Staatsgeschenke nicht ohne Absicht - König Friedrich II. verfolgte mit Zuwendungen ein bestimmtes Ziel

Das Gedenkblatt suggeriert liebevolle Eintracht beim preußischen Königspaar, aber das war mehr Schein als Sein. Rechts die auch als Geschenk verwendete Porzellanbüste von Voltaire. Friedrich II. ehrte mit der Figur aus der Königlichen Porzellanmanufaktur seinen auf dem Sockel als unsterblich gefeierten Brieffreund und zeitweiligen Gast auf Schloss Sanssouci.

Dass aus Gegnern dauerhafte Freunde werden, lag dem Preußenkönig sehr am Herzen. Deshalb verwöhnte er den neuen Stern Russlands, Katharina II., ihren Sohn Paul und weitere Personen mit auserlesenen Porzellan aus der Berliner Manufaktur. Die Vase links ist mit dem Medaillenporträt der Zarin geschmückt. Daneben ein Kronleuchter der KPM, den der König seiner Schwester Wilhelmine und ihrem Gemahl Wilhelm von Oranien geschenkt hatte.

Die vergoldete Kutsche für die Zarin Elisabeth Petrowna kostete fast 10 000 Taler. Das Werk des Berliner Bildhauers Johann Michael Hoppenhaupt dem Älteren steht in der Moskauer Rüstkammer. Solche Kutschen erhielten als diplomatische Geschenke auch andere Höfe.

Schwergewichtige Goldmedaillen und brillantbesetzte Tabaksdosen hat der König von Preußen an treue Diener und Günstlinge verschenkt.

Im Alter legte der Alte Fritz, wie seine Untertanen den seit 1740 regierenden König von Preußen nannten, wenig Wert auf seine äußere Erscheinung. Meist trat er mit einer abgetragenen Uniform nur mit dem Stern des Schwarzen Adlerordens auf. Zu sehen ist sie im Deutschen Historischen Museum Berlin.
Fotos/Repros: Caspar
Preußens König Friedrich II. war, wie man weiß, kein sonderlicher Freund von Frauen. Lediglich mit seinen Schwestern pflegte er freundschaftlichen Umgang. Die eigene Gemahlin Elisabeth Christine hingegen hielt er sich vom Leib und verbannte sie nach Schönhausen am Rand von Berlin, wo sie einen kleinen, aber feinen Hofstaat unterhielt. Der König wusste, dass Geschenke Freundschaft erhalten, und er gab viel Geld aus, um sich der Gunst europäischer Herrscher zu versichern. Freunde und treue Staatsdiener bedachte er mit Geschenken und Gunstbezeugungen aller Art, ja auch mit Rittergütern, wenn sie eine besondere Leistung in Preußens Kriegen vollbracht hatten.
Wenn es aber darum ging, bedeutende Herrscherinnen, die er „liebe Frau Schwester“ zu nennen pflegte , imponieren und sich ihrer Freundschaft versichern wollte, war dem König von Preußen jedes Mittel recht. Da konnte „der Herr Bruder“, wie er in Korrespondenzen von seinesgleichen angesprochen wurde, sehr großzügig sein. In den Genuss besonders kostbarer Geschenke kam die 1763 nach der Ermordung ihres Gatten Peter III. auf den russischen Thron gelangte Zarin Katharina II., um deren Gunst der König von Preußen nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) intensiv warb. Die Mühe lohnte sich, denn die aus Anhalt-Zerbst stammende Zarin zeigte sich erkenntlich, als es darum ging, das Königreich Polen in mehreren Etappen unter Russland, Österreich und Preußen aufzuteilen, bis von ihm nichts mehr übrig war.
„Arm wie eine Kirchenmaus“
Der König von Preußen, der seinen Soldaten einen Wochenlohn von nur acht Groschen gewährte und einer armen Witwe den erbetenen Taler mit dem Hinweis verweigerte, er sei arm wie eine Kirchenmaus und habe nichts zu verschenken, wandte viel Zeit, Geld und Geschmack auf, mit luxuriösen Geschenken an europäischen Höfen Furore zu machen. Er ließ Herrschern, Freunden und Günstlingen kostbare Goldschmiedearbeiten wie silbernes Tafelgeschirr und goldene Tabakdosen, die oft randvoll mit Goldstücken gefüllt waren, zukommen. Edle Möbel, herrliche Gemälde und vor allem Erzeugnisse der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin (KPM) wechselten die Besitzer. Diese kaum bekannte Facette in der Politik und Diplomatie des mehrere Kriege führenden „Philosophen von Sanssouci“ wurde 1994 in einer eine ungewöhnlichen Ausstellung im Potsdamer Neuen Palais ausgiebig gewürdigt und ist in einem. interessanten Katalog dokumentiert.
Zwar behauptete der König in seinem Testament von 1752, eines Tages quasi als „armer Mann“ sterben zu müssen. In Wahrheit aber war das Vermögen, das er seiner damals noch lebenden Mutter Sophie Dorothea, seiner Gemahlin Elisabeth Christine sowie seinen Brüdern und Schwestern zu vermachen gedachte, ausgesprochen fürstlich. „Was das Allodialvermögen meiner Erbschaft angeht, so wird sich nicht viel vorfinden. Ich habe die Einkünfte des Staates als das Mark des Volkes betrachtet, für das ich ihm Rechnung schulde. Ich habe niemals auch nur den geringsten Teil davon für meinen eigenen Bedarf in Anspruch genommen. Also sterbe ich arm und zufrieden in dem Bewusstsein, meiner Herrscherpflicht genügt zu haben. (…) Endlich gelten meine Wünsche bis zum letzten Atemzuge dem Staate. Möchte er stets mit Weisheit regiert werden! Möchten Gerechtigkeit und Tugend unablässig in ihm herrschen! Möchte er das mächtigste, reichste, glücklichste Land der Welt werden und fortbestehen bis ans Ende der Zeiten!“
Familie und Staatsschatz sind untrennbar
In einer „Geheimen Instruktion für den Kabinettsminister Graf Finckenstein vom 10. Januar 1757, im zweiten Jahr des Siebenjährigen Kriegs, verfügte der König für den Ernstfall: „Die letzte Zufluchtsstätte endlich ist Stettin; man soll aber nur im äußersten Notfall dorthin gehen. Die Garnison, die königliche Familie und der Staatsschatz sind unzertrennlich und bleiben stets zusammen, dazu die Krondiamanten und das Silbergerät aus den Staatsgemächern, das in diesem Falle nebst dem goldenen Service unverzüglich in Geld umgeprägt werden muss.“ So weit ist es nicht gekommen, Friedrich der Große, wie man ihn jetzt nannte, wurde für damalige Verhältnisse uralt und starb am 17. August 1786 mit 74 Jahren.
Mitgliedern seiner Familie schenkte der König Juwelen sowie kostbaren Tafelgeschirre aus Silber und Porzellan, Gemälde und Antiquitäten und bedachte sie mit von vielen tausend Talern. Vor allem half er seinem hoch verschuldeten Bruder Heinrich mit vielen tausend Talern und erkaufte sich damit Loyalität, denn der Prinz und Herr von Rheinsberg neigte dazu, sich in die Regierungsgeschäfte des Königs einzumischen. Hin und wieder trennte sich Friedrich auch von liebgewordenen Gegenständen des täglichen Gebrauchs, um einer Person der engsten Umgebung besondere Wertschätzung zu bekunden. So kam es, dass eine seiner kostbaren Elfenbeinflöten in den Besitz eines Kammerdieners gelangte. Eines der wohl teuersten Geschenke war eine üppig vergoldete Staatskutsche für die Zarin Elisabeth Petrowna, mit der sich der Preuße gut stellen wollte. Er konnte jedoch nicht verhindern, dass sich er und die Zarin im Siebenjährigen Krieg erbittert bekämpften.
5. August 2026