Freude und Belehrung - Musiker kamen erst spät zu numismatischen Ehren



Gedenkmünzen der DDR erinnerten 1984 an Georg Friedrich Händel und 1975 an Johann Sebastian Bach mit einem Detail aus der Partitur für das „Wohltemperierte Clavier“ und der Unterschrift des Thomaskantors.



Felix Mendelssohn Bartholdy sammelte in Leipzig Geld für ein Bach-Denkmal und erweckte die Musik des Thomaskantors zu neuem Leben. Bei der Münze von 1983 zum einhundertsten Todestag von Richard Wagner wurde auf ein Porträt verzichtet, statt dessen erkennt man eine Szene aus seiner Oper „Tannhäuser“.



Carl Maria von Weber feierte mit seinem „Freischütz“ und weiteren Werke wahre Triumphe. Dargestellt ist er auf einer DDR-Münze von 1975. Wolfgang Amadeus Mozart wurde 2006 in Österreich und Deutschland anlässlich seines 250. Geburtstags mit Gedenkmünzen und Medaillen gefeiert, hier die deutsche Ausgabe.



Die Dresdner Semperoper wurde 1945 bei einem Bombenangriff zerstört und 40 Jahre später in neuem Glanz neu eröffnet, was die Ausgabe einer Gedenkmünze zu 20 Mark wert war. Daneben feiert das Fünf-Mark-Stück der Bundesrepublik Deutschland von 1975 das Europäische Jahr der Musik.



Grimmig schaut Ludwig van Beethoven auf Ausgaben beider deutscher Staaten von 1970 zum 200. Geburtstag des Komponisten drein.



Durch den Verkauf von Medaillen wurden Festspiele gewürdigt und finanziert. Die Medaille von 1833 erinnert an ein Musikfest in Düsseldorf, das von Felix Mendelssohn Bartholdy geleitet wurde.



Die Medaille von 1928 feiert den Österreicher Franz Schubert als „Unsterblichen Meister des deutschen Liedes“. Dass er und andere in bescheidenen Verhältnissen lebten, sieht man den Prägestücken nicht an.



Geburtstage und Sterbetage, aber auch Jubiläen berühmter Komponisten waren und sind Anlässe zur Herausgabe von Gedenkprägungen aller Art. Die Medaille von 1894 feiert das fünfzigjährige Künstlerleben des Wiener Walzerkönigs Johann Strauß.

Fotos: Caspar

Münz- und Medaillensammlern steht die ganze Welt offen,
ihnen bieten sich großartige Möglichkeiten, um aus geprägtem Metall Freude und Belehrung empfangen, wie man in der Barockzeit sagte. Viele Sammler haben sich auf bestimmte Themen spezialisiert. Das können historische Personen wie Kaiser und Könige, Politiker, Militärs, Künstler, Wissenschaftler und viele andere sein. Da ihr Leben und Werk auch auf Münzen und Medaillen Niederschlag fanden, wird man mit einigem Glück und geduldigem Suchen das eine oder andere Stück aufspüren und eine Sammlung anlegen können. Dabei müssen es ja nicht die großen und teuren Raritäten sein, auch preiswerte Belege sind im Angebot und machen Freude.
Neue deutsche Ausgaben und solche aus anderen Staaten könnten Ausgangspunkt einer Spezialsammlung sein. Sie sind preiswert, manchmal bekommt man sie auf Münzenmessen für geringe Euro-Beträge. Sodann gibt es Sammelthemen wie Bauwerke und Stadtansichten, Pflanzen und Tiere sowie die Schiff-, Luft- und Raumfahrt und alles, was mit Mode zu tun hat. Dokumentiert sind ferner Motive wie Krieg und Frieden, Religion und Philosophie, Errungenschaften der Medizin, Industrie und Technik sowie der Bereich Landwirtschaft und Ernährung.

Porträts und Instrumente
Umfangreich und gut erforscht ist das Thema „Musik und Musiker auf Münzen und Medaillen“. Wer sich ihm verschrieben hat, wird auf der Suche nach Belegstücken zur Erinnerung an große Komponisten und Dirigenten, Musikvirtuosen und Sänger, aber auch an Sängerfest oder die Eröffnung von Opernhäusern und Konzertsälen schnell fündig. Man findet die Belegstücke auf Münzbörsen und im Münzhandel interessante Angebote. Meist haben die Gestalter sich Porträts der Musiker zum Vorbild genommen, nur selten sind Szenen aus ihrem Werk dargestellt. Noch weniger findet man Noten und symbolische Bilder auf den Münzen und Medaillen. Da Musikinstrumente auf ihnen abgebildet sind, gehören auch sie in das Sammelgebiet. Vor einigen Jahren kamen in Deutschland Goldmünzen zu 50 Euro mit solchen Motiven heraus, und wer Glück hatte, sicherte sie sich für seine Sammlung. Heute muss man für die Novitäten schon recht tief in die Tasche greifen.

Vergütung unterm Wert
Münzen und Medaillen zur Erinnerung an Musiker sind eine Errungenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts. Davor hielt man es nicht für nötig, auf sie und andere Künstler mit geprägtem Metall aufmerksam zu machen.So gut gestaltet und glänzend diese Arbeiten auch sein mögen, so wenig freudvoll war das Leben vieler Künstler, die von ihrer Musik leben mussten. Die meisten schlugen sich als schlecht bezahlte Komponisten und Hofmusiker durchs Leben und verdienten ihren Unterhalt durch den Unterricht von Kindern wohlhabender Eltern oder die Arbeit in Kapellen und Orchestern. Bis ins 19. Jahrhundert waren Musiker, wenn sie an fürstlichen Höfen angestellt waren, bessere Dienstboten und wurden unter ihrem Wert vergütet. Wer Glück hatte, bekam eine feste Anstellung in einer Hofkapelle oder einem städtischen Orchester oder verdingte sich als Organist und Chorleiter bei der Kirche. Reich konnte man damit nicht werden, und Anerkennung fanden die meisten Musiker, Dichter, Maler und andere Künstler zu Lebzeiten nur selten.

Königlicher Mäzen
Johann Sebastian Bach lag mit seinen Arbeitgebern im Clinch, weil er Musik machte, die die anderen nicht hören wollten. Er musste eine große Familie ernähren und nahm junge Musiker für ein paar Taler bei sich auf. Ludwig van Beethoven hatte wohlhabende Gönner, für die er hochkarätige Sinfonien und andere Stücke schuf und die ihm auch finanziell unter die Arme griffen. Wolfgang Amadeus Mozart, der schon in seiner frühesten Jugend vor Kaiserin Maria Theresia gespielt hat und als Wunderkind gefeiert wurde, bekam zwar stattliche Honorare für seine Werke, gab aber das, was er eben verdient hatte, mit vollen Händen wieder aus. Am Ende verschwand sein Leichnam in einem Wiener Armengrab. Richard Wagner hatte in König Ludwig I. von Bayern einen spendablen Freund und Mäzen, und er bekam von ihm so viel Geld und Unterstützung, dass sich die Menschen ob dieser „Geldverschwendung“, wie sie meinten, an den Kopf fassten und den Meister mit Hohn und Spott überzogen.
Vor über hundert Jahren war es undenkbar, dass Komponisten und Interpreten auf Kurs- oder Sondermünzen gewürdigt wurden, denn diese waren Fürsten vorbehalten. Heutzutage ist das anders, und so haben Sammler eine breite Auswahl. Musiker wurden erst ab dem 19. Jahrhundert durch Denkmäler in öffentlichem Raum geehrt. Zur Finanzierung ergingen Spendenaufrufe, und es wurden Gestaltungswettbewerbe ausgeschrieben. Man hat die Künstler meist stehend mit einer Notenrolle in der Hand und ernst auf die Passanten zu ihren Füßen blickend dargestellt. Bis heute verharren die Menschen ehrfurchtsvoll vor den Monumenten und legen anlässlich von Jubiläen Kränze ab.

21. September 2026