach 1800 auf diesem Gebiet in Deutschland entstand.
10. September 2026