Pergamonmuseum auf gutem Weg - Ausstellungseröffnung in frisch renovierten Räumen für Frühjahr 2027 angekündigt

  

Das Pergamonmuseum – hier der Blick vom Kupfergraben und von der Spreeseite auf die Baustelle – wurde außen und innen von Dach bis Keller saniert und restauriert. 2027 werden die Ausstellungssäle wieder für Gäste aus aller Welt geöffnet.

  

Vorsichtiger Umgang mit den Zeugen antiker Kunst - hier ein Blick auf ein Relief vom Pergamonaltar und das stammende Markttor von Milet - und sind eherne Grundsätze, die bei allen Baumaßnahmen zu beachten waren.



Auch die aus unzähligen farbig glasierten Ziegeln zusammen gesetzte Prozessionsstraße von Babylon aus dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert wurde fit für das 21. Jahrhundert gemacht.



Die Mschatta-Fassade war die prunkvolle Außenwand eines Wüstenschlosses aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts nach Christus. Seine Überreste wurden von einem Team des Museums für Islamische Kunst und der Technischen Universität Berlin restauriert.



Das Modell zeigt, wie die Umgebung der Museumsinsel (oben Zirkus Busch) aussah und wie sich der Architekt Alfred Messel das Pergamonmuseum vorstellte. 1930 wurde es ohne den Verbindungsbau in der Mitte eröffnet. Der soll noch geschaffen werden

Fotos: Caspar

Nach umfangreichen Baumaßnahmen vom Dach bis zum Keller
richten im Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel die Antikensammlung, das Museum für Islamische Kunst und das Vorderasiatische Museum nach und nach neue Ausstellungen ein. Geplant ist, das Haus im Frühjahr 2027 wieder zu eröffnen. Es werden dann auch Exponate gezeigt, die bisher kaum zu sehen waren, wie bei einem Presserundgang zu erfahren war. Da es sich um eine mit der Denkmalpflege abgestimmte Baumaßnahme handelt, musste alles getan werden, dass den oft tonnenschweren Exponaten und ihrer Umgebung keine Gewalt angetan wird und sie in ihrem nicht selten sehr fragilen Zustand belassen, allerdings umfassend gereinigt, gefestigt, aufgehellt und fit für das 21. Jahrhundert gemacht werden. So wurde das 1915 bis 1917 mit Genehmigung der türkischen Behörden in tonnenschweren Einzelteilen nach Berlin gebrachte Markttor von Milet bei der Generalsanierung des Pergamonmuseums ebenfalls einer umfassenden Verjüngungskur unterzogen. Dabei wurden Spuren unsachgemäßer Restaurierungen und Ergänzungen aus dem 20. Jahrhundert beseitigt und auch verrostete Eisenklammern durch solche aus nichtrostendem Stahl ersetzt.

Neuer Eingangspavillon im Ehrenhof
Die vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung durchgeführten Arbeiten im ersten Bauabschnitt werden Ende des Jahres abgeschlossen sein. Sie umfassten die denkmalgerechte Grundinstandsetzung des Nordflügels und des Mittelbaus mit dem Pergamonaltar und die Errichtung eines neuen Eingangspavillons im Ehrenhof. Damit ist ein Meilenstein bei der Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums erreicht. Im Erdgeschoss werden die Kassenbereiche, Flächen der Bildung und Vermittlung, das Café und die Ausstattung für Veranstaltungen vorbereitet.
Als das Haus wegen der Bauarbeiten schließen musste, entstand eine große Lücke in der Berliner, deutschen und europäischen Kulturlandschaft. Dass Warten lohnte sich, denn das Pergamonmuseum wird in ganz neuem Glanz erstrahlen und seine Kulturschätze in Zukunft noch besser zur Geltung bringen können. Deshalb hat der Bund die hochkomplexe Sanierung als alleiniger Träger der Baukosten gerne finanziert“, lobte Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer die Ergebnisse gemeinsamer Anstrengungen von Museologen, Architekten und Bauleuten. Martin Maischberger, Stellvertretender Direktor der Antikensammlung, betonte, die Räume seien auf den ersten Blick dieselben und doch ganz neu. „Nach einer tiefgreifenden Oberflächenrestaurierung erstrahlt die rekonstruierte Westfront des Pergamonaltars in bisher nie gekannter Tiefenschärfe und Helligkeit, neue Lichtdecken und denkmalgerechte Wiederherstellung der Wandfarben tun das ihrige dazu. Das berühmte Hephaistion-Mosaik aus den Königspalästen von Pergamon mit der einzigartigen Künstlersignatur kann ab 2027 im Telephossaal von ganz nah bewundert werden.“

UNESCO-Welterbe wird weiter entwickelt
Bei den Baumaßnahmen im Pergamonmuseum handelt es sich um die erste Grundinstandsetzung nach dem Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig wird das Haus für einen zeitgemäßen, besucherstarken Museumsbetrieb funktionstüchtig gemacht. Die Baumaßnahmen tragen wesentlich zum Erhalt und zur Weiterentwicklung des UNESCO-Welterbes Museumsinsel bei, sagte Petra Wesseler, Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Sie stelle die Funktionalität eines modernen und stark frequentierten Museums her und sichere so den Erhalt des Hauses für die Zukunft. Die bauliche Fertigstellung des ersten Bauabschnitts mit dem weltberühmten Altarsaal markiere einen bedeutenden Meilenstein in diesem hochkomplexen Großprojekt. Marion Ackermann, Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, lobte die Arbeit des Bundesamtes und der drei Museen, die „ganze Arbeit“ geleistet hätten. „Die Räume im Pergamonmuseum sind fertig, die Architekturexponate wie das Aleppo-Zimmer und Alhambra-Kuppel sind schon vollständig eingebaut. Ich freue mich nun auf die Eröffnung im Frühjahr 2027, wenn der Altarsaal wieder zurück ist und das Museum für Islamische Kunst in neuer Form präsentiert wird.“
Der Wiederaufbau der schwer geschädigten Gebäude war in den 1950er Jahren damals im Rahmen der der DDR zur Verfügung stehenden Mittel und Materialien eine große Leistung, aber er hatte auch seine Grenzen. In den folgenden Jahrzehnten zeigten sich Schäden am Haus und seinen Exponaten, die nicht länger hingenommen werden konnten. Im Rahmen der auf Plänen des renommierten Architekten Oswald Mathias Ungers basierenden Grundinstandsetzung des Hauses und seines Ausbaus musste die Gründung des problematischen, weil auf sumpfigem Untergrund stehenden Gebäudes verstärkt und auch das Dach umfassend saniert werden. Alle Lichtdecken wurden nach historischem Vorbild erneuert. Ertüchtigt wurde auch die technische Ausstattung des Museums sowie alles, was die Beleuchtung sowie die Raumluft und Klimatisierung, die Elektro- und Sicherheitstechnik und die Gebäudeautomation betrifft, alles Bereiche, die sowohl dem Haus und seinen Exponaten als auch den Besucherinnen und Besuchern zugute kommen werden.

Ungemeine Herausforderungen
Dem Architekten Jan Kleihues zufolge, sei Architektur nicht nur die Kunst zu bauen. Sie sollte auch Gemeinschaft stiften. „In der Nachfolge von Alfred Messel und Ludwig Hoffmanns verstand es Oswald Matthias Ungers mit seinem Wettbewerbsbeitrag, nämlich der ursprünglichen Idee des Museumsforums folgend, das Pergamonmuseum mit zeitloser Architektur zu komplettieren. Wir setzen dieses Konzept im Sinne von Ungers mit großer Verantwortung und ungemeine Herausforderungen fort. Es ist eine einzigartige Aufgabe, an so prominenter Stelle einen wertvollen Beitrag zum Weltkulturerbe Museumsinsel zu leisten. Mit dem Ergebnis können wir sehr zufrieden sein.“

16. Dezember 2025