Münzen als Schmuck - Seit es Münzen gibt, werden sie als Schmuck am Hals und an der Hand getragen



In der Ausstellung des Münzkabinetts auf der Berliner Museumsinsel kann man als Schmuck verwendete Münzen betrachten.



Zu festlichen Anlässen wird als Statussymbol verwendeter Münzschmuck getragen. In regionalgeschichtlichen Ausstellungen vor allem in Bayern kann man ihn bewundern.



Aus der Kaiserzeit stammt die silberne Brosche mit Jugendstil-Einfassung, darin eine preußische Gedenkmünze von 1901 zu zwei Mark.

  

Als Brosche gearbeitet, ist die versilberte Nachbildung eines Sesterzen mit dem Bildnis der 33 nach Christus verstorbenen Agrippina maior, der Gemahlin des Germanicus und Mutter von Kaiser Caligula. Er veranstaltete zu ihrem Gedächtnis Feiern und Zirkusspiele und ließ Münzen zu ihren Gedächtnis prägen. Der um 22/23 nach Christus in Rom geprägte Sesterz betont das außergewöhnliche Recht der „Damen erster Klasse“, in einem von Maultieren gezogenen Carpentum zu fahren.

  Bis heute haben sich zu Schmuck umgearbeitete Silbermünzen aus dem Zarenreich erhalten. Tragen wird man sie kaum noch. Bei der Brosche wurde silbernes Kleingeld mit dem Zarenadler aus den 1880er Jahren verwendet. Solche Anstecknadeln mit vier silbernen Kopekenstücken dürften in manchen Russlandsammlungen liegen.

Fotos: Caspar

Solange es Münzen gibt,
werden sie auch als Schmuck verwendet. Archäologen haben in zahlreichen Funden Gold- und Silberstücke mal mit Loch, mal mit Henkel und dann wieder eingefasst in Schmuckrahmen entdeckt. Unsere Altvorderen haben diese Kostbarkeiten an Schnüren oder Ketten am Hals getragen, mit ihnen die Ohren geschmückt oder sie, zu Ringen umgearbeitet, an den Fingern getragen. Überdies hat man schon vor Jahrhunderten Groschen und Taler, Gulden und Dukaten sowie weitere Prägestücke zur Zierde von Krügen und Schalen verwendet. Solche Münzgefäße sind in größerer Zahl vor allem aus der Barockzeit sowie aus der Zeit um 1900 überliefert.
In der Renaissance, als man die Kultur und Kunst der Antike neu entdeckte und begann, antike Münzen zu sammeln, kam die Sitte auf, Gold- und Silbermünzen in Gefäße einzulassen oder sie als Hals-, Arm-, Finger- oder Hutschmuck zu verwenden. In der Zarenzeit hat man silberne Kopekenstücke zu Schmuckzwecken verarbeitet. Sie kommen als Anhänger und Armketten mit aneinander gereihten Münzen vor und stellen interessante Zeugnisse für die Beliebtheit von geprägtem Metall als Schmuck dar. Zwar ist diese Art des Gebrauchs, manche sagen auch Missbrauchs von Münzen, bei Sammlern unbeliebt.

Tod im Schmelztiegel
Viele Geldstücke, die eigentlich den Tod im Schmelztiegel erlitten hätten, haben, obwohl zweckentfremdet sowie durch die bei Sammlern wenig geliebten, Fassungsspuren verletzt und/oder vergoldet, auf diese Art und Weise überlebt. Das gilt auch für die zahllosen als Anhänger verwendeten Münzen, die Schützenketten und Schützenpokale sowie Frauen- und Männertrachten schmücken und oft in Volkskundemuseen gezeigt werden. In filigranen, oft auch mit Edelsteinen und Perlen geschmückten Fassungen kommen so genannte Gnadenpfennige vor. Oft aus Gold bestehend, stellen sie ausgesprochene Museumsstücke und einmalige Kostbarkeiten dar. Die wenigen Exemplare, die bis in unsere Zeit überlebt haben, werden im Münzhandel angeboten und sehr hoch bezahlt.
Sammler möchten Münzen und Medaillen am liebsten „pur“, ganz ohne angelötete Ösen, bei Silbermünzen auch ohne Vergoldungen oder, was auch vorkommt, mit Emailleauflagen besitzen. Solche Stücke werden im allgemeinen weitaus geringer als makellose Ausgaben. Dann und wann bekommt man verbilligt gelochte Stücke sowie solche, bei denen das Loch mehr oder weniger gut gestopft ist. Die ungeliebten Veränderungen sollte man respektieren, denn sie sind interessante Beweise für die Beliebtheit von Münzen als Schmuck.

Schutz vor Krankheit und bösem Blick
Alte Taler mit Heiligenbildern und frommen Sprüchen dienten als Talisman und Schutz vor Krankheit, Tod und „bösem Blick“. Auf der Skala standen Ausgaben der Grafschaft Mansfeld aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit dem Bild des Sankt Georg als Drachentöter und der Inschrift BEI GOTT IST RAT UND TAT ganz oben. Großen Zuspruchs als Anhänger erfreuten sich auch die bayerischen Madonnentaler, denen man ebenfalls schützende Eigenschaften zuschrieb. Dass manche dieser Silberstücke Spuren von Feilstrichen aufweisen ist ein Hinweis darauf, dass man das so gewonnene Edelmetall für Silber zur Heilung von Wunden nutzte.
Wer sucht, der findet in der eigenen Sammlung oder bei Sammlerfreunden, aber auch in Ausstellungen und auf Börsen Münzen und Medaillen, die zu Schmuck umgearbeitet wurden. Diese Stücke kommen in unterschiedlichen Gestalten vor, mal als Anhänger oder Brosche, auch eingefasst in Fingerringen, aneinander gelötet als Armband oder ein wenig gebogen als Jacken- oder Manschettenknöpfe. Beliebt waren und sind Münzen unterschiedlicher Zeitepochen als Anhänger von Schützenketten, die auch heute zu besonderen Anlässen getragen werden. Aus der Mode gekommen sind hingegen große und Goldmünzen an Hals- und Armketten.

Maulesel vor der kaiserlichen Kutsche
Ich hörte neulich in der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin den Vortrag von Tessa Scheunert (Uni Hamburg) über Frauendarstellungen auf römischen Münzen des ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhunderts und wie die dargestellten Gemahlinnen und Mütter der Kaiser einzuordnen sind. Da erinnerte ich mich,dass ich eine als Brosche gearbeitete Nachbildung eines römischen Sesterzen aus Silber (oder versilbertes Kupfer) mit einem von zwei Maultieren gezogenen Wagen (Carpentum) und rückseitig dem Bildnis der Kaiserin Agrippina Maior, der Mutter des Kaisers Caligula, besitze. Die Wagen mit gewölbtem Dach und mit zwei, manchmal auch vier Rädern waren nur Damen der kaiserlichen Familie vorbehalten und wurden als Staatskarossen bei festlichen Gelegenheiten benutzt. Sie transportierten, von Mauleseln gezogen, bei Trauerzügen in einer Urne die Asche verstorbener Herrscherinnen. Erst im 3. Jahrhundert war die Fahrt mit dem Carpentum auch höchsten Beamten gestattet.
Wie Horst Herzog in einem Eintrag vom 20. März 2024 auf der Internetseite www.muenzen-online.com berichtet, kommen die festlich geschmückten Wagen auch auf Münzen aus der Zeit der Kaiser Traian und Antoninus Pius vor, allerdings nur noch als Prägungen zur Erinnerung an früher verstorbene Frauen. Ein solcher Sesterz ehrt Faustina, die früh verstorbene Gemahlin des Antoninus Pius. Er ließ sie zu den Göttern erheben und erbaute ihr zu Ehren einen Tempel, in dem mittellose Familien Unterstützung für ihre Töchter bekommen konnten.

17. Oktober 2026