Weg mit den Zollschranken - Münzen dokumentieren Standeserhöhungen und Reformen im 19. Jahrhundert



Die Karikatur zeigt, wie der „deutsche Michel“ mit der Axt Schlagbaum und Grenzpfähle zerschlägt.

  

Ungewöhnlich war es, dass König Ludwig I. von Bayern 1827 den Zollverein mit Württemberg durch einen Gedenktaler würdigte.



König Wilhelm I. von Württemberg erinnerte 1833 mit einem Gedenktaler an die Erlangung der „Handelsfreiheit durch Eintracht“.



Die Münzvereinigung süddeutsche Münzunion war für Ludwig I. von Bayern so wichtig, dass er 1837 einen Gedenkdoppeltaler mit stehender Moneta und einer kleinen Münzpresse zu ihren Füßen prägen ließ.

Fotos: Caspar

Die deutschen Fürsten
taten nach den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 und dem Wiener Kongress alles, um ihre Macht zu festigen. Ihr Versprechen, verfassungsmäßige Zustände herzustellen und bürgerliche Freiheiten zu gewähren, haben die wenigsten Herrscher eingehalten. Statt dessen wurde die Unterdrückung der Opposition verstärkt, die Zensur der Presse und Verlage verschärft und die Überwachung der Menschen durch Polizeispitzel ausgebaut. Auf der anderen Seite gab es einen kulturellen Aufschwung und Bestrebungen, auf wirtschaftlichem Gebiet die elende Kleinstaaterei zu überwinden und die den Handel und Industrie behindernden Zollschranken abzubauen.
Preußen begann damit bereits 1818, vereinheitlichte drei Jahre später sein Münz- und Geldwesen und gab neues, mit Maschinen hergestelltes Geld heraus. 1833 schlossen sich süd- und mitteldeutsche Staaten zum Deutschen Zollverein zusammen, dem später auch norddeutsche Länder beitraten. Bestimmende Macht in dem Verbund, dem Österreich nicht angehörte, war Preußen, das seinen Einfluss sehr zum Ärger anderer Länder nach und nach ausbaute.

Auf dem Weg zum Einheitsstaat
Der Deutsche Zollverein und seine Vorläufer waren wichtige Meilensteine auf dem Weg zum Einheitsstaat, der am 18. Januar 1871 im Schloss von Versailles, mitten im Deutsch-Französischen Krieg, durch Ausrufung von König Wilhelm I. zum deutschen Kaiser geschaffen wurde. Dass der Hohenzollernstaat in neuen Deutschen Reich den Ton angibt, sah man auch auf den neuen Münzen, auf denen der Reichsadler das preußische Wappen auf der Brust trägt.
Preußen begann 1818 mit dem Abbau seiner innerstaatlichen Zollgrenzen und vereinheitlichte drei Jahre später sein Münz- und Geldwesen. 1833 schlossen sich süd- und mitteldeutsche Staaten zum Deutschen Zollverein zusammen, dem später auch norddeutsche Länder beitraten. Bestimmende Macht in dem Verbund, dem Österreich nicht angehörte, war Preußen, das seinen Einfluss sehr zum Ärger anderer Länder nach und nach ausbaute.

Wichtige Einnahmequelle
Die Erhebung von Zöllen an den Landesgrenzen waren eine wichtige Einnahmequelle der Regierungen. Dass man bei der Einreise und Ausreise ständig Geld zahlen musste und der Willkür der Zöllner ausgesetzt war, hatte sich mehr und mehr zu einem ernsten Hindernis für Industrie, den Warenverkehr und das Reisen entwickelt. Das beginnende Eisenbahn-und Industriezeitalter verlangte geradezu nach dem Verzicht auf Gebühren und Schlagbäume, denn man konnte die Züge und Transportwagen nicht ständig anhalten und durchsuchen. 1833 schlossen sich süd- und mitteldeutsche Staaten zusammen, um die elenden Zollschranken niederzureißen. Das war ein großer Fortschritt, der auch durch Gedenkmünzen und Medaillen gefeiert wurde.

Vielfältige Widerstände
Bis es zur Überwindung der Zollschranken kam, mussten vielfältige Widerstände der um Einnahmen fürchtenden Regierungen überwunden werden. Händler und Gewerbetreibende bekamen Probleme, mit der englischen Konkurrenz mitzuhalten, und verlangten die Aufhebung der Zollschranken. Der Nationalökonom Friedrich List beschrieb die Lage im Jahr 1819 so: „Achtunddreißig Zoll- und Mautlinien in Deutschland lähmen den Verkehr im Innern (...) Um von Hamburg nach Österreich, von Berlin in die Schweiz zu handeln, hat man zehn Staaten zu durchschneiden, zehn Zoll- und Mautordnungen zu studieren, zehnmal Durchgangszoll zu bezahlen. Wer aber das Unglück hat, auf einer Grenze zu wohnen, wo drei oder vier Staaten zusammenstoßen, der verlebt sein ganzes Leben mitten unter feindlich gesinnten Zöllnern und Mautnern, der hat kein Vaterland.“
Friedrich List verfolgte nicht nur ökonomische, sondern auch politische Ziele. Ihm schwebte ein Nationalstaat mit hohen Zollschranken nach außen und Freihandel nach innen vor. Dieses Gebilde sollte den 1815 gegründeten Deutschen Bund als Zusammenschluss von zahlreichen Fürstentümern und Freien Städten ersetzen. So ähnlich kam es dann über mehrere Zwischenstufen tatsächlich. Dass allerdings Preußen hier dem neuen Deutschen Reich seinen Stempel aufdrückt, war zu Zeiten von Friedrich List noch nicht abzusehen und auch nicht erwünscht.

21. August 2026