Von Basel bis Zürich - Münzen der Schweiz sind gut erforscht und bei Sammlern beliebt (Schweiz Teil 1)



Laut Spiezer Chronik ist mit der Miniatur die Münzstätte der Grafen von Kyburg und Neuenburg im Jahr 1337 gemeint, doch weisen Tracht und Werkzeuge ins späte 15. Jahrhundert.



Das Berliner Münzkabinett zeigt im Bode-Museum ein Glasfenster aus dem Jahr 1565, welches auf bunten Bildern Arbeitsgänge in der Münzstätte des 16. Jahrhunderts demonstriert. Die 22 mal 31,5 Zentimeter große Glasmalerei ist dem Schaffhäuser Münzmeisters Wernher Zenkgraff und seiner Frau gewidmet.



Die schwäbische Stadt Rottweil schloss 1463 ein Bündnis mit den Schweizer Kantonen, das 1519 im sogenannten Ewigen Bund in Anwesenheit aller Schweizer Partner verlängert wurde. Der Rottweiler Bündnistaler wurde um 1550 von Johann Stampfer geschaffen und schildert den legendären Rütlischwur, der Teil der eidgenössischen Gründungslegende ist.

  

Mit besonders schönen Münzen traten Städte und Bistümer der Eidgenossenschaft hervor, hier ein Taler aus Bern von 1501 und ein Ritter mit Fahne auf einem Vier-Batzen-Stück von 1813 aus dem Kanton Solothurn.



Das aus einem Haus springende Schaf ist das „redende Wappen“ von Schaffhausen und auf vielen Münzen der Stadt zu finden.



Im Zusammenhang mit den französischen Revolutionskriegen entstanden auf dem Boden der heutigen Schweiz Kantone, die sich wie auf dem Luzerner 40-Batzenstück von 1796 klassizistisch zurückhaltend präsentierten.

Fotos/Repros: Caspar

Die Münzen der Schweiz
sind gut dokumentiert und finden sich regelmäßig in den Angeboten des Münzhandels. Geistliche und weltliche Herrschaften sowie verschiedene Städte erwarben im Mittelalter das einträgliche und prestigeträchtige Recht der Münzprägung und übten es bis weit in die Neuzeit aus. In Schweiz-Katalogen stehen hinter zahlreichen Stücken vor allem aus der Frühzeit der Eidgenossenschaft die Buchstaben LP für Liebhaberpreis. Er ist die Umschreibung für besonders teure, weil seltene Stücke. Wie das Geldwesen des Römisch-Deutschen Reiches sowie von Italien bietet das der Schweiz ein buntes Bild.
Alles, was Rang und Namen hatte, prägte Münzen. Grafen und Barone, Bischöfe und Äbte sowie Städte und Kantone übten das Münzrecht aus. Dafür die Privilegien zu erteilen, war Angelegenheit des Kaisers, der sich sein Entgegenkommen gut bezahlen ließ. In der Schweiz wurden sowohl guthaltige als auch minderwertige Münzen geprägt. Dargestellt sind auf ihnen fürstliche Bildnisse, aber mehr noch die Muttergottes und verschiedene Heilige als Schutzpatrone der Städten und Herrschaften. In neuerer Zeit erscheint Helvetia, die Symbolfigur der Schweiz, auf Münzen, und wir finden auf ihnen neben dem legendären Wilhelm Tell auch Männer mit wehenden Fahnen oder solche auf dem Pferd reitend.

Gründungslegende der Schweiz
Erwähnt sei als weiteres Motiv der legendäre Rütlischwur. Der Gründungslegende der Schweiz zufolge schlossen sich Vertreter von Uri, Schwyz und Unterwalden auf dem Rütli am Vierwaldstättersee gegen die Habsburgerherrschaft und ihren bösen Vogt zusammen. Friedrich Schiller fasste das Ereignis in seinem Schauspiel „Wilhelm Tell“ (2. Aufzug, 2. Szene) mit diesen Worten zusammen: „Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, / in keiner Not uns trennen und Gefahr. / Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, / Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben / Wir wollen trauen auf den höchsten Gott / Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.“
Nicht immer gibt es verlässliche Nachrichten darüber, wann und wie Fürsten und Städte das Privileg zur Münzprägung erhielten. Offiziell fiel es Basel 1373, Bern um 1228 und Chur in der Mitte 15. Jahrhundert zu. Genannt seien auch Freiburg 1422, Genf 1535, Luzern 1418, Sankt Gallen im frühen 15. Jahrhundert, Schaffhausen 1333, Solothurn 1381, Zug in der Mitte des 16. Jahrhunderts und Zürich 1425, um einige Beispiele für Städte zu nennen, die das Münzrecht erworben hatten. Auch geistliche und weltliche Herren traten durch ansehnliche Emissionen in Erscheinung.

Besuch beim Münzmeister
Ein farbiges Blatt aus der Spiezer Bilderchronik des Berner Geschichtsschreibers Diebold Schil-ling von 1485 für Rudolf von Erlach, Herr des Schlosses Spiez am Thuner See, schildert den Besuch vornehmer Herren in einer mittelalterlichen Münzstätte. Das Blatt aus der 800 Seiten umfassenden Chronik zeigt einen Münzarbeiter beim Strecken der langen, dünnen Metallstrei-fen (Zaine) , aus denen man die Ronden geschnitten oder gestanzt hat. In der Mitte sitzt der Präger am Amboss, während rechts der Münzmeister den Besuchern eine Schüssel mit frisch geprägten Münzen reicht. Ein Schmelzofen und ein mächtiger Blasebalg runden die Szene ab. Laut Chronik ist mit dem Bild die Münzstätte der Grafen von Kyburg und Neuenburg im Jahr 1337 gemeint, doch weisen Tracht und Werkzeuge ins späte 15. Jahrhundert, als man dabei war, auch in der Schweiz von der Groschenprägung auf die weitaus aufwändigere Talerprägung nach Tiroler Vorbild überzugehen.
Als vor über einem halben Jahrtausend die ersten Taler geprägt wurden, boten sich Stempel-schneidern ungeahnte Entfaltungsmöglichkeiten. Denn auf den bisher gefertigten Groschen und Pfennigen ließen sich kaum Porträts, Reiterfiguren, Heilige, Stadtansichten sowie aufwän-dige Wappenschilder unterbringen. Das war nun auf den 40 Millimeter und mehr großen Gul-dengroschen, wie man die Taler anfangs nannte, besser bewerkstelligen. Bei ihnen sind manch-mal die Übergänge zu einer anderen Novität der damaligen Zeit, den Medaillen, durchaus flie-ßend.

Kaiser musste einlenken
Der Zusammenschluss von Uri, Schwyz und Unterwalden im Jahr 1291 ist ein beliebtes Thema auf Schweizer Münzen und Medaillen. Dieser Ewige Bund vergrößerte sich im Laufe der Zeit durch Beitritt von Luzern, Zürich, Glarus und Zug. Indem sich ihm am Anfang des 16. Jahr-hunderts Basel, Schaffhausen und Appenzell anschlossen, entstand die Eidgenossenschaft der 13 Orte. Dieses Bündnis wurde so stark, dass sich die in Wien regierenden Kaiser zu seiner Anerkennung genötigt sahen. Sie fanden sie sich zu Zugeständnissen auch in Religionsfragen nur mit Zähneknirschen bereit. Denn inzwischen hatten im frühen 16. Jahrhundert in der deut-schen Schweiz die Thesen der Kirchenreformatoren Calvin und Zwingli Anerkennung gefunden, und es kam zu heftigen, zum Teil blutigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen und den Ka-tholiken. Im Zusammenhang mit den französischen Revolutionskriegen entstanden 1798 die Helvetische Republik und 1803 ein Verbund aus souveränen Kantonen. Auf dem Wiener Kon-gress 1814/15 wurde die Eidgenossenschaft als Staat anerkannt. Sie verpflichtete sich zu dau-ernder Neutralität und bewahrte diesen Status bis heute.

11. Mai 2026