Fälschungssicheres Design -
Vertiefte Schriften und Bilder auf Münzen lassen sich nicht leicht nachahmen

Probensammler freuen sich, wenn sie einen solchen Zehner von 1812 mit dem vertieften Monogramm FWR (Friedrich Wilhelm Rex) erwerben können.

Die wegen ihrer Größe und ihres Gewichts auch Karrenräder genannten Penny-Münzen mit dem Kopf des britischen Königs Georg III. und der am Meer sitzenden Britannia tragen vertiefte Buchstaben und die Jahreszahl 1793, die nachzuahmen Fälschern schwergefallen haben dürfte.

In dem von Jérôme Bonaparte, einem Bruder von Kaiser Napoleon I., regierten Königreich Westphalen, hat man mit solchen Kupfermünzen bezahlt. Die Signatur weist auf den Pariser Meistergraveur Nicolas-Pierre Tiolier.

Das von Friedrich Schiller übernommene Motto „Seid einig“ schmückt den Stein, auf dem die Germania Platz genommen hat. Die Medaille von 1844 zeigt auf der Rückseite technische Errungenschaften des frühen 19. Jahrhunderts wie die Eisenbahn und moderne Münzprägemaschinen.

Landesname, Einheits- und Freiheitsmotto sowie ein Indianer und ein Adler schmücken vertieft die goldene 5-Dollar-Münze der USA von 1913.

Vertiefte Elemente kommen auf Euro-Münzen nicht oft vor, hier aber sind sie auf einer griechischen und einer deutschen Ausgabe von 2002 und von 2008 gut zu sehen.
Fotos/Repros: Caspar
Dass man Geldstücke mit vertieften Inschriften und Zahlen schmückte, ist eine Errungenschaft der Zeit um 1800, also der Periode der Industriellen Revolution. Unter der Regentschaft von König Friedrich Wilhelm III. (1797-1840) gab es vielfältige Bestrebungen, das preußische Münzwesen zu reformieren und es durch Verwendung neuartiger Prägestempel mit komplizierten Gravuren auch gegen vielfältige Angriffe von Fälschern sicher zu machen. Preußen wurde damals regelrecht mit billig gemachten Groschen und Pfennigen englischer Produktion überschwemmt, was der Regierung große Sorgen bereitete.
Der Berliner Stempelschneider Daniel Friedrich Loos und sein Sohn Friedrich Wilhelm Loos legten der Generalmünzdirektion in Berlin Prägewerkzeuge vor, „deren Nachahmung für die gemeinen Falschmünzer unmöglich, für die künstlerischen [also technisch versierteren Graveure, H. C.] aber mit den größten Schwierigkeiten verknüpft sein würde“. Der für den Bergbau und das Münzwesen zuständige Minister Friedrich Anton von Heinitz lobte gegenüber dem König die Leistungen des „sehr geschickten Hof-Medailleurs“, der sich an den neuartigen Pennies englischer Produktion und französischen Münzen orientiert. Die von Loos entwickelten Friedrichs'dors würden durch ihre ungewöhnliche Art, gleichzeitig erhaben und vertieft zu prägen, in Preußen einen neuen technischen Standard repräsentieren. Er halte die Nachahmung solcher Stempel selbst durch den geschicktesten Falschmünzer für unmöglich.
Numismatische Raritäten
Heinitz bat den König, die „successive Anfertigung“ ähnlicher Stempel für doppelte und halbe Friedrichs'dors aus Gold sowie Reichstaler, Acht-, Vier- und Zweigroschenstücke „gnädigst befehlen“ zu wollen. Der Befehl zur Neugestaltung kam nicht, denn die Zeiten zu Beginn der Befreiungskriege waren nicht geeignet, das sich Preußen neuartiges Hartgeld zulegt. Die wenigen Proben für die so genannten Ausgleichungsmünzen aus Kupfer mit der Jahreszahl 1812 avancierten schon bald zu numismatischen Raritäten.
Die Geschichte der mit ihrem vertieften Motiv sehr ungewöhnlichen Goldmünzen der USA vom Typ Indian Head erwacht anhand von Zitaten sogar zum Leben. Etwa in den Erinnerungen von Münzdirektor Frank Leach aus dem Jahr 1917: "Ursprünglich war geplant, die 5-Dollar- und 2,50-Dollar-Münzen mit demselben Motiv zu versehen wie die Double Eagles (20 Dollar), doch bevor dies endgültig beschlossen wurde, lud mich Präsident Roosevelt zu einem Mittagessen im Weißen Haus ein. Sein Ziel war es, mich mit Dr. William Sturgis Bigelow aus Boston bekannt zu machen, einem Kunstliebhaber und Freund des Präsidenten, der großes Interesse an dem Vorhaben zur Verbesserung des Aussehens amerikanischer Münzen zeigte und der einen neuen Entwurf für die kleineren Goldmünzen hatte."
Neuheit in der Münzprägung
Er vertrat die Ansicht, die wirtschaftlichen Bedürfnisse des Landes erforderten Münzen, die sich gleichmäßig „stapeln“ lassen, und es sei wünschenswert, die flache Oberfläche der Münze so weit wie möglich zu erhalten. Eine Münze, bei der die Linien des Entwurfs, die Figuren und die Buchstaben vertieft oder wie eingraviert statt erhaben oder reliefartig sind, würde daher den Wünschen der Banken und Geschäftswelt entsprechen „und gleichzeitig eine Neuheit in der Münzprägung einführen, die sowohl künstlerisch als auch an die Bedürfnisse der Wirtschaft anpassbar war.“
Gesagt getan, und so haben die USA von 1908 bis 1929 die Goldmünzen mit dem vertieften Indianerkopf und Landesadler geprägt, die wegen ihres innovativen Designs in der Geldgeschichte des Landes eine Besonderheit darstellen. 1933 endete in den Vereinigten Staaten die Ausgabe von Goldmünzen. Die schon auf Vorrat mit der Jahreszahl 1933 geprägten 20-Dollar-Münzen wurden bis auf einen winzigen Rest eingezogen und eingeschmolzen.
8. Juni 2026